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DPSG: Wie praktisch, dass der Synodale Weg zu Ende ist

Dass die Missbrauchsstudie zur DPSG erst kurz nach dem Synodalen Weg erscheint, ist kaum ein Zufall. Denn sie macht vieles unglaubwürdig, was dort jahrelang über sexuellen Missbrauch behauptet wurde.
DPSG in der Kritik
Foto: IMAGO / Funke Foto Services | Wäre die DPSG-Studie nur eine Woche früher erschienen, wäre das vor allem für die überlauten Alibi-Jugendlichen unter den synodalen Grauköpfen peinlich geworden, die in all den Jahren zu den lautesten Anklägern ...

Keine Woche ist es her, dass der Synodale Weg zu Ende gegangen ist. Sechs Jahre lang war dort gebetsmühlenartig derselbe Vorwurf zu hören: Die katholische Kirche sei eine Täterorganisation, die wegen Dingen wie Zölibat, Sexualmoral, Hierarchie und dem Männern vorbehaltenen Priestertum massenweise sexuellen Missbrauch hervorgerufen habe. Die Synodalen ließen sich darin auch nicht beirren, als eine Missbrauchsstudie zur Evangelischen Kirche Deutschlands – hier gibt es weder Zölibat noch sakramentale Hierarchie, dafür aber die Frauenordination – das genaue Gegenteil ergab: In der evangelischen Kirche ist es gerade das hierarchielose, offene Pfarrhaus, das Sexualstraftäter nutzen, um an ihre Opfer zu kommen.

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Nein, der Synodale Weg funktionierte, weil er konsequent ausblendete, dass Missbrauch auch in anderen Institutionen vorkommt und dass jede Institution ihre spezifischen Risikofaktoren für Missbrauch hat, die Täter gezielt ausnutzen, um an Opfer zu kommen. Diese Risikofaktoren in ihr Gegenteil umzukehren – überzeichnet: statt katholisch-zölibatär-priesterlicher Aura lieber der evangelisch-verheiratet-nahbare Kumpel – ist empirisch nachweisbar nicht die Lösung. Es kann beispielsweise auch keiner ernsthaft fordern, den Trainer in Sportvereinen abzuschaffen, nur weil einige pädophile Täter diese Rolle dazu missbrauchen, Zugang zu den Körpern Minderjähriger zu erhalten. Nein, stattdessen muss die Wachsamkeit der jeweiligen Organisation für sorgfältige Auswahl des Personals, Transparenz und Controlling sorgen.

Erschreckendes Ausmaß sexueller Gewalt in den eigenen Reihen

Der Synodale Weg funktionierte, weil konsequent so getan wurde, als sei sexueller Missbrauch eine direkte Folge des Zölibats, der sakramental-hierarchischen Kirchenstruktur, der katholischen Sexualmoral und der Unmöglichkeit für Frauen, Priester zu werden. Zu den krawalligsten und diese These am lautesten vertretenden Teilnehmern des Synodalen Weges gehörten Mitglieder der Deutschen Pfadfinderschaft Sankt Georg (DPSG) und des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ). Letzterer ist der Dachverband ersterer.

Nun hat die DPSG eine Studie zu Missbrauch publik gemacht, die das erschreckende Ausmaß sexueller Gewalt in den eigenen Reihen zeigt. Der Verein ist zu beglückwünschen, dass er sich der schonungslosen Wahrheit stellt. Zu dieser Wahrheit gehört auch: Die DPSG – ebenso wie der BDKJ, dessen Missbrauchsaufarbeitung noch längst nicht abgeschlossen ist – steht für alles, was der Synodale Weg unter dem Vorwand der Missbrauchsbekämpfung für die katholische Kirche fordert: Frauen können dort dieselben Leitungsfunktionen übernehmen wie Männer, Geschlechtertrennung und Disziplin warf man ab 1968 über Bord, stattdessen werden Autoritätskritik, liberale Pädagogik und sexuelle Vielfalt großgeschrieben. Demokratische Gremien ersetzen straffe Hierarchien und ermöglichen breite Mitbestimmung. Entsprechend demokratisiert haben sich, liest man den Aufarbeitungsbericht, offenbar auch bestimmte sexualisiert-erniedrigende Praktiken in mancher Gruppenleiter*innenrunde, oft unter Alkoholeinfluss. „Toxische Gruppenkultur“ nennt der Bericht das.

Hätte die Studie nicht auch ein paar Tage früher erscheinen können?

Vor diesem Hintergrund ist es schwer zu glauben, dass die Veröffentlichung der DPSG-Missbrauchsstudie nicht auch ein paar Tage früher hätte erscheinen können. Denn mit ihr bricht das synodale Lieblingsnarrativ von der zölibatär-hierarchischen Täterorganisation in sich zusammen. Sie entlarvt das synodale Theater als das, was es ist: ein progressives Reformprojekt, das weniger die Betroffenen sexuellen Missbrauchs als vielmehr die kirchenideologischen Phantasien Einzelner im Blick hat. Damit ist auch erklärt, warum sich die Versammlung nur schleppend den Zeugnissen Betroffener geöffnet hat.

Wäre die Studie nur eine Woche früher erschienen, wäre das vor allem für die überlauten Alibi-Jugendlichen unter den synodalen Grauköpfen peinlich geworden, die in all den Jahren zu den lautesten Anklägern bischöflicher Versäumnisse gezählt haben. Wäre die Studie nur eine Woche früher erschienen, hätte ganz vielleicht am fernen Horizont die Möglichkeit dafür entstehen können, endlich ideologiefrei und opferzentriert auf Risikofaktoren und zukünftige Verhinderung von Missbrauch in der katholischen Kirche und in katholischen Organisationen zu blicken. Dafür ist es jetzt praktischerweise zu spät. 

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