Die Schönste von allen“, so beginnt ein Marienlied, das wir in unserer Bamberger Diözese gern singen. Maria ist wirklich die schönste und die heiligste aller Geschöpfe, denn das Böse hat sie nie berührt. Gleichzeitig ist sie die demütigste, die sich die Magd des Herrn nennt. Sie weiß, dass sie alles von Gott bekommen hat. Deshalb jubelt sie und lobt ihren Gott. Nun darf sie mit Christus triumphieren, der sie in den Himmel aufnimmt und zur Königin krönt.
Vielleicht erinnerst du dich, dass nur Maria ganz rein geboren wurde. Gott hat sie von Anfang an mit seiner Liebe und seinem Leben erfüllt, denn sie sollte die Mutter Jesu werden. Ihr „Ja“ zu Gottes Plan hat sie jeden Tag neu gesprochen: In Nazareth, als der Engel Gabriel zu ihr kam, in Jerusalem, als sie Jesus drei Tage lang suchen musste und auch bei der Hochzeit zu Kana. „Ja“ hat sie sogar gesagt, als sie etwas sehr Schmerzhaftes erleben musste: als ihr Sohn am Kreuz gestorben ist. Maria hat sich immer ganz und gar dem Willen Gottes hingegeben und war so vereint mit ihrem Sohn, dass sie sozusagen in allem ihm gleich werden sollte (vgl. KKK 966).
Maria kam ganz schnell in den Himmel
Am Ende ihres Lebens wurde sie wie ihr auferstandener Sohn mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen. Für uns wird es anders sein: Wenn wir sterben, geht unsere Seele Gott entgegen, aber unser Körper wird erst am Ende der Welt auferstehen. Jeden Sonntag, wenn wir das Glaubensbekenntnis sprechen, bekennen wir das: „Ich glaube an die Auferstehung der Toten und das ewige Leben“. Maria musste nicht warten, sie wurde gleich nach ihrem Tod mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen.
In den Evangelien finden wir keinen Bericht von diesem einmaligen Ereignis. Aber die erste Lesung vom Hochfest Mariä Himmelfahrt – aus Offenbarung 12 – erzählt uns von einem großen Zeichen am Himmel: von einer Frau, die mit der Sonne bekleidet ist; sie hat den Mond unter ihren Füßen und zwölf Sterne umgeben ihren Kopf. Die Sonne zeigt uns, dass diese Frau von Gottes Herrlichkeit durchleuchtet ist. Der Mond unter ihren Füßen bedeutet, dass sie über allem Irdischen erhaben ist und die zwölf Sterne, die das Gottesvolk symbolisieren, sind wie eine Krone. Wie schön ist es, dass die Kinder selbst die Krone der Mutter bilden! Am 22. August, also eine Woche später, feiern wir Maria Königin. Dieses Wort „Königin“ ist nicht nur ein Ehrentitel. Maria, unsere Mutter, hat wirklich teil an der Macht Jesu, der sie immer erhört, wenn sie um etwas bittet. Ja, sie ist eine Königin!
Was für ein Hoffnungszeichen für uns Menschen! Maria lebt schon in der Dreifaltigkeit, an der Seite des Vaters, an der Seite Jesu und des Heiligen Geistes. Das ist der Platz unserer Mutter im Paradies! Welche Freude, wenn wir im Himmel zu ihr kommen und sie sehen! Sie wird uns in ihre Arme nehmen und diese Freude wird ohne Ende sein.
Himmelfahrt oder Aufnahme in den Himmel?
In der Umgangssprache hören wir oft von Mariä Himmelfahrt, aber es ist richtiger zu sagen: Mariä Aufnahme in den Himmel. Jesus und Maria sind zwar beide jetzt schon mit ihrem Körper und ihrer Seele im Himmel, aber es gibt doch einen Unterschied. Jesus ist der menschgewordene Sohn Gottes, er ist Gott und allmächtig. Er brauchte niemanden, um zu seinem Vater zurückzukehren. Als die Stunde gekommen ist, kehrt er einfach in den Himmel zurück. Maria ist und bleibt ein Geschöpf, ein Mensch, auch wenn sie einen einzigartigen Platz im Plan Gottes hat. Sie wird in die Herrlichkeit des Himmels bei Gott aufgenommen. Wie das passiert ist, wissen wir nicht. Es bleibt ein Geheimnis. Oft wird Marias Aufnahme in den Himmel so dargestellt: Ihr auferstandener Sohn holt sie in den Himmel oder sie wird von Engeln getragen. Wenn die Heilige Schrift darüber nichts schreibt, heißt es, dass es für uns jetzt nicht so wichtig ist zu wissen, wie genau sich das zugetragen hat. Es geht nicht um das Wie, sondern darum, dass es wirklich geschehen ist.
1950 erklärte Papst Pius XII. Mariä Aufnahme in den Himmel zum Dogma, das heißt, dass es zu unserem Glauben gehört. Niemand kann das leugnen. Zu wissen, dass Maria schon mit ihrem Körper im Himmel ist, ist eine große Hoffnung für uns. Auch du und ich werden eines Tages mit unserem Körper auferstehen. Weißt du, was Maria jetzt im Himmel macht? So wie Jesus tritt sie für uns ein. Wie eine liebevolle Mutter bringt sie Gott unsere Gebete dar.
So erklärt es uns ein großer Verehrer der Mutter Gottes, der heilige Ludwig Maria Grignion de Montfort: „Stell dir einen armen Mann vor, der so gern der Freund des Königs werden möchte! Er geht zur Königin und gibt ihr einen Apfel, seinen ganzen Besitz, damit sie ihn dem König überreicht. Die Königin, die das kleine Geschenk des armen Mannes annimmt, legt den Apfel in eine schöne goldene Schüssel und überreicht ihn, mit Blumen geschmückt, dem König. Der Apfel wird zu einem wunderbaren Geschenk, das dem König eine große Freude macht!“ Das macht Maria für uns, wenn wir sie darum bitten. Ist das nicht schön? Dafür wollen wir ihr danken.
Wie du Maria danken kannst
Überleg mit deinen Eltern und Geschwistern, wie ihr Maria eine besondere Freude machen könnt! Hier ein Vorschlag: Stellt ein Bild oder eine Marienstatue in den Garten oder auch auf einen Tisch im Wohnzimmer, und schmückt sie mit Blumen. Danach macht eine kleine Prozession und singt dabei ein schönes Marienlied! Dann könnt ihr ein (oder mehrere) „Gegrüßet seist du, Maria“ beten und jedes Mal eine kleine Kerze dazu anzünden. Achtet genau auf die Worte, die ihr sagt. Wir grüßen Maria mit den Worten des Erzengels Gabriel: „Gegrüßet seist du, Maria, voll der Gnade, der Herr ist mit dir.“ Danach wiederholen wir die Worte Elisabets, Marias Cousine: „Du bist gebenedeit unter den Frauen und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes, Jesus“.
Beim nächsten Satz „Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns Sünder“ könnt ihr eure Anliegen hinzufügen: „bitte für unsere Familie, bitte für …“. Wie schön zu wissen, dass Maria sofort für uns eintritt, denn das Gebet geht weiter: „jetzt und in der Stunde unseres Todes“. Zum Schluss könnt ihr noch beten: „Maria, du bist bei deinem Sohn, du bist die Königin des Himmels. Sei auch unsere Königin. Wir wollen dich immer mehr lieben. Beschütze unsere Familie und sei allen Menschen auf der Erde nahe. Amen.“

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