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DBK-Vorsitz: Wer zeigt Profil?

Bei der Synodalversammlung blieben die potenziellen Bätzing-Nachfolger weitgehend zurückhaltend. Ein Spiegelbild synodaler Ermüdung – und strategischer Zurückhaltung?
Stille Kandidaten für DBK-Vorsitz
Foto: Imago | Das Schweigen der Bischöfe signalisiert Zurückhaltung und möglicherweise auch Distanz zum synodalen Dauerkonflikt.

Man hätte erwarten können, dass sich bei der letzten Synodalversammlung in Stuttgart jene Bischöfe durch prägnante Wortmeldungen hervortun würden, die als potenzielle Kandidaten für die Nachfolge im Amt des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) gehandelt werden.

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Zur Erinnerung: Genannt werden in diesem Zusammenhang vor allem der Paderborner Erzbischof Udo Markus Bentz, der Hildesheimer Bischof Heiner Wilmer; ferner Militärbischof Franz-Josef Overbeck (Essen), der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf, der Freiburger Erzbischof Stephan Burger, der Würzburger Bischof Franz Jung und der Osnabrücker Bischof Dominicus Meier.

Bemerkenswert war jedoch, dass nahezu keiner dieser potenziellen Kandidaten beim Treffen in Stuttgart eine erkennbare persönliche Positionsbestimmung vornahm – auch nicht die beiden Favoriten Bentz und Wilmer. Lediglich die Bischöfe Overbeck und Jung setzten Akzente, die zumindest indirekt als eine Art „Bewerbung“ für den Vorsitz gelesen werden konnten.

Bischöfe nutzten Gelegenheiten zur Profilierung

Zwar ist die Synodalversammlung kein Wahlforum, und die Entscheidung über den DBK-Vorsitz liegt ausschließlich bei der Vollversammlung der Bischöfe. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass Bischöfe solche Bühnen durchaus zur Profilbildung genutzt haben – mal subtil, mal sehr bewusst. Beispielsweise positionierte sich Kardinal Reinhard Marx vor seiner Wahl zum DBK-Chef 2014 als theologischer Stratege mit gesellschaftspolitischem Profil. Mit seinen Beiträgen zu Sozialethik, Europa und Kirchenreform setzte er Themen und Akzente, die ihn geradezu als prädestiniert für den Vorsitz erscheinen ließen. Die Tragweite dieser Profilierungen zeigte sich später auch in seiner Schlüsselrolle in Rom.

Ähnlich hatte sich zuvor Erzbischof Robert Zollitsch in innerkirchlichen Debatten zur Missbrauchsaufarbeitung und zur Rolle der Kirche in der pluralen Gesellschaft als moderierender, konsensorientierter Akteur gezeigt, was für seine Wahl schließlich ausschlaggebend war. Auch Georg Bätzing hatte sich vor seiner Wahl 2020 hervorgetan, allerdings weniger durch einzelne rhetorische Höhepunkte als durch ein über Jahre gewachsenes Bild als jemand, der sich moderierend und vor allem reformoffen zeigte.  Er galt als jemand, der Spannungen aushalten und die Bischöfe zusammenhalten vermochte.

Bischof Jung als Verwalter eines gesetzten Reformprogramms

Und heute: In Bezug auf den bald zu wählenden neuen DBK-Vorsitzenden fiel bei der letzten Synodalversammlung eben der Würzburger Bischof Franz Jung auf. Zwar gilt er nicht als Topfavorit, doch seine selbstbewussten Beiträge, insbesondere zum Monitoring der Synodalen Beschlüsse, zeigten, wofür er steht: für Transparenz und Qualitätssicherung im Sinne des synodalen Wegs. Die Selbstverständlichkeit, mit der er dafür eintrat, erzeugte den Eindruck, als sei der Synodale Weg mit seinen Prämissen für ihn unumkehrbar.

Damit verschob er die eigentliche theologische und kirchenrechtliche Debatte: Nicht mehr die Frage, ob bestimmte Beschlüsse mit der Lehre und Ordnung der Kirche vereinbar sind, stand im Vordergrund, sondern nur noch, wie sie umgesetzt und evaluiert werden können. Kurz: Jung trat auf als Verwalter eines politisch gesetzten Reformprogramms.

Overbeck: Berechenbar, aber polarisierend

Neben ihm schärfte auch der Essener Bischof Overbeck sein Profil. Er präsentierte sich deutlich als derjenige, dem es maßgeblich zu verdanken wäre, falls Rom der Satzung der Synodalkonferenz zustimmt. Overbeck verwies auf seine Gespräche mit Rom, insbesondere mit Erzbischof Filippo Iannone, dem früheren Präfekten des Dikasteriums für die Gesetzestexte und heutigen Präfekten des Dikasteriums für die Bischöfe. Er sei mit ihm die Satzung „Artikel für Artikel und Satz für Satz, oft Wort für Wort“ durchgegangen, um den Synodalen Weg „in seiner Genese, aber auch in seinen Strukturen zu erklären“, wie Overbeck sagte.

Sollte Rom die Satzung genehmigen, könnte Overbeck für diejenigen unter den deutschen Bischöfen, die sich mit dem Synodalen Weg identifizieren, also für die Mehrheit, als Integrationsfigur und römischer Türöffner attraktiv erscheinen. Nicht jedoch im SInne eines Brückenbauers zwischen Deutschland und Rom, sondern eher als rhetorischer Absicherer bereits getroffener Grundentscheidungen. Er gehörte zu denen, die berechtigte römische Vorbehalte nicht ernsthaft integriert, sondern implizit relativiert haben. Ekklesiologische und lehrmäßige Klärungen treten bei Overbeck in den Hintergrund. Damit ist er zwar berechenbar, bleibt aber polarisierend – ein Nachteil mit Blick auf die kirchliche Einheit und die Anforderungen an den DBK-Vorsitz.

Gegen ein dauerhaftes Monitoring 

Hervorzuheben ist außerdem der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf. In seinen Statements wandte er sich insbesondere gegen das Monitoring der synodalen Beschlüsse. Ihn ärgerte die Bezeichnung der Synodalkonferenz als „Souverän“, die die Bischöfe zu kontrollieren habe, sagte er und forderte eine Korrektur der „Bilder im Kopf“. Die Synodalkonferenz als Souverän sei „weltkirchlich nicht kompatibel“.

Und all die übrigen Kandidaten? Sie blieben nahezu unsichtbar: Ihr Schweigen im Plenum signalisiert Zurückhaltung, möglicherweise auch Distanz zum synodalen Dauerkonflikt. Wofür sie im Einzelnen stehen, bleibt offen. Die Bischöfe vermeiden es offenbar bewusst, sich vor der anstehenden Wahl zu exponieren und sich womöglich angreifbar zu machen, indem sie sich zu kontroversen Themen festlegen. Ob dies nun strategisch klug war oder eher als Verzicht auf Verantwortung und Mut zu einer kritischen Korrektur des Reformwegs zu deuten ist, bleibt im Raum des Spekulativen. Unterm Strich wird vor allem eines deutlich: eine synodale Ermüdung. 

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