Die Reise beginnt in einem kleinen italienischen Dorf namens Riese, wo Giuseppe Sarto 1835 geboren wurde. Er wuchs dort in einer armen Familie auf. Sein Vater war Briefträger und Bauer und seine Mutter Schneiderin und eine sehr gläubige Frau. Giuseppe, der auch „Beppo“ genannt wurde, spürte früh, dass Gott ihn zum Priester berief. Doch wie sollte er jemals Priester werden, da seine Eltern kein Geld für das Studium hatten? Beppo aber war fleißig bei der Feldarbeit und in der Schule, intelligent und hatte immer gute Noten.
Darauf wurde sein Pfarrer aufmerksam und er bot an, ihm Latein beizubringen. Das war schon der erste wichtige Schritt, um Priester zu werden. Trotzdem fehlte das Geld. Doch Beppos Mutter sprach mit dem Pfarrer, dieser sprach mit dem Generalvikar und dieser wiederum schickte einen Brief an den Bischof, mit der Bitte, Giuseppe Sarto einen freien Platz im Priesterseminar zu geben. Der Bischof stimmte freudig zu, da er nichts sehnlicher wünschte als gute Priester. Mit 23 Jahren wurde er bereits zum Priester geweiht.
Auf Gott und nicht auf Menschen hören
Als Giuseppe Sarto als junger Priester wirkte, kam es vor, dass manche Leute schlecht über ihn sprachen und ihm als einfachem Dorfjungen nichts zutrauten. Sie dachten: Was soll der uns schon zu sagen haben? Doch da täuschten sie sich sehr. Seine Predigten trafen die Menschen mitten ins Herz. Die einfachen Leute vom Dorf fühlten sich gerade bei ihm wohl, weil er einer von ihnen war und er etwas von der Landwirtschaft verstand. Einmal wurde er dazu genötigt, unvorbereitet eine Festpredigt zu halten, da der Prediger krank geworden war. Bei dem Gottesdienst war sogar die Kaiserin von Österreich zugegen. Beppo sträubte sich zwar sehr, denn er wurde richtig ins kalte Wasser geschmissen.
Doch wurde diese Predigt, in der er über die Liebe Gottes predigte, eine der besten, die er je gehalten hatte. Das fand auch die Kaiserin und schenkte ihm als Dank eine goldene Uhr. Die Uhr benutzte er jedoch gleich, um sie in Geld umzutauschen. Und mit dem Geld half er einem Jungen, ins Priesterseminar einzutreten. Schon als Kaplan war er dafür bekannt, dass er sich besonders um die Armen kümmerte. Er ging zu den Menschen nach Hause, hörte ihnen zu und versuchte, sie mit seinem Humor aufzumuntern. Außerdem verschenkte er alles, was er besaß, an die Armen, wovon es zu seiner Zeit viele gab. Er holte sogar das Fleisch aus dem eigenen Topf, den seine Schwester ihm auftischte, und Wäsche aus seinem Schrank, um sie Armen zu verschenken. Auch als eine schlimme Krankheit, die Cholera, ausgebrochen war, half er, wo er konnte. Er fürchtete sich nicht davor sich anzustecken.
Gott folgen, auch wenn es unbequem wird
Beppo war vielmehr bereit, sein eigenes Leben für die anderen zu geben. Besonders die Kinder liebten ihn. Er spielte Ballspiele und Karten mit den Jungen von der Straße und erzählte ihnen spannende Geschichten von Heiligen. Am liebsten wäre Guiseppe Sarto nie Bischof und schon gar nicht Papst geworden. Er war zufrieden als Pfarrer auf dem Land und liebte seine Gemeinde. Doch sein guter Ruf verbreitete sich im Land und auch Papst Leo XIII. wurde auf ihn aufmerksam. Einen so heiligmäßigen Priester wollte er zum Bischof machen. Als Giuseppe Sarto den Brief mit päpstlichem Siegel las, zitterte er, denn er hielt sich nicht für würdig. Diese Aufgabe war zu groß für ihn, dachte er.
