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Der Prophet Bileam und seine ganz besondere Eselin

Die Bibel wimmelt von Tieren. Schon im Bericht von der Erschaffung der Welt lesen wir, dass Gott die „Wassertiere“, die Vögel, Kriechtiere und Wildtiere schuf. So auch den Esel...
Bileam, Esel, Engel
Foto: Wikicommons/Germanisches Nationalmuseum | Der Prophet Bileam ist wütend auf seinen angeblich störrischen Esel. Doch sieht er nicht, was der Esel sieht...

Die Bibel berichtet von großen und kleinen Tieren, wilden und zahmen, Fischen, Schafen, Kamelen, Pferden, Heuschrecken, Stieren, Schlangen, Löwen, Adlern, Raben, Krokodilen, Fröschen und Tauben. Mein Lieblingstier in der Bibel ist der Esel. Mal kommt er als Wildesel vor, mal als Hausesel, der den Menschen bei der Arbeit hilft. Und natürlich dient der Esel auch als Reittier. In der Bibel gibt es Esel und Pferde, doch die Pferde gehören nur den Reichen und Mächtigen. Sie dienen den Königen und ihren Heeren im Krieg. So lesen wir, dass der Pharao von Ägypten die Israeliten, die aus seiner Gefangenschaft fliehen, mit Rossen und Wagen verfolgt.

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Die einfachen Menschen in der Bibel besitzen höchstens ein Eselchen als Last- und Reittier. Doch genau dieses bescheidene Eselchen erfuhr die große Ehre, den König der Welt, Jesus Christus, zu tragen. Erinnert ihr euch an Jesu Einzug in Jerusalem, den wir jedes Jahr am Palmsonntag feiern? Bevor Jesus mit seinen Jüngern in die Stadt einzieht, befahl er zwei von ihnen: „Geht in das Dorf, das vor euch liegt; dort werdet ihr eine Eselin angebunden finden und ein Fohlen bei ihr. Bindet sie los und bringt sie zu mir! Und wenn euch jemand zur Rede stellt, dann sagt: Der Herr braucht sie, er lässt sie aber bald zurückbringen.“ Die beiden Jünger staunten, als sie tatsächlich eine Eselin und ihr Fohlen finden, genau wie Jesus es gesagt hatte. Jesus erklärte ihnen auch, warum er auf einem Esel reiten soll. Denn in der Bibel hatte schon ein Prophet den Messias, den Retter, so angekündigt: „Siehe, dein König kommt zu dir. Er ist sanftmütig und er reitet auf einer Eselin und auf einem Fohlen, dem Jungen eines Lasttiers.“ Ob das Eselchen in Jerusalem damals fühlte, dass es den König der Welt tragen durfte?

Ein Esel, der Engel sehen kann

Heute möchte ich euch von einem anderen Esel in der Bibel erzählen, den ihr vielleicht noch nicht kennt. Ich mag diese Geschichte, weil sie zeigt, dass der Esel nicht dumm oder störrisch ist, wie manche Menschen behaupten. Er ist sogar ganz besonders aufmerksam und spürt manchmal Gefahren, die wir gar nicht erkennen.

Sie spielt in längst vergangenen Tagen, nachdem Gott das Volk Israel durch Moses aus der Sklaverei in Ägypten herausgeführt hatte. Gott hatte Israel ein Land versprochen, in dem Milch und Honig fließen. Doch vorher musste das Volk Israel durch die Wüste ziehen und auf dem Weg in das gelobte Land viele Kämpfe bestehen. Eines Tages rastete das Volk Israel im Land Moab. Der König der Moabiter fürchtete sich und schickte seine Hofleute zu Bileam, einem Seher und Propheten. Er bat Bileam, zu ihm zu kommen und das Volk Israel zu verwünschen, damit der König es im Kampfe besiegen könne. In dieser Nacht sprach Gott zu Bileam: „Geh nicht mit! Verfluch das Volk nicht; denn es ist gesegnet.“ Der Seher gehorchte und weigerte sich, mit den Boten zu gehen. Daraufhin schickte der König von Moab noch vornehmere Hofleute, die dem Propheten einen hohen Lohn versprachen, wenn er das Volk Israel verfluche. Doch Bileam weigerte sich. Wieder sprach Gott nachts zu Bileam. Diesmal erlaubte er ihm, mitzugehen, doch gebot er dem Seher, nur zu sagen, was Gott befahl.

