Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Interview zur Papstreise

„Er ist ein Vater für jeden von uns“

Bruder Augustin fährt mit jungen Menschen nach Paris, zum Papst. Mit der „Tagespost“ spricht er über Neutaufen, die marianische Dimension der Papstreise, Berufung und Robert Schuman.
Kirche
Foto: privat | Frère Augustin ist seit fünf Jahren Priester und Ordensbruder der „Missionarfamilie unserer Lieben Frau"

Bruder Augustin, was bedeutet der Papstbesuch für die Kirche in Frankreich mit ihren vielen Neutaufen?

Der Besuch von Papst Leo wurde sehnlichst erwartet. Seit 2008 gab es in Frankreich keinen offiziellen Papstbesuch mehr. Papst Franziskus ist ab und zu in unser Land gekommen, doch es handelte sich nie um einen offiziellen Besuch. Und dieser Besuch wird außergewöhnlich sein: mit einer riesigen Papstmesse und einem Gebetsabend für junge Menschen. Unter ihnen gibt es viele, die auf der Suche nach echter Spiritualität sind. Sie suchen das Heilige und dürsten danach, dass man ihnen die Wahrheit lehrt, damit sie ihr Leben auf einem festen Glauben aufbauen können. Hoffen wir, dass der Papstbesuch dieser Bewegung neuen Schwung verleiht.

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Warum hat Papst Leo Frankreich ausgewählt?

Die Kirche in Frankreich hatte ihn gebeten zu kommen. Und er hat erkannt, dass sie es nötig hat.

Wird sein Besuch etwas verändern?

Ja, das glaube ich, denn Papst Leo XIV. gibt dem Glauben hier neuen Schwung. Er richtet alles auf Jesus Christus aus. Das steht im Mittelpunkt seines Pontifikats. Er lebt eine ausgeprägte augustinische Spiritualität. Ich glaube, dass dieser apostolische Besuch die Katholiken Frankreichs, die manchmal ein wenig eingeschlafen sind, zum Glauben zurückführen kann.

Warum reist Papst Leo ausgerechnet nach Metz?

Der Besuch in Metz ist etwas Besonderes, weil er einen besonderen Schwerpunkt auf Europa und den Frieden legt. Papst Leo XIV. wird eine Rede über die Wurzeln Europas halten. Ich glaube, dass er daran erinnern möchte, dass Europa mehr als ein wirtschaftliches oder politisches Projekt ist, nämlich ein Friedensprojekt. Robert Schuman, Konrad Adenauer und Alcide de Gasperi haben Europa auf dem Christentum gegründet. Die Flagge der Europäischen Union erinnert mit den zwölf Sternen der Marienkrone daran.

Die Papstreise wird sehr marianisch geprägt sein. Papst Leo XIV. hat sich entschieden, in Paris die Vesper zu Ehren der Jungfrau Maria zu feiern. Genauso die Heilige Messe dort am Samstag. Die Jungfrau Maria ist die erste Schutzpatronin Frankreichs. Papst Leo XIV. wird auch Lourdes besuchen, den französischen Wallfahrtsort schlechthin.

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Warum interessiert sich Papst Leo XIV. für Robert Schuman, den Mitbegründer der Europäischen Union und möglicherweise künftigen Seligen?

Von Robert Schuman sagt man, dass er ein wahrhaft christliches Leben geführt hat. Er war ein Mann des Glaubens, der unter dem Einfluss seines christlichen Glaubens politisch gehandelt hat. Papst Leo wollte seine Heimat besuchen, um eine Friedensbotschaft zu vermitteln und daran zu erinnern, dass Europa christliche Wurzeln hat. Diese Wurzeln zu bewahren, ist eine Voraussetzung für den Frieden. Besonders heute, da dieser in Europa bedroht ist.

Ist Papst Leo bei den Franzosen willkommen?

Es gibt zwei Realitäten: Ein Teil der Franzosen erwartet seine Ankunft ungeduldig und bereitet sich mit Begeisterung auf diesen Besuch vor. Das sind die Menschen, die ihren katholischen Glauben leben und für die Frankreich in seiner gesamten Geschichte und Kultur christlich ist. Sie empfangen den Papst sozusagen wie einen Vater. Papst Johannes Paul II. sagte immer, dass Frankreich die älteste Tochter der Kirche sei. Es hat stets eine besondere Verbindung zum Papst gepflegt. Die Anmeldungen für die verschiedenen Veranstaltungen zeigen, dass es eine echte Erwartungshaltung gibt.

Auf der anderen Seite gibt es auch Franzosen, die den Papstbesuch kritisch sehen. Frankreich ist schließlich sehr stark von der Französischen Revolution geprägt. Manche Menschen sind der Ansicht, dass Laizität bedeutet, Gott aus dem öffentlichen Raum auszuschließen. Sie haben versucht, dieses Ereignis herunterzuspielen und die Feier der Papstmesse auf der Place de la Concorde zu verhindern.

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Was erwarten Sie vom Papstbesuch?

Es ist immer eine Freude, den Heiligen Vater zu sehen. Und eine Gnade, denn er ist der Stellvertreter Christi auf Erden. Er ist ein Vater für jeden von uns. Für die jungen Menschen hoffe ich, dass diese Begegnung ihnen helfen wird, tiefer zu verstehen, wer Jesus ist, und ihn noch mehr zu lieben. Denn der Heilige Vater zeigt ihn uns, wie der heilige Petrus in Cäsarea, der den Glauben an Jesus, den Sohn Gottes, bekennt: „Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes.“

Ich hoffe auch, dass diese Begegnung ihnen helfen wird, ihre Berufung in der Kirche zu finden. Es ist heute nicht leicht, eine verbindliche Lebensentscheidung zu treffen, sei es, eine katholische Familie zu gründen und dabei die schöne Liebe nach dem Plan Gottes, des Schöpfers, für die Ehe zu leben, oder – zweifellos noch mehr – einer Ordensberufung zu folgen. Dafür muss man ihre Schönheit erkennen können. Die Schönheit, sich ganz dem Herrn hinzugeben, zu seiner Ehre und zum Heil der Seelen.

Ich glaube auch, dass viele Franzosen ein deutliches Wort des Papstes zur Achtung des Lebens von der Empfängnis bis zu seinem natürlichen Ende erwarten, nachdem in diesem Sommer das äußerst schwerwiegende Gesetz über Euthanasie und assistierten Suizid verabschiedet wurde.

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