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Das Leben im Licht der Weisheit Gottes sehen

Die Gebote sollen keine Überforderung sein, sondern ein Hilfe für die Christen, ihre eigene Berufung zu leben. Christsein ist schließlich kein Moralismus.
Licht in der Landschaft
Foto: Martin Siepmann | Die Gebote geben Licht, um unsere eigentliche Berufung zu leben. Und wenn wir sie so verstehen, bleiben sie zwar eine Forderung, aber stellen keine Überforderung dar.

Die Lesungen und das Evangelium des Sonntags, der dieses Jahr dem Aschermittwoch vorausgeht, befassen sich passenderweise mit der Thematik der Freiheit sowie der Gebote Gottes. Die erste Lesung aus dem Buch Jesus Sirach legt die Grundlage dazu, indem sie den Menschen als freies Wesen vorstellt. Er bekommt von Gott die Gebote vorgelegt, und er ist frei, sie zu befolgen. Im Evangelium erinnert uns der Herr Jesus Christus daran, dass die Gebote auch im Neuen Bund gelten. Sie wurden zum Teil durch menschliche Satzungen verfälscht, etwa in Bezug auf die Ehe. Jesus rückt alles wieder gerade.

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Sich mit dieser Botschaft zu begnügen, würde jedoch bedeuten, den Glauben auf das Halten der Gebote zu reduzieren. Das Christsein würde zum Moralismus. Und dieser ist faktisch nicht lebbar. Die Verdrehungen, die Jesus korrigieren muss, haben gerade damit zu tun: Ohne das bergende Dach des Glaubens an Gott werden die Gebote zur Überforderung. Dann wächst die Versuchung, sie dem menschlichen Mittelmaß anzupassen. Wir sehen diese Dynamik auch in unseren postchristlichen Gesellschaften am Werk. Es gilt nur noch eine Minimalmoral, die unumgänglich für den Erhalt der öffentlichen Ordnung ist. Alles, was darüber hinausgeht, wird belächelt und ignoriert: Treue, Keuschheit, Frömmigkeit.

Gebote sind keine Stoppschilder

Um mehr als das Minimum anzustreben und um mehr zu erreichen, bedarf es einer anderen Sichtweise auf die Welt und auf das eigene Leben. Davon handelt die zweite Lesung aus dem Brief des heiligen Paulus an die Gemeinde in Korinth. Er erinnert uns darin an die „Weisheit Gottes“. Sie enthüllt dem Menschen seine wahre Bestimmung. Nicht das Gutsein um des Gutseins willen ist seine wahre Berufung, sondern die ewige Gemeinschaft mit Gott.

Nur wer aus der Perspektive dieser göttlichen Weisheit sein Leben zu verstehen vermag, kann in den Geboten Gottes mehr sehen als zwar notwendige, aber lästige Verkehrs- und Stoppschilder. Die Gebote sind dann nicht unser Feind, dem es aus dem Weg zu gehen gilt, eben im Sinne der Relativierung der Gebote. Im Gegenteil: Die Gebote sind dann eine Hilfe, unserer eigentlichen Berufung nachzuleben. Und wenn wir sie so verstehen, bleiben sie zwar eine Forderung, aber stellen keine Überforderung dar. Denn es gehört zum „Dach des Glaubens“, dass Verstöße gegen die Gebote, die Sünden, verziehen werden können. Ohne Gott gibt es keine Verzeihung. Hier liegt wohl der eigentliche Grund für die immer neuen Versuche des „alten Menschen“, die Gebote zu verwässern.

Christen dürfen die Fastenzeit nicht nur als Weg der Buße unter die Füße nehmen, sondern zuerst als Einladung, ihr Leben im Licht der Weisheit Gottes zu verstehen.

Sirach 15, 15 - 20

1 Korinther 2, 6 - 10

Matthäus 5, 17 - 37

Zu den Lesungen des 6. Sonntags im Jahreskreis 2026 (Lesejahr A)

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Martin Grichting Frömmigkeit Jesus Christus Weisheit

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