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Jeder siebte Muslim kann sich vorstellen, Christ zu werden

Eine neue INSA-Studie im Auftrag von „Die Tagespost“, „Idea“ und dem „Neuen Anfang“ liefert neue Erkenntnisse über das Christentum in Deutschland.
Erwachsenentaufe
Foto: Corinne Simon (KNA) | Eine erwachsene Frau lässt sich in Paris taufen. Frankreich erlebte im vergangenen Jahr einen regelrechten Taufboom. Könnten auch in Deutschland die Zahlen bald steigen?

Dass den christlichen Kirchen in Deutschland ihre Mitglieder davonlaufen, ist eine allseits bekannte Tatsache. Umso bemerkenswerter ist die Erkenntnis, dass es gar nicht so wenige Menschen gibt, die möglicherweise den umgekehrten Weg einschlagen werden: Acht Prozent der Deutschen können sich vorstellen, (wieder) in eine christliche Kirche einzutreten. Bei jungen Menschen zwischen 18 und 29 Jahren sind es sogar 16 Prozent – also jeder Sechste. Auch jeder siebte Muslim gibt an, sich vorstellen zu können, in eine christliche Kirche einzutreten.

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Diese Ergebnisse sind Teil einer repräsentativen Religionsstudie des Meinungsforschungsinstituts INSA im Auftrag von „Die Tagespost“, der katholischen Initiative „Neuer Anfang“ und der evangelischen Nachrichtenagentur „Idea“ zum christlichen Leben in Deutschland. Der Leiter des Meinungsforschungsinstituts INSA, Hermann Binkert, stellt die Ergebnisse der Studie heute in Rom im Rahmen der Jahreswallfahrt des „Neuen Anfangs“ und der „Tagespost“ vor. In einer Podiumsdiskussion werden Binkert, „Tagespost“-Chefredakteurin Franziska Harter, der ehemalige „Idea“-Chefredakteur Helmut Matthies und weitere Teilnehmer die Studie erörtern. In den kommenden Tagen soll die Studie außerdem an Papst Leo XIV. übergeben werden.

Die wichtigsten Ergebnisse der INSA-Studie: Noch rund 45 Prozent der Deutschen gehören laut der offiziellen Statistik einer christlichen Kirche an, aber 73 Prozent geben an, getauft zu sein. Es gibt also 50 Prozent mehr Getaufte als Kirchenmitglieder.

Jeder vierte Katholik will bald aus der Kirche austreten

Die römisch-katholische Kirche (23,7 Prozent) hat aktuell mehr Mitglieder als die evangelischen Landeskirchen (21,5 Prozent), aber es gibt in Deutschland mehr evangelisch getaufte Christen (36 Prozent) als katholisch getaufte Christen (31 Prozent). Schaut man aber auf die jüngeren Generationen, überwiegen die katholisch Getauften.

Von den römisch-katholischen, evangelisch-landeskirchlichen und freikirchlichen Befragten geben 22 Prozent an, in den nächsten zwei Jahren aus ihrer Kirche austreten zu wollen. Bei den Katholiken ist es sogar fast jeder Vierte. Gerade in den jüngeren Generationen liegt die Neigung zum Austritt besonders hoch.

Von der Bevölkerungsmehrheit, die keiner christlichen Kirche angehört, können sich jedoch acht Prozent vorstellen, (wieder) in eine christliche Kirche einzutreten. Bei den 18- bis 29-Jährigen sind es sogar 16 Prozent, bei den muslimischen Befragten 14 Prozent.

Viele, die sich als Christen bezeichnen, glauben nicht an Gott 

42 Prozent aller Deutschen glauben an Gott, 45 Prozent glauben nicht an Gott. Eine deutliche Mehrheit der unter 30-Jährigen (53 Prozent) glaubt an Gott, bei den 30- bis 39-Jährigen glaubt fast noch jeder Zweite an Gott (46 Prozent), aber bei den Altersgruppen ab 40 sind es nur noch zwischen 33 und 40 Prozent.

44 Prozent aller Deutschen bezeichnen sich als Christen. Ältere bezeichnen sich häufiger als Christen als Jüngere, Westdeutsche häufiger als Ostdeutsche. Aber: Fast jeder Fünfte (18 Prozent), der sich selbst als Christ bezeichnet, glaubt nicht an Gott.

47 Prozent derjenigen, die zur katholischen Kirche, den evangelischen Landeskirchen oder einer Freikirche gehören, bezeichnen sich als gläubige Christen. In den ostdeutschen Bundesländern (54 Prozent) bezeichnen sich Kirchenmitglieder häufiger als gläubige Christen als in den westdeutschen (46 Prozent).

Im deutschen Osten spricht man freimütiger über den Glauben 

Von denen, die sich als gläubige Christen bezeichnen, geben 48 Prozent an, auch gegenüber Nicht-Christen über ihren christlichen Glauben zu sprechen. Im Osten sind es auch hier mit 65 Prozent deutlich mehr als im Westen (46 Prozent).

Fast zwei Drittel der Befragten (64 Prozent) nennen unter acht vorgeschlagenen Aspekten mindestens einen Punkt, der für sie das Christentum ausmacht. Am häufigsten genannt wird dabei die Gottes- und Nächstenliebe (28 Prozent von allen). Für die Generation über 70 wird der Aspekt „Orientierung an den Zehn Geboten“ mit 36 Prozent am häufigsten genannt. Bei der Generation der 18- bis 29-Jährigen nennt jeder Vierte „Jesus Christus als wahrer Gott und wahrer Mensch“ als Aspekt, der das Christentum ausmacht – mehr als in jeder anderen Altersstufe.

Knapp jeder Zweite (48 Prozent), der an Gott glaubt, betet regelmäßig. Und eine überwältigend große Mehrheit (84 Prozent) der regelmäßigen Beter hat bereits die Erfahrung gemacht, dass ihre Gebete wirken.

Das Internet ist Ort der geistlichen Suche

Nur jeder Sechste (16 Prozent) findet den „Synodalen Weg“ der katholischen Kirche in Deutschland richtig, knapp jeder Fünfte (19 Prozent) findet ihn falsch, zwei Drittel (65 Prozent) haben davon noch nie gehört (39 Prozent) beziehungsweise wollen oder können darauf nicht antworten (26 Prozent). Auch unter den befragten Katholiken findet nur gut jeder Fünfte (21 Prozent) den „Synodalen Weg“ richtig.

Eine zusätzliche Umfrage der „Tagespost“ ergab außerdem, dass fast jeder vierte Deutsche bereits mindestens einmal im Internet oder den Sozialen Medien nach religiösen Inhalten gesucht hat. Bei den 18- bis 29-Jährigen sind es sogar 61 Prozent. Besonders häufig trifft das auf Muslime zu.

Mehr als die Hälfte der Deutschen (55 Prozent) wünscht sich, dass das Christentum bei uns erhalten bleibt. 64 Prozent aller Deutschen wünschen sich von den christlichen Kirchen spirituelle Orientierung und/oder politisch-gesellschaftliche Einflussnahme. Die christliche Weihnachtsbotschaft spielt für knapp die Hälfte (47 Prozent) noch eine wichtige Rolle. DT/fha

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