Erst Paris und Lourdes, dann Metz: Am 28. September besucht Papst Leo die Stadt im Nordosten Frankreichs, wo Robert Schuman herkommt. In Metz fand der Mitgründer der EU zu jenen Idealen und Grundsätzen, die später in das große Projekt der Europäischen Union einflossen. Es läuft sein Seligsprechungsverfahren.
Der luxemburgische Kardinal Jean-Claude Hollerich hat gegenüber Vatican News die symbolische Bedeutung des Papstbesuchs in Metz erklärt. „Schuman war ein Mann des Gebets und der Tat. Sein Glaube hat ihn nicht von der Politik abgebracht. Im Gegenteil, er half ihm, das Gut der Allgemeinheit, Gerechtigkeit und Frieden anzustreben“, sagte Hollerich. Nach „utopischen Visionen eines vereinten Europas“, etwa jener vom Philosophen Immanuel Kant, sei Schuman der Erste gewesen, der „Idealismus mit der Realität“ vereinigen konnte. Sein europäisches Projekt habe auf einer einfachen, aber entschiedenen Vision gegründet: dass ehemalige Feinde Partner werden und ihre Zukunft gemeinsam errichten. „Für einen derart christlichen Mann wie ihn durfte Versöhnung keine politische Strategie bleiben. Sie musste ein moralischer Imperativ werden“, betonte der Kardinal.
Hollerich: Das europäische Projekt Schumans bleib aktuell
Wie Schuman brauche es auch heute junge, gläubige Menschen, die sich für Frieden und Gerechtigkeit einsetzen. Das europäische Projekt Schumans bleibe aktuell, so Hollerich. Europa benötige Menschen, die „über die Grenzen hinwegblicken können, ohne die eigene Identität zu verleugnen, und die das eigene Vaterland verteidigen, ohne das des Nachbarn zu verachten, und die aus Unterschieden Chancen zur Zusammenarbeit machen“.
Das eigentliche Programm am 28. September steht im Zeichen Schumans. Um 10 Uhr gibt es im nach ihm benannten Kongresszentrum ein interreligiöses Treffen. Im Anschluss daran findet dort die Veranstaltung „An den Wurzeln Europas für Frieden und Einheit“ statt. Papst Leo hält auf beiden Veranstaltungen eine Ansprache. Sein Mittagessen nimmt er in der Abtei Saint-Glosside ein, wo der Bischof von Metz lebt. Den vatikanischen Vorgaben entsprechend wird dies unter Ausschluss der Öffentlichkeit geschehen. Nachmittags feiert er die heilige Messe in der gotischen Kathedrale Saint-Étienne. Diese wird auch „die Laterne des lieben Gottes“ genannt, weil 6.500 Quadratmeter Glasmalerei in ihr verbaut sind. Um 18.30 Uhr beginnt am Flughafen die Abschiedszeremonie; um 21 Uhr landet der Papst in Rom.
Der Papst habe sich für Metz entschieden, um eine „Botschaft des Friedens“ in das „Herz Europas“ zu tragen, heißt es auf der offiziellen Website für den Papstbesuch. Das Moselland sei von Kriegen gezeichnet, gleichzeitig aber auch von der deutsch-französischen Versöhnung. Mit der heiligen Messe in der Kathedrale von Metz erinnere der Papst daran, dass Versöhnung unter den Völkern möglich sei und Europa der Welt ein Zeugnis für Brüderlichkeit geben könne – besonders angesichts der aktuellen weltweiten Konflikte.
„Der Flughafen wird eine Festung“
Die Stadt bereitet sich schon jetzt auf den außergewöhnlichen Besuch vor: 500.000 Euro umfasst das Budget. Seit dem 1. September dürfen die 1.300 Besucherparkplätze am Flughafen nicht mehr belegt werden. Wer sein Auto dort noch stehen hat, kann es selbstverständlich noch abholen. „Der Flughafen wird eine Festung“, heißt es nach Angaben der französischen Tageszeitung „Le Quotidien“. Als Ersatz fährt ein kostenloser Shuttle-Bus, der die Flugreisenden befördert. Für den 28. September selbst sind keine regulären Flüge geplant.
Der Vorsitzende der französischen Bischofskonferenz, Kardinal Jean-Marc Aveline, sprach in einer Pressekonferenz angesichts des großen Interesses am Papstbesuch von „einem großen spirituellen Durst“ in Frankreich. „Die Vorbereitung der Papstreise ist wichtig. Wir müssen dem Papst vor allem gut zuhören.“ Das Leitwort der Papstreise „Damit die Welt das Leben habe“ aus dem Johannesevangelium habe man gemeinsam mit Papst Leo festgelegt. Es sei passend, so Aveline, weil es darauf verweise, wer Christus wirklich sei: der Weg, die Wahrheit und das Leben. Außerdem sehe man in „Magnifica humanitas“, wie wichtig es sei, dieses Leben zu verteidigen. Das sei Papst Leo ein großes Anliegen. „Wie wird er das in Frankreich ausdrücken? Wir werden es sehen!“, betonte Aveline.
Jetzt die „Tagespost" abonnieren und nichts mehr verpassen.