Wie sollte er das jemals schaffen, so eine große Verantwortung zu tragen? Er bat den Papst um Rückzug, doch ohne Erfolg. Als Bischof von Mantua und später Kardinal von Venedig war er weiterhin besonders für die Armen da. Sehr wichtig waren ihm eine gute Ausbildung der Priester und der Kommunionunterricht. Er war für die Kinder wie ein Vater und tat alles, dass sie Jesus Christus lieben lernten. Als Bischof wollte er keine feierlichen Empfänge haben. Es war ihm viel wichtiger, dass die Menschen gut vorbereitet zur heiligen Messe kamen, um dort den Herrn zu empfangen. In Venedig gab es damals sehr viele Arme, Hungersnot und Elend. Kein Priester der großen Diözese war ärmer als der Kardinal selbst. Sogar seinen Bischofsring verpfändete er, um einem Armen mit dem erworbenen Geld zu helfen.
Als 1903 Leo XIII starb, musste der Kardinal sein geliebtes Venedig verlassen und nach Rom zum Konklave reisen. Er versprach, bald wieder zurückzukommen. Doch es kam anders. Am 4. August wurde Giuseppe Sarto zum Papst gewählt. Er hätte nie damit gerechnet, dass er es sein würde. Als ihm immer mehr Kardinäle ihre Stimme gaben, flehte er sie unter Tränen an, ihn nicht zu wählen. „Ich bin unfähig und unwürdig. Vergesst mich!“, sagte er. Und doch nahm er schließlich die Wahl und das schwere Kreuz an. Er tat es aus Gehorsam gegenüber Gott und für die Kirche. Als Papstnamen wählte er „Pius X.“. Sein Leben lang tat er sich leichter mit den „einfachen“ Menschen und es gefiel ihm gar nicht, dass er als Papst wie ein König behandelt wurde.
Allen Gläubigen sollte es um Christus gehen, das war sein tiefster Wunsch. Sein Wahlspruch hieß deshalb: „Alles in Christus erneuern“. Er war überzeugt, dass heilige Priester notwendig waren, um die Kirche und die Welt zu verwandeln. Außerdem sollten die Gläubigen an erster Stelle die Eucharistie verehren. Papst Pius X. ist es zu verdanken, dass ihr Kinder schon ab sieben Jahren zur Erstkommunion gehen könnt. Vorher war es erst ab dem Jugendalter möglich. Er wollte auch, dass die Gläubigen häufig die Kommunion empfangen – und nicht nur einmal im Jahr an Ostern, wie es bis dahin üblich war. So können wir nun täglich zur Kommunion gehen.
Wunder bereits zu Lebzeiten
Den Menschen, die ihn trafen, wurde seine Heiligkeit schnell offenbar: Lahme konnten durch sein Gebet wieder gehen, Blinde sehen und Sterbenskranke wurden gesund! Der heilige Papst jedoch trug eine große Last. Er sah, wie die Kirche auch von der Moderne bedroht war und viele Menschen den Glauben verloren. Er tat alles, um die Menschen zu Gott zurückzuführen. Mit fast 80 Jahren starb er – zahlreiche Wunder sollen sich an seinem Grab ereignet haben. 1954, ziemlich genau 40 Jahre nach seinem Tod, wurde er von Papst Pius XII. heiliggesprochen. Seine Heiligsprechung war die erste eines Papstes seit rund 250 Jahren.
Hast du Träume, die unerreichbar scheinen? Vertrau sie wie „Beppo“ Gott an, und du wirst sehen, dass bei Ihm nichts unmöglich ist. Und wenn du denkst, andere Menschen trauen dir nichts zu, rede mit Jesus. Er zeigt dir, welche Gaben in dir stecken.
Für „Beppo“ war es ein Opfer, die Papstwahl anzunehmen. Wenn auch dir auf deinem Weg mit Gott Dinge schwer und unbequem werden , habe keine Angst, denn damit sammelst du dir Schätze im Himmel.
Gott hat durch Papst Pius X. schon zu seinen Lebzeiten, aber auch nach seinem Tod, zahlreiche Wunder gewirkt – und das alles, weil er Jesus ganz sein Herz schenkte. So kann Gott auch durch deine Liebe und dein Vertrauen die Welt heller machen!
Die Autorin ist Vollzeitmama von drei kleinen Kindern. Sie hat Theologie studiert und zuletzt als Religionslehrerin gearbeitet.
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