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Auch in Deutschland mehr Erwachsenentaufen

Der französische Tauf-Boom steckte nicht nur Belgien an: Deutsche Bistümer melden steigende Katechumenen-Zahlen und zuletzt Begeisterung für den Aschermittwochsgottesdienst.
Erwachsenentaufe
Foto: Corinne Simon (KNA) | 2.075 Menschen, die älter als 14 waren, wurden 2024 in deutschen Bistümern getauft. Die meisten Erwachsenentaufen spendeten dabei die Erzbistümer Berlin und Köln.

Immer mehr erwachsene Europäer lassen sich taufen. In Belgien gibt es für die katholische Kirche in diesem Jahr bereits 689 Taufbewerber. 2025 waren es 534, 2016 nur 229. „Im Jahr 2026 verzeichnen wir somit eine Verdreifachung gegenüber vor zehn Jahren, was das Wachstum bestätigt, das wir auch in den letzten Jahren beobachtet haben“, kommentierte die Belgische Bischofskonferenz am Mittwoch. Die Sakramente der Taufe, Erstkommunion und Firmung werden ihnen in der Osternacht gespendet. Von den 11,8 Millionen Einwohnern Belgiens sind Schätzungen zufolge 45 Prozent katholisch, fünf Prozent protestantisch und sechs bis acht Prozent gehören dem Islam an. Rund 40 Prozent würden sich als religionslos bezeichnen.

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Den Rekord hält Frankreich: 2025 ließen sich in der Osternacht mehr als 10.000 Erwachsene und über 7.400 Jugendliche taufen. Auch die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) spricht in ihrer Statistik zum Jahr 2024 über einen „kleinen positiven Trend“ in der Gesamtzahl der Taufen. 2.075 Menschen, die älter als 14 waren, wurden 2024 getauft. Die meisten Erwachsenentaufen spendeten die Erzbistümer Berlin und Köln. 2023 waren es 1.803 „Katechumenen“, wie man die erwachsenen Taufbewerber nennt, 2022 nur 1.648. Die Gesamtzahlen für das Jahr 2025 veröffentlicht die DBK im Frühjahr 2026, teilte Pressesprecher Matthias Kopp der „Tagespost“ auf Anfrage mit.

Das Erzbistum Berlin verzeichnete 2025 170 Taufbewerber sowie 50 Kandidaten, „die in die katholische Kirche aufgenommen werden“ wollten. Die Zahl der Kirchenaustritte nahm in den vergangenen Jahren in dem Hauptstadt-Bistum ab: 2022 waren es 13.000, 2024 nur noch rund 9.000. Im Bistum Münster ließen sich 2025 das ganze Jahr über 125 Erwachsene taufen, für 2026 sind aktuell 14 angemeldet. Im Bistum Erfurt gab es 2025 zwölf Erwachsenentaufen. „In diesem Jahr sind es 19 Taufbewerber“, teilte die Pressestelle des Bistums mit. Auch im Bistum Osnabrück stiegen die Zahlen in den vergangenen Jahren an: 2021 taufte man dort 36 Erwachsene, 2022 40 und 2024 52, teilte die Pressestelle des Bistums dieser Zeitung mit.

Mehr Grundschüler wollen getauft werden

18 Katechumenen bereiten sich im Bistum Regensburg in diesem Jahr auf Taufe, Erstkommunion und Firmung in der Osternacht vor. Im vergangenen Jahr waren es neun.  Fünf Katechumenen wurden 2025 im Bistum Passau getauft, für dieses Ostern seien drei Taufbewerber angemeldet. „Das können natürlich noch mehr werden”, merkte das Bistum dazu an. Deutlich mehr sind es im Bistum Dresden: Hier gab es – ohne finale Bestätigung der Angabe – 2025 76 Erwachsenentaufen, für dieses Jahr seinen bereits 70 angemeldet, meldete der Pressesprecher. „Erfreuliche Entwicklungen” beobachtete auch das Bistum Freiburg. 37 Katechumenen seien in diesem Jahr gelistet – „eine Rekordzahl im Vergleich zu den anderen neun Jahren”, teilte der Pressesprecher mit. Ähnlich viele (30) bereiten sich aktuell im Bistum Magdeburg auf die Taufe vor. Im vergangenen Jahr ließen sich dort 41 Erwachsene taufen, in den beiden Jahren davor jeweils 30.

Auch im Erzbistum München lassen sich mehr und mehr Erwachsene taufen: 2022 waren es 68, 2023 92 und 2024 93. In diesem Jahr gebe es aktuell 60 Taufbewerber für die Osternacht, Anmeldezahlen für den Herbstkurs lägen noch nicht vor. Der Münchner Priester Daniel Lerch konnte in seiner Innenstadtpfarrei „den schönen Trend ebenfalls feststellen: 2025 hatten wir in der Pfarrei St. Peter zwölf Erwachsenentaufen und -konversionen. In der Osternacht 2026 werden es 17 sein“, teilt er der „Tagespost“ mit. 

