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Mut zur eigenen Wüstenzeit

Das Leben mit Gott ist tiefer. Echter. Wahrhaftiger. Die Reise mit ihm kann herausfordernd sein. Doch er führt immer in das gelobte Land.
Rucksack auspacken
Foto: Imago/Westend61 | Gott sein Leben hinzuhalten und dabei auch die schweren Dinge aus dem Rucksack zu ziehen, kann zu einem persönlichen Ringen werden. Doch es lohnt sich immer!

40 Jahre lang wanderte das Volk Israel durch die Wüste. Ich habe mich oft gefragt: Warum so lange? Warum ließ Gott sie in dieser Trockenheit verweilen? Beim Lesen fällt auf: In dieser Zeit passiert viel – vom goldenen Kalb über die Zehn Gebote bis hin zu Moses Tod. Gott offenbart sich, das Volk wird widerspenstig, sucht sich andere Götter – und dennoch schenkt Gott wieder Gnade. In dieser Dynamik zwischen Aufbegehren, Zweifel und Vergebung erkenne ich Parallelen zu meinem eigenen Glaubensweg.

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Vielleicht haben Menschen Angst, ihr Leben ganz in Gottes Hände zu legen, weil sie spüren, dass dadurch etwas in Bewegung kommt. Wer Gott wirklich begegnen will, muss auch sich selbst begegnen – mit allem, was dazugehört. Wenn man sich auf Gott einlässt, werden nicht nur Licht und Freude größer, sondern manchmal auch die Schatten sichtbarer. Dinge, die man lange verdrängt hatte, kommen an die Oberfläche. Als ich mich bewusst entschied, Gott in mein ganzes Leben einzubeziehen, folgten nicht nur freudige Wochen, sondern auch Zeiten des persönlichen Ringens. Ich musste hinsehen, wo ich lieber weggeschaut hätte. Doch gerade dieser Schritt, den eigenen Rucksack zu öffnen und mit Gott hineinzusehen, ist heilsam. Gott hält auch unsere Klagen, unsere Tränen und unseren Zweifel aus. Manchmal habe ich seine Anwesenheit gerade dann am stärksten gespürt, wenn ich ihn am wenigsten verstand – einfach, weil ich mit meinem Schmerz zu ihm gegangen bin, anstatt ihn zu verschweigen.

Niemand, der es bereute

Die Reise, die beginnt, wenn man Gott wirklich kennenlernt, kann herausfordernd sein. Vieles bricht auf, setzt sich neu zusammen und sortiert sich. Und trotz allem lohnt es sich! Noch nie habe ich jemanden getroffen, der es bereut hätte, diesen Weg gegangen zu sein. Wie das Volk Israel müssen wir vielleicht durch unsere persönliche Wüste – alte Wunden ansehen, die uns verletzt haben. Menschen vergeben, wo Bitterkeit geblieben ist. Sich Schwächen ehrlich eingestehen und erkennen, wie sehr wir auf Gottes Gnade angewiesen sind. Gerade in dieser Demut kann echte Hingabe entstehen. Gott drängt uns dabei zu nichts – er geht mit uns mit, Schritt für Schritt, in unserem Tempo. Glaube ist nicht bedrückend, sondern ein Weg zur Freiheit, auch wenn er uns manchmal herausfordert, ehrlich hinzusehen. Mir helfen Momente der Stille, Tagebuch zu schreiben oder die Sakramente fest in den Alltag einzubauen. Natürlich ist es auch wichtig, Vertraute zu haben, denen man sich öffnen kann.

Das Leben mit Gott ist tiefer. Echter. Wahrhaftiger. Vielleicht ist dieser Weg nicht immer nur angenehm, vielleicht durchläuft man immer wieder Wüstenphasen in seinem Leben. Und dennoch: Gott versprach dem Volk Israel das gelobte Land. Und er hat seine Versprechen immer gehalten. Die Wüste, die vor dem gelobten Land steht, war kein Irrweg, sondern ein Ort der Vorbereitung. Dort lernte das Volk, Gott zu vertrauen, und wurde bereit für Neues. So kann auch unsere persönliche Wüstenzeit ein Ort der Wandlung werden, wo Gott uns formt, heilt und uns Schritt für Schritt dem Leben entgegenführt, das er uns verheißen hat!

Die Autorin studiert Strategisches Management und Innovation an der Universität Innsbruck.

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