Wie schon im vergangenen Jahr hat die Stadt Frankfurt anlässlich des beginnenden muslimischen Fastenmonats eine Ramadan-Beleuchtung aufstellen lassen: Halbmonde, Sterne und der Schriftzug „Happy Ramadan“ sollen nach Meinung der grünen Diversitätsdezernentin Nargess Eskandari-Grünberg zeigen, „dass muslimisches Leben ein ganz selbstverständlicher Teil“ der Stadt sei.
Dass die Frankfurter Ramadan-Glückwünsche gerade in der „Fressgaß“ der Fußgängerzone zur Schau gestellt werden, entbehrt nicht einer wohl unfreiwilligen Komik. Will man hungrige Muslime etwa mit dem Hinweis provozieren, welche Köstlichkeiten ihnen während des Tages entgehen? Oder steckt darin vielleicht sogar ein fieser Seitenhieb auf angeblich verbreitete Gewichtszunahmen während des Ramadans, die durch nächtliche Völlerei verursacht werden? Nein, an der aufrichtigen Sympathie von Frau Eskandari-Grünberg und der Stadt Frankfurt gegenüber dem Islam und seinen Bräuchen kann es keine Zweifel geben. Zweifelhaft dagegen ist, ob es in der Messestadt am Main auch dem Christentum gegenüber so viel Wohlwollen gibt. Denn dieses Jahr fällt der Beginn des Ramadans auf den Aschermittwoch und damit mit dem Anbruch der christlichen Fastenzeit zusammen. Von einer Frankfurter Leuchtschrift, die Christen gesegnete Fastenzeit wünscht, ist aber nichts bekannt.
Christen sollten angesichts dieser Lage jedoch nicht in Klage verfallen, denn dass der Ramadan ein großes gesellschaftliches Thema ist, das christliche Fasten aber weniger, hat vor allem auch damit zu tun, wie sich die Angehörigen der beiden Religionsgruppen verhalten: Während Muslime ihre religiösen Praktiken selbstbewusst praktizieren und in die Öffentlichkeit tragen, ist das einst wie selbstverständlich von der Mehrheit gelebte Christentum eingeschlafen. Gerade die Konfrontation mit dem Islam könnte aber eine Rolle spielen, es wieder zu erwecken. Erwacht die Sehnsucht nach dem Eigenen denn nicht vor allem auch in Auseinandersetzung mit dem Anderen, dem Fremden? Vielleicht fragen sich insbesondere junge Nichtmuslime, warum sie eigentlich mehr über den Ramadan wissen als über Gestaltung, Sinn und Zweck der christlichen Fastenzeit, und nehmen ihr Nichtwissen zum Anlass, sich mit „ihrer“ Religion auseinanderzusetzen.
Der wahre Sinn des Fastens liegt in der Umkehr
Letztes Jahr wurde von einem regelrechten Ansturm auf die Aschermittwochsgottesdienste in Frankreich berichtet. Vor allem Jugendliche und junge Erwachsene strömten in Scharen in die Kirchen, um sich das Aschekreuz auflegen zu lassen. In Frankreich ist die öffentliche Präsenz des Islam in Teilen noch stärker als in Deutschland. Dass diese Islamisierung ein Mitauslöser für den Aschermittwochstrend ist, ist zumindest eine naheliegende Hypothese.
So wichtig äußerlich sichtbare Zeichen des Christseins wie das aufgetragene Aschekreuz auch sind, ihr wahrer Sinn liegt in der Umwandlung des Inneren, mit der sie Hand in Hand gehen sollten. Die Fastenzeit als bloß kulturelles Statement in Abgrenzung zum Islam ist eine hohle Geste. Das Fasten soll schließlich vor allem eines: uns näher zu Christus führen. Im freiwilligen Verzicht auf weltliche Genüsse, durch die Intensivierung unseres Gebetslebens und fromme geistliche Übungen sollen wir unserem Erlöser näherkommen, der freiwillig für uns gelitten hat und aus freien Stücken für uns gestorben ist, um uns das Himmelreich zu gewinnen. Das Fasten ist Übung in der Nachfolge Christi. Entsprechend mahnt Jesus uns auch, das Fasten nicht an die große Glocke zu hängen. Nicht um Lob und Anerkennung unserer Mitmenschen geht es, der Lohn ist das durch das Fasten vertiefte Liebesverhältnis zu Gott. Auf eine politisch angeordnete „Happy Fastenzeit“-Leuchtschrift können Christen insofern gelassen verzichten.
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