Das Kloster Maria Engelport im Moselland, wo die heilige Messe in der außerordentlichen Form des römischen Ritus gefeiert wird, meldet ansteigende Zahlen an Erwachsenentaufen und immer mehr Messbesucher. 2026 werde man „noch mehr” Erwachsene taufen als 2025, schätzungsweise um die 20, äußerte sich ein Kanoniker des dort ansässigen Instituts Christus König und Hoherpriester gegenüber der „Tagespost”. Auch in Österreich stieg die Zahl der Erwachsenentaufen leicht an – zumindest zuletzt. 2024 waren es 255, im Jahr davor 208. Im „Corona-Jahr“ 2020 hingegen gab es noch 417 Katechumenen. 

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Neben einem Anstieg der Erwachsenentaufen fielen in  deutschen Bistümern auch erhöhte Besucherzahlen der Aschermittwochsgottesdienste auf. Im Erzbistum Hamburg mussten „zahlreiche Gottesdienstbesucher” stehen, „weil keine Plätze mehr frei waren. Dieser Eindruck ist im vergangenen Jahr nicht aufgekommen", äußerte sich die erzbischöfliche Pressestelle. Das Bistum Paderborn beobachtete demnach eine „noch vollere Bischofskirche als im Vorjahr“, da „vielen Christen der Empfang des Aschekreuzes und damit der bewusste Start in die Fastenzeit wichtig“ sei, begründete die Pressestelle gegenüber dieser Zeitung. Das Bistum Regensburg stellte mehr Besucher der Aschermittwochsgottesdienste verglichen mit den Vorjahren fest, ohne Zahlen zu nennen. Auch im Bistum Erfurt entstand an Aschermittwoch „in vielen Gemeinden der Eindruck, dass es in diesem Jahr mehr Gottesdienstteilnehmende waren als im Jahr zuvor“. Der Aschermittwochsgottesdienst im Münchner Dom sei „gut besucht“ gewesen, „die Bänke waren voll“. Im Kölner Dom hingegen wurden die „Gottesdienste an Aschermittwoch auf ähnlichem Niveau besucht wie in den Vorjahren“, äußerte sich die Presseabteilung.

Junge Männer gehen beichten

Der Pfarrer an der Kölner Gemeinde St. Pantaleon, Volker Hildebrandt, sprach gegenüber dieser Zeitung von 200 Anwesenden in den zwei heiligen Messen zu Aschermittwoch. Rund ein Drittel davon sei unter 35 Jahre alt gewesen, die Beichtgelegenheit vor und nach dem Gottesdienst wurde „gut in Anspruch genommen. Gut die Hälfte derer, die das Bußsakrament empfangen haben, waren ebenfalls unter 35 Jahre alt – und davon mehr junge Männer als Frauen! Auch dieser Trend ist relativ neu; und ist über das gesamte Jahr zunehmend so zu beobachten", teilte Hildebrandt auf Anfrage der „Tagespost” mit. Auch gab es in seiner Pfarrei an dem Tag einen Wortgottesdienst: Die 150 Grundschüler hätten dort „das Aschekreuz mit sichtlicher Anteilnahme empfangen".

Von einer „klaren Steigerung“ berichten auch die Zisterzienser-Mönche im brandenburgischen Kloster Neuzelle. „Zu Ostern 2026 rechnen wir mit sieben Erwachsenentaufen, von Weihnachten bis Ostern 2026 kommen zusätzlich fünf Konversionen hinzu. Im Jahr 2025 hatten wir vier bis fünf Erwachsenentaufen sowie drei Konversionen, im Jahr davor sechs Erwachsenentaufen“, so einer der Patres auf Anfrage der „Tagespost“. „Viele Menschen kommen mit einer sehr konkreten Not und einer großen inneren Leere und sind auf der Suche nach Halt, Heilung und einem tragfähigen Fundament für ihr Leben – und letztlich nach einem Heiland“, erzählt er. Die Mönche beobachten, wie „Fragen nach Orientierung, Identität und Sinn“ häufiger gestellt würden, insbesondere bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen und auch sichtbar in sozialen Medien.

Im österreichischen Kärnten nahm Christoph Kranicki, Stadtpfarrer in Wolfsberg, ein allgemein gesteigertes Interesse am katholischen Glauben in seiner Pfarrei  wahr. Er „bemerke in den letzten Monaten steigende Zahlen bei den Kirchenbesuchern“, teilte er der „Tagespost“ mit. Außerdem sei seit mehreren Jahren ein kontinuierlicher Rückgang der Kirchenaustritte zu verzeichnen. Im Zusammenhang mit Erwachsenentaufen stelle er fest, dass sich vermehrt auch Kinder und Jugendliche im Grundschulalter für die Taufe entschieden. „Zudem bereiten sich einige Asylsuchende in unserer Pfarre auf die Taufe vor“, so Kranicki. (DT/elih)


FAQ

Warum steigen die Erwachsenentaufen in Europa?
Mehrere Bistümer berichten von wachsendem Interesse am katholischen Glauben sowie steigenden Zahlen von Taufbewerbern.

In welchem Land gibt es die meisten Erwachsenentaufen?
Frankreich verzeichnete 2025 mit über 10.000 erwachsenen Täuflingen in der Osternacht einen Rekordwert.

Wie entwickelt sich die Zahl der Kirchenaustritte?
Einige Bistümer, etwa Berlin oder Kärnten, berichten zuletzt von einem Rückgang der Kirchenaustritte.

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