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 Euthymia Üffing: „Engel der Liebe“

Die frühere Bauerntochter diente im Zweiten Weltkrieg als Ordensschwester kranken Kriegsgefangenen und Zwangsarbeitern. Ein spektakuläres Heilungswunder ermöglichte die Seligsprechung.
Das Vinzenz-Hspital in Dinslaken: Vor 90 Jahren begann hier die selige Euthymia Üffing ihre Ausbildung zur Krankenschwester.
Foto: Erwin Pottgiesser via imago-imag (www.imago-images.de) | Das Vinzenz-Hspital in Dinslaken: Vor 90 Jahren begann hier die selige Euthymia Üffing ihre Ausbildung zur Krankenschwester.

Am 10. September 1955 geschah in der Wäscherei des Mutterhauses der Clemensschwestern in Münster ein schwerer Unfall: Eine Schwester geriet mit der Hand zwischen die heißen Walzen einer Bügelmaschine; als sie befreit wurde, war die Hand stark gequetscht und verbrannt. In ihrer Not ging sie in die Kapelle, wo ihre gerade verstorbene Mitschwester Euthymia aufgebahrt lag. An deren offenem Sarg bat sie um ihre Fürsprache, und es geschah ein Wunder, für das die Ärzte, die sie behandelten, keine Erklärung hatten: Die schwerverletzte Hand heilte innerhalb kürzester Zeit. 2001 war dieses Heilungswunder ausschlaggebend für die Seligsprechung von Schwester Euthymia Üffing, die Papst Johannes Paul II. auf dem Petersplatz in Rom vollzog.

Ausbildung zu Köchin und Krankenschwester

Emma Üffing, so ihr bürgerlicher Name, wurde am 8. April 1914 in Halverde, einem Dorf in der westfälischen Region Tecklenburger Land, in einer Bauernfamilie geboren. Durch eine Rachitis-Erkrankung im Alter von 18 Monaten blieb sie ihr Leben lang körperlich geschwächt. Nach dem Besuch der Volksschule, mit 14 Jahren, wollte sie Ordensschwester werden, musste aber auf Wunsch ihrer Familie die Entscheidung noch etwas reifen lassen. Mit 17 Jahren nahm sie eine Tätigkeit im St.-Anna-Hospital in Hopsten auf, wo sie im Haushalt und auf dem Geflügelhof half und zur Köchin ausgebildet wurde. Hier lernte sie die Clemensschwestern kennen, eine im Jahr 1808 durch den Generalvikar und Administrator der Diözese Münster Clemens August Freiherr Droste zu Vischering gegründete Ordensgemeinschaft, die in der Krankenpflege tätig war.

Die Oberin Schwester Euthymia Linnenkemper wurde zum großen Vorbild für Emma; nachdem sie am 23. Juli 1934 in Münster in die Kongregation eingetreten war, erhielt sie deren Namen. Am 11. Oktober 1936 legte sie die zeitlichen Gelübde ab und wurde anschließend am Vinzenz-Hospital in Dinslaken am Niederrhein zur Krankenschwester ausgebildet. Nach der dreijährigen Ausbildung auf der Frauenstation und der Isolierstation legte sie ihre Abschlussprüfung mit der Note „sehr gut“ ab. Im Jahr darauf folgten die ewigen Gelübde im Mutterhaus in Münster.

Durch den Ausbruch des Zweiten Weltkriegs war die Arbeit in der Krankenpflege zu einer noch größeren Herausforderung geworden als vorher. Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter, oft in desolatem Zustand, wurden in das Vinzenz-Krankenhaus eingewiesen. Sie litten an Infektionskrankheiten wie Krätze und Typhus, an Tuberkulose und häufig auch an Geschlechtskrankheiten. Schwester Euthymia kümmerte sich aufopferungsvoll um alle, was ihr den Beinamen „Engel der Liebe“ einbrachte. Als das Vinzenz-Krankenhaus im Frühjahr 1945 einem Bombenangriff zum Opfer fiel, verausgabte sie sich völlig beim Transport der Kranken in die umliegenden Dörfer; erschöpft brach sie am folgenden Tag zusammen. Als das Krankenhaus wieder aufgebaut worden war, wurde Schwester Euthymia zu ihrer großen Enttäuschung nicht wieder in der Krankenpflege, sondern in der Wäscherei eingesetzt; sie akzeptierte diese Entscheidung als den Willen Gottes. Im Januar 1948 übernahm sie die Leitung der Wäscherei des Mutterhauses und der ordenseigenen Klinik in Münster, wo sie sieben Jahre lang tätig war.

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Am 8. Juli 1955 brach Schwester Euthymia im Waschhaus zusammen. Niemand hatte geahnt, dass die 41-Jährige an starken Schmerzen litt; eine Untersuchung ergab eine fortgeschrittene und mittlerweile unheilbare Krebserkrankung. Ende August überkam sie starkes Fieber; sie bat um die Krankensalbung. Am 9. September empfing sie frühmorgens die Kommunion; um 7.30 Uhr schloss sie für immer die Augen. Als ihr Leichnam in der Kapelle aufgebahrt lag, kamen zahlreiche Menschen, um sich von Schwester Euthymia zu verabschieden und um ihre Fürsprache im Himmel zu bitten – darunter ihre Mitschwester Maria Avelline, deren Hand zwischen die Bügelwalzen geraten war. Bereits 1959 wurde der Seligsprechungsprozess eingeleitet. Heute erinnert das Euthymia-Zentrum im Mutterhaus der Kongregation an die selige Mitschwester. Dort liest man auf ihrem Reliquiar die Worte, die ihr Leben zusammenfassen: „Alles für den großen Gott“, und „Ich diente, und mein Lohn ist Frieden“.

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Claudia Kock Johannes Paul II. Krankensalbung Ordensschwestern Päpste Schwestern

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