Immer mehr erwachsene Europäer lassen sich taufen. In Belgien gibt es für die katholische Kirche in diesem Jahr bereits 689 Taufbewerber. 2025 waren es 534, 2016 nur 229. „Im Jahr 2026 verzeichnen wir somit eine Verdreifachung gegenüber vor zehn Jahren, was das Wachstum bestätigt, das wir auch in den letzten Jahren beobachtet haben“, kommentierte die Belgische Bischofskonferenz am Mittwoch. Die Sakramente der Taufe, Erstkommunion und Firmung werden ihnen in der Osternacht gespendet. Von den 11,8 Millionen Einwohnern Belgiens sind Schätzungen zufolge 45 Prozent katholisch, fünf Prozent protestantisch und sechs bis acht Prozent gehören dem Islam an. Rund 40 Prozent würden sich als religionslos bezeichnen.
Den Rekord hält Frankreich: 2025 ließen sich in der Osternacht mehr als 10.000 Erwachsene und über 7.400 Jugendliche taufen. Auch die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) spricht in ihrer Statistik zum Jahr 2024 über einen „kleinen positiven Trend“ in der Gesamtzahl der Taufen. 2.075 Menschen, die älter als 14 waren, wurden 2024 getauft. Die meisten Erwachsenentaufen spendeten die Erzbistümer Berlin und Köln. 2023 waren es 1.803 „Katechumenen“, wie man die erwachsenen Taufbewerber nennt, 2022 nur 1.648. Die Gesamtzahlen für das Jahr 2025 veröffentlicht die DBK im Frühjahr 2026, teilte Pressesprecher Matthias Kopp der „Tagespost“ auf Anfrage mit.
Das Erzbistum Berlin verzeichnete 2025 170 Taufbewerber sowie 50 Kandidaten, „die in die katholische Kirche aufgenommen werden“ wollten. Die Zahl der Kirchenaustritte nahm in den vergangenen Jahren in dem Hauptstadt-Bistum ab: 2022 waren es 13.000, 2024 nur noch rund 9.000. Im Bistum Münster ließen sich 2025 das ganze Jahr über 125 Erwachsene taufen, für 2026 sind aktuell 14 angemeldet. Im Bistum Erfurt gab es 2025 zwölf Erwachsenentaufen. „In diesem Jahr sind es 19 Taufbewerber“, teilte die Pressestelle des Bistums mit.
Mehr Grundschüler wollen getauft werden
17 Katechumenen bereiten sich im Bistum Regensburg in diesem Jahr auf Taufe, Erstkommunion und Firmung in der Osternacht vor. Im vergangenen Jahr waren es neun. Fünf Katechumenen wurden 2025 im Bistum Passau getauft, für dieses Ostern seien drei Taufbewerber angemeldet. „Das können natürlich noch mehr werden”, merkte das Bistum dazu an. Im Erzbistum München lassen sich mehr und mehr Erwachsene taufen: 2022 waren es 68, 2023 92 und 2024 93. In diesem Jahr gebe es aktuell 60 Taufbewerber für die Osternacht, Anmeldezahlen für den Herbstkurs lägen noch nicht vor. Der Münchner Priester Daniel Lerch konnte in seiner Innenstadtpfarrei „den schönen Trend ebenfalls feststellen: 2025 hatten wir in der Pfarrei St. Peter zwölf Erwachsenentaufen und -konversionen. In der Osternacht 2026 werden es 17 sein“, teilt er der „Tagespost“ mit. Auch in Österreich stieg die Zahl der Erwachsenentaufen leicht an – zumindest zuletzt. 2024 waren es 255, im Jahr davor 208. Im „Corona-Jahr“ 2020 hingegen gab es noch 417 Katechumenen.
Neben einem Anstieg der Erwachsenentaufen fielen in einigen Bistümern auch erhöhte Besucherzahlen der Aschermittwochsgottesdienste auf. Das Bistum Paderborn beobachtete demnach eine „noch vollere Bischofskirche als im Vorjahr“, da „vielen Christen der Empfang des Aschekreuzes und damit der bewusste Start in die Fastenzeit wichtig“ sei, begründete die Pressestelle gegenüber dieser Zeitung. Das Bistum Regensburg stellte mehr Besucher der Aschermittwochsgottesdienste verglichen mit den Vorjahren fest, ohne Zahlen zu nennen. Auch im Bistum Erfurt entstand an Aschermittwoch „in vielen Gemeinden der Eindruck, dass es in diesem Jahr mehr Gottesdienstteilnehmende waren als im Jahr zuvor“. Der Aschermittwochsgottesdienst im Münchner Dom sei „gut besucht“ gewesen, „die Bänke waren voll“. Im Kölner Dom hingegen wurden die „Gottesdienste an Aschermittwoch auf ähnlichem Niveau besucht wie in den Vorjahren“, äußerte sich die Presseabteilung.
Im österreichischen Kärnten nimmt Christoph Kranicki, Stadtpfarrer in Wolfsberg, ein allgemein gesteigertes Interesse am katholischen Glauben in seiner Pfarrei in Wolfsberg wahr. Er „bemerke in den letzten Monaten steigende Zahlen bei den Kirchenbesuchern“, teilte er der „Tagespost“ mit. Außerdem sei seit mehreren Jahren ein kontinuierlicher Rückgang der Kirchenaustritte zu verzeichnen. Im Zusammenhang mit Erwachsenentaufen stelle er fest, dass sich vermehrt auch Kinder und Jugendliche im Grundschulalter für die Taufe entschieden. „Zudem bereiten sich einige Asylsuchende in unserer Pfarre auf die Taufe vor“, so Kranicki. (DT/elih)
FAQ
Warum steigen die Erwachsenentaufen in Europa?
Mehrere Bistümer berichten von wachsendem Interesse am katholischen Glauben sowie steigenden Zahlen von Taufbewerbern.
In welchem Land gibt es die meisten Erwachsenentaufen?
Frankreich verzeichnete 2025 mit über 10.000 erwachsenen Täuflingen in der Osternacht einen Rekordwert.
Wie entwickelt sich die Zahl der Kirchenaustritte?
Einige Bistümer, etwa Berlin oder Kärnten, berichten zuletzt von einem Rückgang der Kirchenaustritte.
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