Das Fest „Verklärung des Herrn“, das die Kirche am 6. August begeht, verweist auf eine Begebenheit im Neuen Testament, bei der für drei Apostel der Schleier vom Geheimnis Christi für eine kurze Zeit gelüftet wurde. Petrus, Jakobus und Johannes dürfen sehen und erkennen, wer Jesus wirklich und wahrhaftig ist. Sie erhaschen einen kurzen Blick auf die endzeitliche Herrlichkeit und sie hören als Mose und Elija erscheinen, und eine Stimme aus dem Himmel erklärt – wie bereits bei der Taufe Jesu im Jordan –, dass Jesus der Sohn Gottes ist.
Seine Gottheit erstrahlt vor ihren Augen – ein buchstäblich wunderbarer Moment, wobei fast verwunderlicher ist, dass Jesu Gottheit ansonsten mehr oder weniger verborgen war. Was die Apostel erfahren, ist ein Privileg, aber auch eine Aufgabe.
Vorbereitung der drei Apostel
Aus einem bisherigen vielleicht Nicht-ganz-begreifen-Können wird eine Gewissheit, die die künftige Verkündigung der Jünger beflügeln sollte. Diese Erfahrung trägt sie auch durch die kommende Dunkelheit des Kreuzes, die von der darauffolgenden Auferstehung Christi überstrahlt werden wird. Und sie war eine Art Vorbereitung der drei Apostel auf ihre besondere Verantwortung in der Kirche; alle drei haben später führende Aufgaben in der jungen Kirche übernommen.
Petrus wird bekennen: „Denn wir sind nicht klug ausgedachten Geschichten gefolgt, als wir euch die machtvolle Ankunft unseres Herrn Jesus Christus kundtaten, sondern wir waren Augenzeugen seiner Macht und Größe. Denn er hat von Gott, dem Vater, Ehre und Herrlichkeit empfangen, als eine Stimme von erhabener Herrlichkeit an ihn erging: Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe. Diese Stimme, die vom Himmel kam, haben wir gehört, als wir mit ihm auf dem heiligen Berg waren.“ (2 Petr 1,16–18)
Die drei Hütten
Biblisch erinnert die Verklärung Christi an Darstellungen des Bundesschlusses des Volkes Israel, etwa im Buch Exodus, wo Mose mit 70 Ältesten zum Herrn geht, die den Gott Israels ebenfalls schauen dürfen (vgl. Ex 24,9–11). In der orthodoxen und den mit ihr im Kalender verbundenen byzantinischen Traditionen zählt das Fest zu den wichtigsten des Kirchenjahres.
Auch die drei Hütten, die Petrus für Mose, Elija und Jesus bauen will, verweisen zurück auf das Alte Testament. Zumindest erkennen viele Exegeten darin einen Bezug zum Laubhüttenfest der Juden. Zu diesem Fest bauten die Juden Hütten aus Zweigen, um an Gottes Gegenwart in der Wolkensäule oder der Stiftshütte (dem Offenbarungszelt) während der Wüstenwanderung nach dem Auszug aus Ägypten zu erinnern. Petrus muss gedacht haben, dass die messianische Zeit angebrochen ist und daher Hütten gebaut werden sollten.
Schönheit als Schlüssel zum Herzen Gottes
Was bedeutet das Fest für die Christen heute eigentlich? Zunächst einmal gibt es keine Ausreden mehr, es handle sich um eine nette Geschichte, die Herrlichkeit bei Gott sei eine Erfindung und Jesus nur ein genialer Prophet. Die Apostel Jesu waren Augenzeugen einer Schönheit, die unbegreiflich ist; Petrus, Jakobus und Johannes werden Zeugen einer Wirklichkeit, die ihre bisherigen Vorstellungen übersteigt: Sie erblicken in Jesus die Herrlichkeit Gottes und ihre Schönheit.
„Schön, dass es weh tut“, sagt man manchmal, wenn man auf Reisen an Orte kommt, die einen durch ihre Schönheit und Erhabenheit durch und durch ergreifen. Für den Theologen Hans Urs von Balthasar ist es gerade diese Schönheit, die in dem Sinne überzeugt, dass sie den Menschen für Gott öffnet. Schönheit zieht an, sie überzeugt, indem sie das Herz berührt.
Paulus bezieht sich auf eben diese Schönheit der Herrlichkeit, wenn er im Römerbrief schreibt: „Ich bin nämlich überzeugt, dass die Leiden der gegenwärtigen Zeit nichts bedeuten im Vergleich zu der Herrlichkeit, die an uns offenbar werden soll“ (Röm 8,18).
Ein Stückchen Paradies auf Erden
Das mag ein nur schwacher Trost sein, wenn man selbst gerade durch ein tiefes Tal laufen muss. Und doch bleibt es wahr: Christen sind gerufen, einmal Teil zu haben am ewigen Hochzeitsmahl. Freude und Schönheit ohne Ende, unendliches inneres Wachstum und Liebe.
Doch diese Herrlichkeit darf der Mensch auf der Erde bereits erfahren: Exegese und Bibelforschung sind schön und gut. Es geht aber nichts über die persönliche Begegnung mit dem Auferstandenen. Die Tür dazu ist das persönliche Gebet. Im Gebet begegnet der Mensch Christus – und in ihm Gottes Herrlichkeit, Schönheit und Liebe; er tankt Kraft und Vertrauen. Jeder Mensch ist eingeladen, wie Petrus, Jakobus und Johannes an einen einsamen Ort (den persönlichen Tabor) zu gehen, um immer wieder kurz zu verkosten, was ihm später einmal ewig geschenkt sein wird.
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