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Kurienkardinal verteidigt Franziskus-Neuerung

Ehemaliger Präfekt spricht von „ekklesiologischem Fortschritt“ bei Zulassung von Laien in Leitungsämtern.
Kardinal Marc Ouellet
Foto: Imago/ABACAPRESS | Kurienkardinal Marc Quellet verwirft eine rein juristische Begründung kirchlicher Leitungsgewalt.

Der Kurienkardinal Marc Ouellet hat die Zulassung von Laien und Ordensfrauen zu Leitungsämtern in der Römischen Kurie als bleibende Reform verteidigt. In einem am Dienstag auf dem Portal „Vatican News“ veröffentlichten Kommentar bezeichnet der frühere Präfekt des Dikasteriums für die Bischöfe die Neuerung als „ekklesiologischen Fortschritt“.

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Papst Franziskus habe diesen Schritt mit dem „Synodalen Prinzip“ begründet, das eine stärkere Beteiligung der Gläubigen an Gemeinschaft und Sendung der Kirche fordere.

Der 81-jährige Kanadier räumt ein, dass die Öffnung von Leitungsämtern dem über Jahrhunderte gewachsenen kirchlichen Brauch widerspreche, solche Aufgaben geweihten Amtsträgern anzuvertrauen. Zu Beginn des neuen Pontifikats hätten manche den engen Zusammenhang von Weiheamt und Leitungsfunktion wieder stärker betonen wollen. 

Das Zweite Vatikanische Konzil habe zwar die Sakramentalität des Bischofsamtes hervorgehoben. Dies bedeute jedoch nicht, „dass das Weihesakrament die einzige Quelle jeder Form von Regierung in der Kirche wäre“, so Ouellet.

Charismen und Jurisdiktion

Ouellet wendet sich gegen eine rein juristische Begründung kirchlicher Leitungsgewalt und verweist auf ein „pneumatologisches Defizit“ in der Sakramententheologie. Neben der Weihe seien auch die Charismen zu berücksichtigen, durch die der Heilige Geist in der Kirche wirke. Laien könnten daher Verantwortung in nicht sakramentalen Bereichen übernehmen. 

„Es geht nicht darum, eine charismatische Leitung an die Stelle der hierarchischen Leitung zu setzen“, betont der Kardinal. In bestimmten Bereichen sei auch eine Unterordnung von Priestern oder Bischöfen unter Laien sachlich angemessen.

Zeitgleich bestätigte Papst Leo XIV. die Mitglieder des Dikasteriums für die Bischöfe, darunter die bereits 2022 von Papst Franziskus ernannten Frauen Raffaella Petrini und María Lía Zervino, und berief zudem die Ordensfrau Simona Brambilla vergangene Woche in das Gremium. 

Brambilla war bereits im Januar 2025 von Papst Franziskus zur Präfektin des Dikasteriums für die Institute des geweihten Lebens ernannt worden. Beobachter werten dies als Zeichen dafür, dass der amtierende Papst an der von Franziskus eingeführten Praxis festhält.

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Die Ernennung Brambillas zur Präfektin hatte kirchenrechtliche Diskussionen ausgelöst. Nach Canon 129 sind grundsätzlich Geweihte zur Ausübung von Leitungsgewalt befähigt, Laien können jedoch bei ihrer Ausübung mitwirken. Umstritten bleibt, ob dies auch die Leitung eines Dikasteriums umfasst. DT/jna


FAQ

Was verteidigt Kardinal Ouellet?
Er verteidigt die Zulassung von Laien und Ordensfrauen zu Leitungsämtern in der Römischen Kurie als bleibende Reform.

Wie begründet Ouellet die Neuerung?
Er verweist auf das synodale Prinzip sowie auf Charismen und betont, dass das Weihesakrament nicht die einzige Quelle kirchlicher Leitung sei.

Warum gibt es kirchenrechtliche Diskussionen?
Nach Canon 129 sind grundsätzlich Geweihte zur Leitungsgewalt befähigt, weshalb umstritten ist, ob Laien auch ein Dikasterium leiten können.

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