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Geldsorgen? Das war gestern

Unter Leo XIV. ist von den Finanznöten des Vatikans nicht mehr die Rede – Stattdessen zahlen auch Staaten, von denen man es nicht erwartet hätte.
Finanzen Vatikan
Foto: Imago/Catholicpressphoto | Papst Leo mit dem Amerikaner Kevin Farrell, dem vielleicht mächtigsten Kardinal der Römischen Kurie.

In der Endphase des Pontifikats von Papst Franziskus galt die wirtschaftliche und finanzielle Lage als eine der ganz großen Baustellen des Vatikans. Mit dem Amtsantritt von Leo XIV. scheint die Lage jedoch nicht mehr so dramatisch zu sein. Es sind keine alarmierenden Stimmen mehr zu hören, wie es in den letzten Jahren der Fall war.

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Eine der letzten Amtshandlungen von Franziskus war am 11. Februar die Einrichtung einer Fundraising-Kommission für den Heiligen Stuhl, deren Vorsitz der Papst dem Assessor im Staatssekretariat, Roberto Campisi, übertrug. Ende September versetzte ihn Papst Leo nach weniger als drei Jahren im Assessoren-Amt plötzlich als Ständigen Beobachter bei der UNESCO nach Paris. Es ist unklar, wie die Arbeit der von Campisi geleiteten Kommission, die mit einem Startkapital von 300 000 Euro begann, weitergehen wird.

Leo korrigierte Entscheidungen seines Vorgängers

In der Zwischenzeit hat Leo XIV. eine Reihe von Maßnahmen ergriffen, die die Entscheidungen seines Vorgängers korrigiert haben. Insbesondere hat die Vatikanbank IOR, die unter Franziskus einen gewichtigen Einfluss in der Römischen Kurie erlangt hatte, an Macht verloren. Immerhin hatte einst die Weigerung des IOR, dem Staatssekretariat einen Kredit zu gewähren, den Skandal um die Investition in eine Londoner Immobilie ausgelöst, der unter anderem zur vollständigen Entmachtung des Staatssekretariats bei der Verwaltung der vatikanischen Finanzen führte.

Mit dem kurzen Motu proprio „Coniuncta Cura“ vom 29. September 2025 hob Leo XIV. das Reskript von Papst Franziskus vom 22. August 2022 wieder auf, das dem IOR die ausschließliche Zuständigkeit für die Vermögens- und Wertpapierverwaltung des Heiligen Stuhls und der damit verbundenen Institutionen zusprach und vorsah, dass alle finanziellen Mittel des Vatikans innerhalb von 30 Tagen an das IOR übertragen werden sollten.

Die Entscheidung von 2022 hatte dem IOR „die ausschließliche Tätigkeit als Vermögensverwalter und Verwahrer des beweglichen Vermögens des Heiligen Stuhls“ übertragen. Papst Leo legte nun in „Coniuncta Cura“ fest, dass die Vermögensverwaltung des Apostolischen Stuhls (APSA) „in der Regel die interne Organisationsstruktur des IOR nutzt“, eröffnete jedoch eine neue Möglichkeit: „Es sei denn, die zuständigen Stellen halten den Rückgriff auf in anderen Staaten ansässige Finanzdienstleister für effizienter oder zweckmäßiger.“ Mit anderen Worten: Der Vatikan kann wieder ausländische Finanzkanäle nutzen, wenn diese als geeigneter erachtet werden, ohne zwingend auf das IOR zurückgreifen zu müssen. 

Die graue Eminenz für das Finanzielle

In diesem Zusammenhang ist die Schlüsselfigur im Pontifikat von Leo XIV. in Bezug auf Wirtschafts- und Finanzfragen Kardinal Kevin Joseph Farrell, ein irischstämmiger US-Amerikaner, ehemals Mitglied der Legionäre Christi und später Bischof in den USA. Als Hauptaufgabe hat er das Amt des Präfekten des Dikasteriums für Laien, Familie und das Leben inne. Gleichzeitig hat er jedoch – dank seines Master-Abschlusses in Betriebswirtschaftslehre an der Notre Dame University und seiner Erfahrung als Verwalter der Schulen der Legionäre Christi – eine Reihe von scheinbar „untergeordneten“, aber für die Finanzen des Vatikans wichtigen Aufgaben übernommen.

So ist er Vorsitzender der 2020 von Franziskus eingesetzten Kommission für Vertrauliche Angelegenheiten (zur Überwachung der von Kurie und Vatikanstaat abgeschlossenen Verträge) sowie des Investitionsausschusses, zweier vatikanischer Gremien, die eine zentrale Rolle im Finanzsystem des Vatikans spielen. Zudem ist er auch Kämmerer des Heiligen Stuhls und Präsident des Kassationsgerichtshofs des Vatikanstaats. All diese Ämter zusammen machen Farrell trotz seines Alters von 78 Jahren zu einem der mächtigsten, wenn nicht sogar zum mächtigsten Kardinal der Römischen Kurie.

Auch Muslim-Staaten sind spendabel

Unterdessen erhält der Heilige Stuhl weiterhin Beiträge aus aller Welt. So haben etwa die Diözesen Italiens 2024 fast 1,8 Millionen Euro an Spenden der Gläubigen für den Peterspfennig weitergeleitet, während der Betrag, den die italienischen Diözesen gemäß dem Kirchenrecht (Canon 1271) an den Heiligen Stuhl abführen sollen, nochmals über 4,5 Millionen Euro betrug.

Aber im Vatikan treffen Spenden auch von weniger offensichtlichen Gebern als der italienischen Kirche ein, deren Primas immerhin der Papst ist. Ein Beispiel dafür ist Aserbaidschan. Das an Erdöl und Erdgas reiche Land ist zu 95 Prozent muslimisch – mit weniger als tausend katholischen Einwohnern.

Aserbaidschanischen Stiftung machte Restaurierungen möglich

Am 16. Oktober wurde in Rom die Restaurierung der unterirdischen Basilika in den Katakomben von Commodilla vorgestellt. Die von der aserbaidschanischen Heydar-Aliyev-Stiftung unter Vorsitz der Vizepräsidentin des Kaukasusstaats, Mehriban Aliyeva (die auch von Leo XIV. empfangen wurde), und der Päpstlichen Kommission für Sakrale Archäologie geförderte Maßnahme hat ein bedeutendes Kapitel der frühchristlichen römischen Kunst wieder sichtbar gemacht.

Dies war nur der letzte Schritt einer langen und fruchtbaren Zusammenarbeit, die es dem Vatikan dank der großzügigen Unterstützung der aserbaidschanischen Stiftung ermöglicht hat, zahlreiche Malereien in den Katakomben der Heiligen Marcellinus und Petrus und anschließend die Sarkophag-Sammlung im Monumentalkomplex „San Sebastiano fuori le mura“ zu restaurieren.

Die Höhe der aserbaidschanischen Finanzmittel ist nicht bekannt, aber es ist davon auszugehen, dass es sich um bedeutende Summen handelt. Dieser große Aktivismus Aserbaidschans im Schatten des Petersdoms hat die Diplomatie Armeniens nicht wenig beunruhigt, die in diesen Initiativen einen Versuch sieht, im Rahmen des zermürbenden Konflikts zwischen den beiden Kaukasusländern die Sympathien des Vatikans zu gewinnen.


Der Autor ist Vatikanberichterstatter und lebt in Rom.

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