Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Zwischen Pizza und Pasta

Ein Papst mit Fitnessraum

Wenn der Römer essen geht, ist kein Sparen angesagt. Was nichts kostet, ist auch nichts, sagt man selbst im Vatikan.

Herr Professor ist wieder gut zu Fuß, und nachdem wir das letzte Mal mit Müh und Not gerade mal den Chinesen erreicht hatten, spazieren wir jetzt in den Stadtteil Prati, wo die Piemontesen nach der Eroberung Roms nicht nur den gewaltigen Justizpalast errichtet haben, sondern auch mit der Piazza del Risorgimento einen laizistischen Gegenpol zum Petersplatz schaffen wollten. Es ist ihnen gründlich missraten. Der vom Verkehr unglücklich zerschnittene Platz hat weder Struktur noch Format – ganz im Gegensatz zu dem gewaltigen Kolonnadenrund vor der Vatikanbasilika, auch wenn dort einige Denkmäler moderner Art wie die Faust aufs Auge passen. Etwa die lebensgroße Flüchtlings- und Migrantengruppe in Bronze, die Papst Franziskus so gut gefallen hat. An der Piazza Risorgimento vorbei steuern wir das „Ristorante Del Frate“ an, das sich hier ungefähr zu der Zeit niedergelassen hat, als der Stadtteil Prati 1921 offiziell errichtet wurde und die neuen Straßen die Namen von Helden der römischen Republik erhielten.

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Auch Herr Professor hat das Gerücht gehört, dass auf dem Dach des Petersdoms ein schickes Bistro für Touristen entstehen soll. Aber er winkt ab. Es geht nur um die Erweiterung des Gastronomieareals auf der Terrasse, da, wo der Aufzug endet und jetzt schon Eis und Getränke feilgeboten werden. Aber den geschäftstüchtigen Franziskanern, die unter der Leitung des Erzpriesters Mauro Gambetti die Geschicke der Dombauhütte von Sankt Peter verwalten, wäre das durchaus zuzutrauen. Schließlich müssen die reichen Amerikaner, die am späten Abend eine Privatführung durch die besucherfreien Vatikanischen Museen samt Verköstigung buchen, auch ganz ordentlich in die Tasche greifen. Im „Del Frate“ nimmt man erst einen Aperitif, wir wählen den klassischen Prosecco und bestellen danach panierten „Mozzarella im Mantel“ mit Sardellen-Mayonnaise.

Ein Fitnessraum unterm Dach

Kein Gerücht ist, wie Herr Professor direkt aus der Kurie erfahren hat, dass jetzt wieder einmal ein päpstliches Dekret per Anschlag im Damasus-Hof hing: Papst Franziskus hatte im Februar 2023 per Reskript angeordnet, dass Kardinäle und leitende Kurienprälaten keine Vatikan-Wohnungen mehr unentgeltlich oder zu besonders günstigen Konditionen nutzen dürfen. Das hat Papst Leo nun mit Wirkung vom 1. Februar aufgehoben. Das „Rescriptum ex audientia SS.mi“, das Franziskus damals dem Präfekten des Wirtschaftssekretariats zukommen ließ, stammt noch aus der Zeit, als alle – der Papst vorneweg – das angebliche Defizit des Heiligen Stuhls beklagten. Jetzt ist es abgeschafft. Papst Leo hält nichts vom übermäßigen Sparen. Dem wollen wir folgen und wählen auf der Karte ein ordentliches Lammkotelett mit Artischockenherzen aus, angemacht in einer Soße aus Rosmarinöl und Pecorino.

Apropos Sparen. Papst Leo, der laut römischen Zeitungen jetzt in sein neues Appartement im Apostolischen Palast umziehen soll, lässt sich sein körperliches Wohl auch etwas kosten. Die päpstliche Wohnung sei schlicht, wissen die Eingeweihten, aber auf der Seite, die zum Turm der „Vatikanbank“ IOR hin ausgerichtet sei, habe sich der amerikanische Papst unter dem Dach einen Fitnessraum einrichten lassen. Sein Schlafzimmer hingegen liege gegenüber, gehe aber nicht auf den Petersplatz hinaus. Soweit die römische Presse. Eins ist jedenfalls sicher, meint Herr Professor: Das Licht im Arbeitszimmer des Papstes hoch über den Kolonnaden werde bald wieder leuchten. Und auf der aufsteigenden 10-Punkte-Skala geben wir dem „Ristorante Del Frate“ volle zehn Punkte – da stimmte einfach alles, vom Aperitif mit den kleinen Snacks bis zu einem ungemein würzigen Amaro, den die Bedienung für uns aussuchen durfte. 

Das „Ristorante Del Frate“ liegt in der Nähe der Piazza del Risorgimento in der Via degli Scipioni, Hausnummer 118.

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