Am nächsten Morgen sattelte der Prophet seine Eselin und machte sich mit den Hofleuten auf den Weg. Unterwegs stellte Gott dem Bileam zur Warnung einen Engel in den Weg. Nur die Eselin sah den Engel mit dem Schwert in der Hand und wich auf ein Feld aus. Bileam schlug das Tier, damit es auf den Weg zurückkehre. Ein wenig weiter, auf dem schmalen Weg zwischen einem Weinberg und einer Mauer, stand wieder der Engel. Die Eselin versuchte, sich am Engel vorbei zu schleichen und drückte dabei Bileams Bein gegen die Mauer. Erneut schlug Bileam das arme Tier. Ein drittes Mal stellte sich der Engel des Herrn den Reisenden auf einem engen Weg entgegen, wo es kein Ausweichen gab. Der Esel fiel vor dem Engel auf die Knie. Nun wurde Bileam sehr zornig und schlug die Eselin mit einem Stock. In der Bibel lesen wir: „Da öffnete der Herr der Eselin den Mund und die Eselin sagte zu Bileam: Was habe ich dir getan, dass du mich jetzt schon zum dritten Mal schlägst? Bileam erwiderte der Eselin: Weil du mich verhöhnst. Hätte ich ein Schwert dabei, dann hätte ich dich jetzt schon umgebracht. Die Eselin antwortete Bileam: Bin ich nicht deine Eselin, auf der du seit eh und je bis heute geritten bist? War es etwa je meine Gewohnheit, mich so zu benehmen? Da sagte er: Nein. Nun öffnete der Herr dem Bileam die Augen und er sah den Engel des Herrn auf dem Weg stehen, mit dem gezückten Schwert in der Hand. Da verneigte sich Bileam und warf sich auf sein Gesicht nieder. Der Engel des Herrn sagte zu ihm: Warum hast du deine Eselin dreimal geschlagen? Siehe, ich bin dir als Widersacher in den Weg getreten, weil der Weg in meinen Augen abschüssig ist.“

Bileam prophezeit das Kommen Jesu

Bileam bat um Vergebung und wollte umkehren. Doch Gott befahl ihm: „Geh mit den Männern, aber rede nichts, außer was ich dir sage!“
Als Bileam zum König der Moabiter kam, machte jener ihm Vorwürfe und befahl ihm drei Mal, die Israeliten zu verwünschen. Doch Bileam konnte sie nicht verfluchen. Er sah das Volk Israel auf der Ebene lagern; da kam der Geist Gottes über ihn. Bileam sprach: „Wie kann ich verwünschen, wen Gott nicht verwünscht, wie kann ich verdammen, wen der Herr nicht verdammt?“ Und er sprach von der Stärke und Schönheit Israels, das von Gott gesegnet war. Dem König der Moabiter weissagte Bileam, dass er das Volk Israel nicht besiegen könne, und er kündigte sogar an, dass eines Tages ein großer König aus Israel kommen würde. Er beschrieb ihn als einen „Stern“, der aufgeht und ein „Zepter“, das herrschen wird. Damit war Jesus gemeint, der erst viele, viele Jahre später geboren werden sollte.

Dann kehrte Bileam nach Hause zurück. Ob er seine Eselin ab da mit anderen Augen sah? Ich stelle mir immer vor, dass er viel netter mit seiner Eselin umging und dass er sich noch mehr Mühe gab, immer auf Gottes Zeichen zu achten und zu hören.

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