Der neuerliche Bruch der Piusbrüder mit Rom überrascht nicht. Der Generalobere und seine Mitstreiter verschanzen sich hinter routiniertem Misstrauen und auch einer gehörigen Portion Anmaßung gegenüber Rom. Aus der Absage spricht durchaus Glaubensmangel an die Gnade der Versöhnung, die Gott denen schenkt, die ihn geduldig und aufrichtig darum bitten.
Wie repräsentativ ist die Stimme des Generalrats noch für die Gläubigen, die sonntags die Messen der Bruderschaft besuchen? Moderate Kräfte in den eigenen Reihen werden mit der neuerlichen Absage übergangen. In diesem Punkt ähnelt die Bruderschaft durchaus den Los-von-Rom-Theologen des Synodalen Wegs: Beiden fehlt es am sentire cum ecclesia, dem geistlichen Sinn für die Kirche. Denn die unwirsche Einschätzung der letzten Pontifikate, die der Generalrat unterschiedslos negativ bewertet, wird von vielen Anhängern der Bruderschaft selbst so nicht pauschal bestätigt. Vor allem in Deutschland ist während des Pontifikats von Papst Benedikt XVI. das Eis zwischen Piusbruderschaft und Ortskirchen merklich dünner geworden. Auch unter den Gläubigen sind die Grenzen zwischen Piusbrüdern und den in voller Gemeinschaft mit Rom stehenden Gemeinschaften durchlässig. Denen macht man das Leben mit einer weiteren Entfernung von Rom schwerer.
An der Basis der Bruderschaft sind moderatere Töne zu hören als in Menzingen, es gibt auch Loslösungsbewegungen von den Hardlinern – der Übertritt des vormaligen deutschen Distriktoberen Pater Firmin Udressy zur Gemeinschaft St. Martin ist ein prominentes Beispiel. Den jungen Piusanhängern geht die Kampfrhetorik der alten Garde weitgehend ab, sie pflegen zum Beispiel im Lebensschutz christliche Ökumene. Das lässt hoffen, dass sich moderate Kräfte noch eines Besseren besinnen. Vor dem festgesetzten Termin der Bischofsweihe im Juli ist immer noch Zeit zur Umkehr.
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