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Der Papst, der in die Bergwerke verbannt wurde

Tod in der Arena oder lebendig begraben im Bergbau? Im dritten Jahrhundert wurden auch Päpste zu Märtyrern. Der 13. August ist der Gedenktag des heiligen Papstes Pontianus.
hl. Pontianus
Foto: KNA | Verurteilt, entgürtet, gestorben: der heilige Papst Pontianus.

Der 28. September 235 gilt als das erste historisch gesicherte Datum der Papstgeschichte: An diesem Tag erklärte Papst Pontianus seinen Rücktritt. „Discinctus est“ – er wurde „entgürtet“ – heißt es im „Catalogus Liberianus“, einer frühen Liste der Bischöfe von Rom, die in einem Codex aus dem 4. Jahrhundert, dem sogenannten Chronographen von 354, enthalten ist. Der Grund für seinen Amtsverzicht war ein Urteil, das ein römisches Gericht über ihn gesprochen hatte: die „damnatio ad metallas“. Sie galt nach der „damnatio ad bestias“ – dem Tod in der Arena im Kampf gegen wilde Tiere – als zweitschlimmste Strafe. Die Verurteilten wurden versklavt und in Bergwerke gesandt, wo sie unter unmenschlichen Bedingungen bis zum Tod gefährliche Arbeit unter Tage verrichten mussten. Aus dieser „irdischen Hölle“, wie der antike Schriftsteller Diodor die Bergwerke bezeichnet hatte, kehrte niemand zurück. So verzichtete Pontianus auf das Papstamt, um die römische Gemeinde nicht ohne Bischof zurückzulassen.

Pontianus war gebürtiger Römer, wie im „Liber pontificalis“, einer im 6. Jahrhundert zusammengetragenen Sammlung von Papstbiografien, berichtet wird; sein Vater hieß Calpurnius. Als er im Jahr 230 den Stuhl Petri bestieg, herrschten sowohl in Rom als auch im Osten innerkirchliche Spannungen. Die römische Gemeinde war gespalten wegen des Presbyters Hippolyt, der bereits mit Pontianus’ Vorgängern Calixtus und Urban im Streit gelegen und sich zum Gegenpapst erhoben hatte. In Alexandria gab es heftige Auseinandersetzungen über den Exegeten Origenes, dem der dortige Bischof Demetrios schließlich die Lehrerlaubnis entzog, nachdem er seine Priesterweihe für ungültig erklärt hatte. Viele Bischöfe stellten sich hinter Origenes, aber Pontianus, als Bischof von Rom, bestätigte Demetrios’ Entscheidung.

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Während es innerkirchlich brodelte, war die äußere Lage ruhig. Das Christentum galt zwar weiterhin als nicht zugelassene Religion und seinen Anhängern drohte offiziell die Todesstrafe, aber der junge Kaiser Severus Alexander und seine einflussreiche Mutter Julia Mamaea verhielten sich religionspolitisch neutral und tolerierten die Christen.

Blutige Ära der Soldatenkaiser

Der Friede währte jedoch nicht lange. Im März 235 ließ sich der vom Balkan stammende Legionsführer Maximinus Thrax von den am Rhein stationierten Truppen in Mainz zum Kaiser ausrufen; Severus Alexander wurde ermordet. Mit Maximinus begann die Ära der Soldatenkaiser, die sich durch kurze Amtszeiten, brutale Herrscherwechsel und wirtschaftlichen Niedergang auszeichnete. Als Sündenbock für die schlechte Lage mussten die Christen herhalten, gegen die in den folgenden Jahrzehnten rigoros vorgegangen wurde, bis hin zum Höhepunkt der Verfolgung unter Diokletian an der Schwelle vom 3. zum 4. Jahrhundert.

Im September 235 ließ Maximinus Thrax die beiden Anführer der gespaltenen christlichen Gemeinde, Pontianus und Hippolyt, festnehmen. Beide wurden zur Zwangsarbeit im Bergwerk verurteilt, versklavt und nach Sardinien deportiert, wo es zahlreiche Gold-, Silber-, Zink- und Kohleminen gab. Die furchtbaren Arbeitsbedingungen in den Minen wurden von Diodor und Plinius anschaulich beschrieben: Die Sklaven verbrachten oft Monate unter Tage und wurden durch Schläge zur Arbeit angetrieben. Überall lauerte der Tod – durch Stolleneinstürze, Giftdämpfe, Explosionen und Wassereinbrüche.

Wie Pontianus umkam, wissen wir nicht. Sicher ist nur, dass seine sterblichen Überreste nach Rom zurückgeführt und in der Calixtus-Katakombe beigesetzt wurden. Die „Depositio martyrum“, das älteste römische Märtyrerverzeichnis, gibt als Datum der Beisetzung den 13. August an, an dem daher Pontianus’ Gedenktag gefeiert wird.

1854 wurde die Krypta der Päpste in der Calixtus-Katakombe wiederentdeckt. Hier lassen sich die Gräber von acht Päpsten aus dem 3. Jahrhundert nachweisen, unter anderem das des Pontianus. Die Grabplatte weist ihn als Bischof und Märtyrer aus. Alle Päpste aus der Calixtus-Katakombe wurden später in die römische Basilika Santa Prassede umgebettet, wo sich auch Pontianus’ Reliquien heute befinden.

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Claudia Kock Bischöfe Das Römische Reich Diokletian Gegenpäpste

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