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Augustinus: Der Draufgänger, der bei Gott Frieden fand

Als sich Leo XIV. nach seiner Wahl zeigte, trug er auf der Brust ein Kreuz mit Reliquien von Augustinus und seiner Mutter Monika. Erfahre mehr über die beiden Heiligen.
Augustinus
Foto: Sally-Jo Durney | Hast du schon mal das Meer gesehen? Die Liebe Gottes ist sogar noch größer. Das hat der heilige Augustinus erfahren dürfen. Deswegen hat auch sein Herz für Jesus gebrannt.

Hast du gewusst, dass sich unser Papst Leo als „Sohn des heiligen Augustinus“ sieht? In seiner Jugend hatte er bereits eine Schule besucht, die von Augustinern geleitet wurde, und mit 22 Jahren trat er dann selber dem Orden bei, der nach dem Heiligen benannt ist. Dabei war Augustinus als Jugendlicher ein schwieriger Mensch. Lass dir erzählen, wie aus dem Draufgänger ein Heiliger wurde!

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Im 4. Jahrhundert lebte im nordafrikanischen Thagaste (im heutigen Nordwesten von Algerien) eine Christin namens Monika. Damals war der christliche Glaube schon überall im Römerreich verbreitet, und doch war Monika mit einem heidnischen Mann verheiratet, von dem sie eine Tochter und zwei Söhne hatte. Augustinus wurde im Jahr 354 geboren. Er war sehr gescheit und tat sich beim Lernen so leicht, dass er schon mit fünfzehn Jahren sein Abitur machte. Vom Glauben aber wollte er nichts wissen. Während Monikas Mann sich dank ihrer Gebete und ihres Vorbilds noch spät zum Christentum bekehrte, verspottete der Teenager das Evangelium als Ammenmärchen. Zu ihrem Kummer schloss er sich nach dem Tod des Vaters sogar einer Straßenbande an.

Monika war sehr traurig über das Lotterleben ihres Sohnes. Warum hörte Gott ihre Gebete nicht, sah ihre Tränen nicht? Ein entfernter Onkel ermöglichte Augustinus schließlich das Studium in Karthago, wo er schon bald Professor der Redekunst (Rhetorik) wurde. Dort verliebte er sich und zog mit seiner Freundin zusammen, ohne zu heiraten; so wurde er bereits mit achtzehn Jahren Vater. Zwar kehrte Augustinus bald als Redelehrer nach Thagaste zurück, doch innerlich hatte er sich immer weiter von seiner Mutter Monika entfernt. Von Jesus wollte er nichts hören; dennoch suchte er nach Gott und schloss sich der Sekte der Manichäer an. Deshalb zog er mit seiner Familie nach Italien, um dort mehr über diese Lehre zu erfahren und um seine rhetorischen Kenntnisse zu vertiefen.

Gott ruft Augustinus

In Mailand ging er in die Kirche, um den wortgewaltigen Bischof Ambrosius predigen zu hören. Eigentlich interessierte sich Augustinus nur für die Art, wie dieser berühmte Mann sprach, aber nicht dafür, was er zu sagen hatte; doch mit der Zeit berührte ihn auch der Inhalt der Predigten. Die Botschaft des Glaubens zog ihn immer mehr in Bann. Augustinus spürte, dass er sich entscheiden musste. Einmal spazierte er grübelnd im Garten herum; schließlich legte er sich weinend unter einen Feigenbaum und fing an zu beten. Da vernahm er eine Kinderstimme, die immer wieder die lateinischen Worte sang: „Tolle lege, tolle lege: Nimm und lies!“ Eine Weile lauschte Augustinus nur dem Lied des spielenden Kindes, als ihn plötzlich eine Erkenntnis durchfuhr: Er war gemeint! Gott rief ihn!

