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Wilmer „sprachlos“ – AfD „nachweislich nationalistisch und völkisch“

Vor dem politischen Berlin drückt der DBK-Vorsitzende sein Unbehagen über die Wahl in Sachsen-Anhalt aus – und rät zu „unpopulären Entscheidungen“.
Die Deutsche Bischofskonferenz 2026
Foto: IMAGO/Julien Becker (www.imago-images.de) | Heiner Wilmer kurz nach seiner Wahl als neuer DBK-Vorsitzender in Würzburg.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Münsteraner Bischof Heiner Wilmer, hat sich beim traditionellen St.-Michael-Empfang des Katholischen Büros in Berlin vor Vertretern aus Kirche, Politik und Gesellschaft erschrocken über den Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt geäußert. Gemäß dem vorab verbreiteten Redemanuskript sagte Wilmer, die Wahl habe „in drastischer Weise gezeigt, wie eine radikale Partei durch den Wählerwillen mit klarer Mehrheit demokratisch legitimiert wurde.“ Wie „viele hier im Saal“ sei er „sprachlos“, aber auch „entschlossen im weiteren Handeln“. Die AfD sei „nachweislich nationalistisch und völkisch eingestellt.“ Für dieses völkische Gedankengut sei „weder in noch außerhalb von Gotteshäusern, weder im Christentum noch im Judentum, noch im Islam Platz.“

Er wünsche sich sehr, so Wilmer, dass hier die Wahrheit befreie, „dumpfe Parolen“ entschlüssele und „Wahlversprechungen ohne jede realistische Grundlage“ entzaubere. Die Kirche widerspreche, wenn Angst gegen Solidarität ausgespielt werde, Menschen gegeneinander in Stellung gebracht würden und demokratische Institutionen geschwächt würden. „Unser Maßstab“, so Wilmer, „ist weder Parteipolitik noch Ideologie, sondern das Evangelium und die damit verbundene unveräußerliche Würde jedes Menschen. Und ja, da dürfen und müssen wir auch manchmal anecken.“

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Wahrheit, so Wilmer zuvor, sei die „Infrastruktur der Freiheit“. Würden „Tatsachen verfälscht, unterdrückt oder durch Desinformation ersetzt“, verliere die Meinungsfreiheit ihren demokratischen Sinn. Die Krisen unserer Zeit seien „nicht primär Krisen der Politik, sondern ein postsäkularer Kulturkampf.“ Ständig präsent seien Fragen wie: „Was trägt uns? Wie gehen wir miteinander um? Was darf ich anziehen? Was habe ich verdient?“ Mittendrin merke er: „Der Faktor Religion ist wieder da. Er war nie weg, doch in unserer Welt wird er zunehmend wieder deutlicher erkennbar. Ohne den Faktor Religion werden wir keine ausreichenden Antworten finden.“

Aufruf zu unpopulären Entscheidungen

In diesem Kulturkampf gebe es „religiöse und weltanschauliche Deutungen, die auf die großen Kulturfragen unserer Zeit einfache Antworten versprechen, einen neuen Antichristen konstruieren und die Sehnsucht nach Orientierung sowie das Schutzbedürfnis vieler Menschen rücksichtslos instrumentalisieren.“ Dem, so Wilmer, trete man als Kirche entschieden entgegen. „Wo der Glaube zur Ideologie wird und religiöse Sprache dazu dient, Angst zu schüren oder Menschen gegeneinander aufzubringen, verliert er seine Wahrheit.“

„Für uns“ folge daraus die Verantwortung, für „Wahrheiten statt Meinungen“ einzutreten. Er wolle die Zuhörenden ermutigen, die eigenen Überzeugungen immer wieder an der Wirklichkeit zu prüfen. Der „oft ausgerufene Herbst der Reformen“ sei nun da, es gelte, „weitreichende und gegebenenfalls unpopuläre Entscheidungen zu treffen“. Wer nur Bestätigung aus der Bevölkerung suche, verliere die Fähigkeit zum Dialog. „Wer dagegen nach Wahrheit sucht, übernimmt Verantwortung für den öffentlichen Diskurs, stärkt das Vertrauen und unsere Demokratie“, so der DBK-Vorsitzende. (DT/jra)

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