Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung „Mater Populi fidelis“

Piusbruderschaft kritisiert Einschränkung der Marientitel

„Mater Populi fidelis“ sorgt weiter für Diskussionen. Nun erhebt die Priesterbruderschaft St. Pius X theologische und pastorale Einwände gegen das Dokument.
Debatte um Vatikan-Dokument zu Maria
Foto: IMAGO/Peter Schickert (www.imago-images.de) | Die von Erzbischof Marcel Lefebvre gegründete Priesterbruderschaft St. Pius X. ist eng mit dem Marientitel der „Miterlöserin“ verbunden.

Als „Miterlöserin“ sollte man Maria nie bezeichnen, da dieser Begriff „immer unangebracht“ sei. Und auch bei der Charakterisierung Mariens als „Mittlerin“, insbesondere als „Mittlerin aller Gnaden“, sei  „besondere Vorsicht angezeigt“, um nicht die Einzigartigkeit der Mittlerschaft Christi zu relativieren. Zu diesem Ergebnis kommt die jüngste, Anfang November veröffentlichte „lehrmäßige Note“ des Glaubensdikasteriums mit dem Titel „Mater Populi fidelis“.

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Grundlegende Kritik an dieser Einschränkung der Marientitel kommt nun von der Priesterbruderschaft St. Pius X. (FSSPX). In einem „Kommuniqué des Generalhauses“ vom 11. November wurde bemängelt, dass das Schreiben „die einzigartige Mitwirkung Unserer Lieben Frau am Erlösungswerk“ verschleiere. In einem auf der Webseite der Piusbruderschaft veröffentlichten Interview führte der Generalobere Davide Pagliarani sowohl theologische als auch pastorale Bedenken an.

Pagliarani spricht von „Ökumenismus“

Die in der Note des Glaubensdikasteriums artikulierte Kritik an einer missverständlichen Deutung der Ausdrücke „Miterlöserin“ (coredemptrix) und „Mittlerin“ (mediatrix) richte sich gegen Strohmänner. Der rechte Sinn der Miterlöserschaft und Mittlerschaft der Gottesmutter habe schon Pius X. in seiner „marianischen Enzyklika ‚Ad diem illum‘ (vom 2. Februar 1904) behandelt“ und dargelegt. Den eigentlichen Grund für die Einschränkung dieser traditionell verwendeten Marientitel vermutet Pagliarani daher in einem „Ökumenismus“, dem es um die Kompatibilität mit dem Protestantismus geht.

Auch in pastoraler Hinsicht übte der Generalobere der FSSPX Kritik an „Mater Populi fidelis“. Gerade den „am schlimmsten verlassenen Menschen“, von denen manche keinen regelmäßigen Zugang zu einem Priester hätten, bleibe „oft nur noch die Allerseligste Jungfrau als Zuflucht in der aktuellen Wüste.“ Daher scheine ihm „ein Text des Glaubensdikasteriums, der Seelen vor traditionellen marianischen Begriffen warnen soll, unqualifiziert und pastoral unverantwortlich zu sein.“

Die von Erzbischof Marcel Lefebvre gegründete Priesterbruderschaft St. Pius X. ist eng mit dem Marientitel der „Miterlöserin“ verbunden. In Argentinien betreibt sie in der Nähe von Buenos Aires etwa ein Priesterseminar mit dem Namen „Nuestra Señora Corredentora“ (zu Deutsch: „Unsere Frau Miterlöserin“).

Theologische Kritik und Rückfragen kamen aber auch aus anderer Richtung. So verwies beispielsweise Manfred Hauke, Professor für Dogmatik an der Theologischen Fakultät von Lugano, in einem Artikel für die „Tagespost“ auf „Stärken und Schwächen der lehrmäßigen Note“ und äußerte die Vermutung, dass aufgrund der offenen Fragen „der Leiter des Dikasteriums noch einige Präzisierungen“ nachreichen könnte. DT/sost

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