Das „Foibe-Massaker“ gehört zu den Gräueltaten, die am Ende des Zweiten Weltkriegs und in der Nachkriegszeit aus Ressentiment und Hass heraus verübt wurden. In die „Foiben“, tiefe Karsthöhlen im adriatischen Küstengebiet, warfen jugoslawische Partisanen politische Gegner, die der italienischen Bevölkerung von Julisch Venetien, Istrien und Dalmatien angehörten. Unzählige Menschen starben qualvoll in den Höhlen, aus denen es kein Entrinnen gab, oder ihre Leichname wurden nach der Exekution in ihnen „entsorgt“. Zu den „Foibe“-Opfern gehört auch der italienische Priester Francesco Giovanni Bonifacio, der 2008 in Triest seliggesprochen wurde. Sein Gedenktag ist der 11. September.
Francesco Giovanni Bonifacio wurde am 7. September 1912 im istrischen Piran geboren. Der heute slowenische Ort fiel nach dem Ersten Weltkrieg an Italien. Francescos Vater war Heizer auf einer Dampfschifflinie, die die Küstenorte bediente, während seine Mutter sich um die sieben Kinder kümmerte. In der Pfarrei der Franziskaner war Francesco Messdiener; später besuchte er häufig das Oratorium der Salesianer und schloss sich der Katholischen Aktion an. Von hier aus führte ihn der Weg ins Kleine Priesterseminar. Er war ein schmächtiger Junge und litt sein Leben lang unter Asthma. Wegen seines hilfsbereiten, zurückhaltenden Wesens erhielt er den Spitznamen „il santin“, der „kleine Heilige“, und die Heiligkeit war auch sein großes Ideal, wie er in sein Exerzitienheft schrieb: „Wir brauchen Heiligkeit in der Welt, sonst wird es der Menschheit immer schlechter gehen. Und wer sollte heilig sein, wenn nicht (auch!) der Priester?“
Keine Lebensumstände gibt, unter denen man nicht nach Heiligkeit streben kann
1932 begann er mit dem Studium am Priesterseminar von Gorizia. Als sein Asthma ihn zu einem Aufenthalt im Sanatorium zwang, schrieb er in sein Tagebuch: „Neben den außergewöhnlichen, wundertätigen Heiligen, die mit besonderen Gnaden ausgestattet sind, machtvoll predigen und große Wunder wirken, gibt es jene, die einfach die Gaben des Herrn annehmen, seinen Willen tun, ein einfaches geistliches Leben führen, mit gewöhnlichen Tugenden ausgestattet sind, alltägliche Dinge außergewöhnlich verrichten, alles zur Ehre Gottes tun und zeigen, dass es keine Lebensumstände gibt, unter denen man nicht nach Heiligkeit streben kann.“ Am 27. Dezember 1936 wurde er in Triest zum Priester geweiht.
Anschließend kam er in den Pfarrdienst in Cittanova, das heutige Novigrad in Kroatien. Er widmete sich mit Begeisterung der Jugendarbeit, gründete eine Gruppe der Katholischen Aktion, organisierte Theateraufführungen und Ausflüge mit den Jugendlichen. Diese sehen in ihm einen Priester „mit dem Evangelium im Herzen und auf den Lippen, einen guten Hirten, einen großartigen Priester mit demütiger und einfacher Lehre“. Er „mischt sich unter die Seeleute, hat für alle ein gutes Wort, gewinnt das Vertrauen aller, und besonders zu den hohen Feiertagen ist sein Beichtstuhl von Landarbeitern und Seeleuten belagert, die sich durch seinen Dienst mit Gott versöhnen“.
Sein Leichnam wurde nie gefunden
Den Beginn des Zweiten Weltkriegs erlebte Pfarrer Bonifacio in der kleinen Gemeinde Villa Gardossi, in die er 1939 versetzt wurde. Weitab vom Kriegsgeschehen kümmerte er sich um die Menschen auf dem Land, segnete Häuser und Familien, gab Religionsunterricht an der Dorfschule, engagierte sich in der Jugendarbeit, besuchte die Kranken und versah den Pfarrdienst. Das Leben in dem Dorf war sehr einfach, zusammen mit seiner Mutter lebte er in einem Haus ohne Strom und fließendes Wasser. Obgleich kein großer Prediger, war er bei der Bevölkerung sehr beliebt.
Das Blatt wendete sich am 8. September 1943. Nach dem Sturz Mussolinis übernahmen kommunistische Partisanen unter der Führung von Marschall Tito die Oberherrschaft in Istrien. Zahlreiche Italiener wurden vertrieben oder ermordet; nach Kriegsende wurde Jugoslawien als atheistischer Staat aufgebaut. Trotz aller Drohungen blieb Pfarrer Bonifacio in seiner Gemeinde. Am 11. September 1946 wurde er abends auf der Rückkehr von einem Besuch beim Nachbarpfarrer auf der Straße überfallen – seitdem fehlt jede Spur von ihm. Er gehört zu den zahllosen Opfern, die – tot oder lebendig – in den „Foiben“ verschwanden und nie wieder aufgefunden wurden.
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