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„Superwahljahr“ für die deutschen Bischöfe

Antifaschistischer Pathos oder Deeskalation? Ende Februar wählt die DBK einen neuen Vorsitzenden. Er wird sich auch überlegen müssen, wie er mit dem Rechts-Trend umgehen will.
Onlineredakteur Jakob Ranke, Bischof Georg Bätzing
Foto: DT / IMAGO / epd | Tritt er nochmal als DBK-Vorsitzender an? Das hat Bischof Georg Bätzing, hier in kämpferischer Pose auf dem evangelischen Kirchentag, bisher offen gelassen.

„Superwahljahr“ ist ein Schlagwort, mit dem Medien derzeit gerne um sich werfen. Und es stimmt ja: Immerhin in fünf der 16 deutschen Bundesländer wird 2026 gewählt. Hoffnung auf Zugewinne dürfen sich vor allem AfD und Linke machen, betrüblicher sieht die Lage für SPD und CDU aus. Das Wahljahr für Katholiken eröffnen wird allerdings die Deutsche Bischofskonferenz, die bei ihrer Frühjahrsvollversammlung Ende Februar einen neuen Vorsitzenden wählen wird. Ob er für eine zweite Amtszeit antreten werde, ließ der seit 2020 amtierende Limburger Bischof Georg Bätzing dabei zuletzt offen.

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Natürlich steht Bätzing in erster Linie für eine liberale deutsch-katholische theologische Linie, auch sein umstrittener Führungsstil wird eine mögliche Wahlentscheidung seiner Amtskollegen beeinflussen. Es wäre aber auch naheliegend, dass die Bischöfe die kommenden Landtagswahlen im Hinterkopf haben, wenn sie sich Gedanken über ihr künftiges Aushängeschild machen. Bätzing steht dabei auch für die bedingungslose Solidarität zu den in weiten Teilen der Gesellschaft zunehmend als sklerotisch erlebten „demokratischen Parteien“ bei größtmöglicher Abgrenzung zur AfD, die in diesem Jahr vielleicht erstmals einen Ministerpräsidenten wird stellen können. Höhepunkt der AfD-Kritik war die selbstsichere „Erklärung zum völkischen Nationalismus“, die in ihrer Platzierung im Anschluss an eine Empörungswelle über die Rechtspopulisten mit landesweiten Demonstrationen Anfang 2024 freilich einen nicht ganz opportunismusfreien Eindruck hinterließ.

Realismus oder Realitätsverlust?

Doch der Wind hat gedreht: Konnte sich die Kirche des allgemeinen Applauses für ihr Anti-Rechts-Engagement lange sicher sein, kommt langsam die Rechnung auf den Tisch. Unter AfD-Regierungsbeteiligung fände sich die Kirche so unfreiwillig wie selbstverschuldet in einer Oppositionsrolle wieder, vielleicht schon 2026. Hinzu kommt das verstärkte Werben der Rechtspopulisten um Christen und der aus den Vereinigten Staaten herüberschwappende Trend zur Verquickung konservativer politischer Ansichten mit christlichen religiösen Vorstellungen, der gerade in jüngeren Altersgruppen Zustimmung erfährt. Entreißen konservative „Christfluencer“ die Jugend dem Einfluss ihrer Hirten? Reißerisch aufgemachte ÖRR-Dokus (DT vom 18.12.25) oder besorgte „katholisch.de“-Interviews über „rechte Christen“ zeichnen oft skurrile Zerrbilder, beziehen sich aber durchaus auf reale Veränderungen. Wie also gedenkt die Amtskirche, mit diesen Entwicklungen umzugehen? Allein mit betroffen-antifaschistischer Pose im Stil einer SPD-nahen NGO werden die Bischöfe im Kampf um die Herzen der Gläubigen keinen Boden gutmachen.

Der Magdeburger Bischof Gerhard Feige, der voraussichtlich Ende 2026 aus dem Amt scheiden wird, hat die Verfolgung der Kirche noch unter der DDR-Diktatur selbst miterlebt. Ob er wie der ebenfalls scheidende Ministerpräsident Rainer Haseloff (CDU) Sachsen-Anhalt verlassen werde, wenn die Magdeburger Staatskanzlei in die Hände des AfD-Kandidaten Ulrich Siegmund fallen sollte, wurde Feige jüngst in einem Interview gefragt. Darüber habe er noch nicht nachgedacht, antwortete der Bischof unentschlossen. Er erwarte aber, das es dann „sehr schwierig ... für alle Andersdenkenden“ werde. Ist das diktaturerfahrener Realismus – oder in dieser pathosgeladenen Drastik nicht doch eher Zeichen von Realitätsverlust?

Es wäre jedenfalls an der Zeit, dass die deutschen Bischöfe noch einmal in sich gehen und möglichst nüchtern überdenken, welche Haltung sie gegenüber dem Wandel der politischen Großwetterlage im Land, aber auch unter ihren Gläubigen, einnehmen und langfristig durchhalten wollen. Klar: Stünde mit steigendem AfD-Zuspruch wirklich ein neues 1933 vor der Tür, wäre auch tatsächlich die kämpferische Totalopposition die ethisch gebotene Variante. Sollte man hingegen rückblickend zu der Erkenntnis gelangen, im – sicher schwierigen – Umgang mit den ja keineswegs nur in Deutschland aufstrebenden Rechten doch zu alarmistisch undifferenziert, am Ende gar polarisierend gewirkt zu haben, wäre rhetorische Deeskalation angebracht. Auch in dieser Hinsicht könnte die Wahl des nächsten DBK-Vorsitzenden zum Fingerzeig werden.

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