Augustinus rannte zu seinem Schreibtisch, nahm die Bibel zur Hand und schlug die erstbeste Stelle auf. Da fiel sein Blick auf die Verse, mit denen der Apostel Paulus die Christen in Rom ermutigte, sich mit ganzem Herzen für Jesus zu entscheiden: Lebt nicht mehr wie die Heiden, die nur Gier und Neid kennen, „sondern zieht den Herrn Jesus Christus als Gewand an!“ (Röm 13,13). Im selben Augenblick fühlte Augustinus, wie ihn ein starkes Licht überströmte und das Dunkel seiner Suche zerstreute. Endlich fand er die Ruhe und den Frieden, die sein Herz ersehnte, und die Kraft, sich Christus anzuvertrauen. Inzwischen war auch seine Mutter nach Mailand gekommen. Wie freute sich Monika, dass Gott ihr Gebet erhört und ihr Sohn mit 32 Jahren zum Glauben gefunden hatte! In der Osternacht 387 ließ sich Augustinus mit seinem Sohn von Bischof Ambrosius taufen und legte mit dem Taufkleid Jesus wie ein Gewand an.

Das Meer ausschöpfen?

Bald darauf starb Monika, und Augustinus kehrte wieder nach Thagaste zurück. Von der Mutter seines Sohnes hatte er sich bereits vor seiner Bekehrung getrennt. In Thagaste gründete er mit einigen Freunden eine christliche Gemeinschaft von Gleichgesinnten, um Jesus in Gebet und Arbeit zu dienen. Für das Zusammenleben entwickelte er sogar eine Regel, doch währte die klösterliche Abgeschiedenheit nicht lange. Denn schon bald sprach sich überall herum, mit welcher Weisheit Augustinus begnadet war. Als er in die Hafenstadt Hippo kam, verlangte die dortige Christengemeinde, dass er sich zum Priester weihen ließ, und im Jahr darauf sollte Augustinus gar die Bischofsweihe empfangen.

Das Bischofshaus stellte Augustinus seinen Freunden als Kloster zur Verfügung und lebte mit ihnen nach der Regel, die er selbst entworfen hatte. So verband er Priesteramt und Ordensleben miteinander, damit die Geistlichen gemeinsam in der Liebe zu Gott und den Nächsten wachsen. Augustinus verfasste noch unzählige Bücher, Briefe und Predigten und wurde, wie sein Lehrer Ambrosius, ein berühmter Lehrer der Kirche. Die größte Berühmtheit erlangten sein Werk über den „Gottesstaat“ und seine „Bekenntnisse“. An seinem Band „Über die Dreifaltigkeit“ schrieb er mehr als zwanzig Jahre lang.

In jener Zeit soll er bei einem Spaziergang am Strand einen Buben gesehen haben, der eine kleine Grube in den Sand gebuddelt hatte. Immer wieder schöpfte der Junge mit einer Muschel Wasser aus dem Meer und goss es in die Grube hinein. Da fragte ihn Augustinus: „Was machst du denn da?“ Der Knabe antwortete: „Ich will das ganze Wasser in die Grube füllen, bis das Meer ausgetrocknet ist.“ „Aber das ist doch unmöglich“, entgegnete der Gelehrte lächelnd. Da blickte das Kind zu dem Bischof auf: „Aber du meinst, dass du das Geheimnis der Dreifaltigkeit ergründen kannst? Bevor du mit deinem Verstand auch nur einen Tropfen davon in einem Buch erklärt hast, werde ich mit meiner Muschel einen ganzen Ozean in diese Grube füllen.“ Da wurde dem Heiligen klar, wie unerschöpflich das Geheimnis der Dreifaltigkeit und wie unergründlich die Liebe Gottes ist.

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„Groß bist du, o Herr, und deine Weisheit ist unermesslich. Und doch will dich loben der Mensch, diese winzige Kreatur. Denn geschaffen hast du uns auf dich hin, o Herr, und unruhig ist unser Herz, bis es Ruhe findet in dir.“ Mit diesen Worten am Beginn seiner „Bekenntnisse“ hat Augustinus seine Lebenserfahrung zusammengefasst. Sein scharfer Verstand und ein reges Temperament, sein unstillbarer Wissensdurst und ein brennendes Herz haben ihn an die Quelle des Glücks geführt: die Liebe Gottes.

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