Nach einem Gespräch zwischen dem Präfekten des Glaubensdikasteriums, Kardinal Victor Manuel Fernández, und dem Generaloberen der Priesterbruderschaft St. Pius X., dem Priester Davide Pagliarani, am heutigen Donnerstag, hat der Vatikan schnell reagiert: In einer Mitteilung des Glaubensdikasteriums, die von Kardinal Fernández unterschrieben ist, schlägt Rom den Piusbrüdern „einen spezifisch theologischen Dialog mit einer genau festgelegten Methodik vor, um Themen zu erörtern, die noch nicht ausreichend geklärt sind, wie beispielsweise den Unterschied zwischen Glaubensakt und ,religiöser Ehrerbietung des Geistes und des Willens‘ oder die unterschiedlichen Grade der Zustimmung, die die verschiedenen Texte des Zweiten Vatikanischen Konzils und dessen Auslegung erfordern.“
Das Pikante an dem Vorschlag: Dieser Dialog setze voraus, dass die Bruderschaft die öffentlich angekündigten Bischofsweihen am 1. Juli dieses Jahres zunächst unterlässt. Wörtlich heißt es in der Erklärung von Kardinal Fernández: „Die Möglichkeit, diesen Dialog zu führen, setzt daher voraus, dass die Bruderschaft die Entscheidung über die angekündigten Bischofsweihen aussetzt. Der Generalobere der FSSPX wird den Vorschlag seinem Rat vorlegen und dem Dikasterium für die Glaubenslehre seine Antwort übermitteln. Im Falle einer positiven Antwort werden die zu unternehmenden Schritte, Etappen und Verfahren (eines dann stattfindenden Dialogs, A.d.R.) einvernehmlich festgelegt.“
Ein Schisma wäre die Folge
Genauso deutlich macht das Glaubensdikasterium aber auch, dass die Verweigerung des Gehorsams durch die Piusbrüder zu einer Kirchenspaltung führen würde, wobei die Erklärung auch vom „Schisma“ spricht: Im Verlauf des Gesprächs mit Pagliarani habe der Vatikan bekräftigt, dass „die Weihe von Bischöfen ohne Mandat des Heiligen Vaters, der die höchste ordentliche Vollmacht besitzt, die vollständig, universell, unmittelbar und direkt ist, einen entscheidenden Bruch der kirchlichen Gemeinschaft (Schisma) mit schwerwiegenden Folgen für die Bruderschaft insgesamt bedeuten würde“.
Dabei beruft sich das Glaubensdikasterium auf den Kirchenrechtskodex, Canon 331, und die Dogmatische Konstitution „Pastor aeternus“ des Ersten Vatikanums, Kapitel I und III., sowie auf das Apostolische Schreiben „Ecclesia Dei“ von Johannes Paul II. vom 2. Juli 1988 und die entsprechende „Erläuternde Note“ des Rates für die Gesetzestexte vom 24. August 1988. Insgesamt habe der den Piusbrüdern vorgeschlagene Weg des Dialogs das Ziel, „in den diskutierten Themen das für die volle Gemeinschaft mit der katholischen Kirche notwendige Minimum herauszuarbeiten und folglich ein kanonisches Statut der Bruderschaft zu entwerfen, zusammen mit anderen Aspekten, die noch weiter vertieft werden müssen“, heißt es in der von Fernández unterzeichneten Mitteilung.
Rom zeigt keine Toleranz
Die ganze Kirche werde gebeten, so heißt es in dem Text abschließend, „diesen Weg, insbesondere in der nächsten Zeit, mit Gebeten zum Heiligen Geist zu begleiten. Er ist der wichtigste Urheber der von Christus gewollten wahren kirchlichen Gemeinschaft“.
Doch die Botschaft an die von Erzbischof Marcel Lefebvre gegründete Priesterbruderschaft ist klar: Rom wird die für diesen Sommer angekündigten Bischofsweihen nicht tolerieren. Eine Zuwiderhandlung würde die Piusbrüder endgültig ins Schisma führen. Stattdessen soll die Bruderschaft mit dem Vatikan einen Dialog über die zwischen Rom und den Piusbrüdern bestehenden Differenzen führen, die weit über die Fragen der „alten“ Messe hinausgehen und grundlegende dogmatische Aussagen des Zweiten Vatikanums betreffen.
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