Er sei „bestürzt“, „schockiert, aber nicht überrascht“ über das Ausmaß sexualisierter Gewalt in der „Deutschen Pfadfinder*innenschaft St. Georg“ (DPSG): So hat sich der Bundesvorsitzende der DPSG, Sebastian Becker, in einem Interview mit „katholisch.de“ zur DPSG-Missbrauchsstudie geäußert. Nach deren Veröffentlichung in der vergangenen Woche steht der Pfadfinderverband unter Druck – auch, weil die Studie infrage stellt, ob ein Durchgreifen angesichts der föderalen Struktur des Verbands überhaupt möglich sei. Wo es den Kinder- und Jugendschutz betreffe, müsse man „überlegen, ob wir bei diesen Themen an unseren föderalen Strukturen festhalten, oder ob wir gerade bei Kinder- und Jugendschutz zentralisierter werden müssen“, so Becker hierzu. Es dürfe nicht problematisch sein, sich hier „von demokratischen Mitbestimmungsstrukturen zugunsten von Fachexpertise zu lösen“. Kinder- und Jugendschutz sei keine Frage von Mehrheiten, sondern müsse „wie die Menschenwürde insgesamt immer gelten“.
Zu den Praktiken, die Becker zukünftig unterbunden und geahndet wissen will, gehört etwa das „pflocken, also Kinder als Strafe oder Initiationsritual auf dem Boden zu fixieren“, aber auch die Vergabe von „Georgspunkten“, mit denen offenbar sexuelle Kontakte der Pfadfinder untereinander bewertet und normalisiert wurden. Auf die Frage, wie die offensichtlich mangelhafte Ausbildung der Leiter angesichts des Prinzips „Jugend leitet Jugend“ angegangen werden solle, antwortet Becker lediglich, man habe gesehen, dass es an Praxisbegleitung in der „Ausbildung für Leiter*innen“ fehle: „Das funktioniert noch nicht, da müssen wir ran“.
Als nächstes wolle man nun „mit unseren Mitgliedern und mit Betroffenen in geeigneter Weise ins Gespräch zu den Studienergebnissen“ kommen, weitere Schritte würden auf der DPSG-Bundesversammlung im Juni erörtert. Die Konsequenz einer Auflösung stehe aber „ganz sicher“ nicht zur Debatte: „Damit würden wir uns aus der Verantwortung herausziehen und vor allem Betroffene alleine lassen mit der Gewalt, die sie erlebt haben oder noch erleben. Es würde auch bedeuten, dass Täter*innen unbeobachtet und ohne Konsequenzen blieben. Auflösung ist jetzt keine Option. Wir müssen uns vielmehr der Verantwortung jetzt stellen und diesen Verband zu einem besseren Ort machen.“
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