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Ein Märtyrer im Konzentrationslager von Mauthausen

Hochbegabter Chemiker, überzeugter Katholik, Opfer des Nationalsozialismus: Der mittlerweile selige Jean Chavet starb mit nur 22 Jahren am Ende des Zweiten Weltkrieges.
Seliger Jean Chavet
Foto: IN | Bereits mit 20 Jahren schloss er das Chemieingenieursstudium als Jahrgangsbester ab und bekam für seine Abschlussarbeit den Victor-Grignard-Preis.

Am 28. April 1945 wurden zum letzten Mal Menschen in der Gaskammer eines nationalsozialistischen Konzentrationslagers ermordet. Im Krematorium desselben Lagers – im oberösterreichischen Mauthausen – war nur vier Tage vorher, am 24. April, der Franzose Jean Chavet verbrannt worden. Er gehörte zu den unzähligen Personen, die in den letzten Kriegswochen aus Gefängnissen und frontnahen Lagern evakuiert und in das Vernichtungslager Mauthausen transportiert worden waren, wo es aufgrund der Überfüllung, der grassierenden Krankheiten und des Hungers zu einem Massensterben kam. Daneben fanden noch im April 1945 – bis wenige Tage vor der Befreiung des Lagers – 1.200 bis 1.400 Menschen einen gewaltsamen Tod in den Gaskammern. Jean Chavet, ein hochbegabter Chemiker und engagierter Katholik, starb mit nur 22 Jahren. Er wurde am 13. Dezember 2025 zusammen mit weiteren 49 Märtyrern aus der Zeit des Nationalsozialismus im Auftrag von Papst Leo XIV. in der Basilika Notre-Dame in Paris seliggesprochen.

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Jean Chavet wurde am 10. August 1922 in Saint-Étienne, der Hauptstadt des Départements Loire, im Zentralmassiv unweit von Lyon geboren. In Lyon besuchte er die „École Supérieure de Chimie“ Industrielle, eine Elitehochschule für Chemieingenieure, die 1883 von einem Schüler Louis Pasteurs gegründet worden war. Jean Chavet erwies sich wissenschaftlich als hochbegabt. Bereits mit 20 Jahren schloss er das Studium als Jahrgangsbester ab und bekam für seine Abschlussarbeit den Victor-Grignard-Preis, der jährlich für herausragende Forschungen im chemischen Bereich verliehen wird. Anschließend bereitete er sich auf die Promotion vor. Neben der wissenschaftlichen Tätigkeit engagierte er sich als überzeugter Katholik in der Pfarrgemeinde und in der christlichen Studentenbewegung „Jeunesse Étudiante Chrétienne“.

Da Lyon im Zweiten Weltkrieg unter deutscher Besatzung stand, war zu befürchten, dass Jean wie viele andere junge Männer als Zwangsarbeiter in das Deutsche Reich gesandt werden würde. Sein Vater riet ihm daher, sich freiwillig für den Arbeitsdienst zu melden, da er so die Möglichkeit hätte, seinen Arbeitsplatz in Deutschland selbst zu wählen. Jean folgte seinem Rat und brach nach Beendigung des Studienjahres, am 6. Juni 1943, in das Deutsche Reich auf.

Geheime Forschungsergebnisse

Er kam nach Schkopau bei Merseburg in Sachsen-Anhalt, wo er in einem Chemielabor der Buna-Werke in der Forschung für die Kunststoffproduktion tätig wurde. Ein Kollege, ebenfalls ein französischer Zwangsarbeiter, erinnerte sich später, dass Jean sein großes Wissen nicht zeigte, sondern seine Forschungsergebnisse geheim hielt und dem Vorgesetzten nur kleinere Resultate mitteilte. Dies bedeutete für ihn zwar, dass er mehr Arbeit hatte und keine persönliche Anerkennung bekam, aber wichtiger als das berufliche Vorankommen war es ihm, die deutsche Kriegsindustrie nicht zu unterstützen.

Jean Chavet wohnte in der Chemiker-Baracke zusammen mit 22 weiteren französischen Arbeitern, darunter dem Priester Pascal Vergez, der ebenfalls zu den 50 Märtyrern gehört. Zusammen leiteten sie eine Gruppe katholischer Arbeiter, die heimlich verbotene Seelsorgearbeit unter den insgesamt etwa 1 200 Franzosen des Lagers leisteten. Nachdem der Priester verhaftet worden war, übernahm Jean Chavet die Organisation der geistlichen Unterstützung allein, blieb aber nicht lange unentdeckt. Am 2. November 1944, dem Allerseelentag, wurde er ebenfalls festgenommen und in Halle inhaftiert. Im Gefängnis wurde er unter Folter verhört und zog sich schließlich im Februar 1945 eine Typhuserkrankung zu.

Am 2. März transportierte man den Kranken in das Konzentrationslager Mauthausen. Am 23. April fand ihn einer seiner Kameraden noch lebend neben dem Krematorium vor und hörte, dass er sagte: „Wenn ich nicht auf der Erde nach Lourdes gehen kann, dann gehe ich im Himmel nach Lourdes. Ich habe mich in Buna zu sehr für meine Kameraden verausgabt. Jetzt gehe ich und ruhe mich aus.“ Am folgenden Tag, dem 24. April, warf man ihn in das Krematorium – ob er bereits tot war oder bei lebendigem Leib, ist nicht bekannt.“

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Themen & Autoren
Claudia Kock Das dritte Reich Katholikinnen und Katholiken Leo XIV.

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