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„Gottes Willen zu tun ist das Wichtigste“

Der polnische Franziskaner-Minorit Piotr Maria Januszewsk bereitet sich auf den Einsatz in der Seelsorge vor: Warum sich er sich für ein Leben in Deutschland entschieden hat.
Pater Piotr
Foto: Kloster Ottbergen/Instagram | Am Ziel: Pater Piotr feiert seine Primiz in Kloster Ottbergen.

Der junge Priester strahlt vor Freude, als er über seine Berufung spricht. Pater Piotr Maria Januszewski OFMConv ist 32 Jahre alt, Franziskaner-Minorit und stammt aus einem kleinen Ort in der Nähe von Warschau. Am 30. Mai wurde er im polnischen Lódz zum Priester geweiht. Er feierte Primizmessen in Polen und Deutschland, auf Polnisch und Deutsch. Sein Primizspruch „damit sie bei ihm seien“ stammt aus dem Markusevangelium (3,14). Priester und Ordensleute, erklärt er, müssten zuallererst bei Jesus sein, anschließend könne er sie irgendwohin schicken.

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Derzeit absolviert er einen Deutschkurs in Würzburg. In einigen Monaten wird er ihn beenden und anschließend in einer Gemeinschaft seines Ordens in Deutschland leben. Die polnischen Franziskaner-Minoriten unterhalten Klöster in den Wallfahrtsorten Ottbergen und Mariabuchen, außerdem in Uelzen und Dingolfing. Zugleich sind sie in deutschen Kirchengemeinden im Pfarreidienst tätig.

Vom Softwareingenieur zum Ordensmann

Pater Piotr ist Teleinformatiker. Vor seinem Ordenseintritt arbeitete er als Softwareingenieur, später in der Cyber-Security-Abteilung der TU Warschau in einem Forschungsprojekt. Die Arbeit machte ihm viel Spaß. Er hatte Geld und eine glänzende Karriere vor sich, als er sich vor acht Jahren entschied, Ordensmann und Priester zu werden. Er war oft zur eucharistischen Anbetung gegangen und hatte festgestellt, dass ihm die wissenschaftliche Arbeit Freude machte, diese Freude aber von kurzer Dauer war. Die Freude nach der eucharistischen Anbetung hielt hingegen lange an. Im Gespräch mit dieser Zeitung sagt er: „Es gibt eine unvergängliche und eine vergängliche Freude.“

Die priesterliche Berufung hatte sich bei ihm früh angekündigt. Schon als Grundschulkind war ihm der Gedanke gekommen: „Ich möchte Priester sein.“ Er hatte sich in Kirche und Gemeinde immer wohlgefühlt, war zusammen mit seinem Bruder jahrelang Messdiener und später gemeinsam mit einem Priester in der Firmvorbereitung tätig. In der Oberstufe des Gymnasiums hörte er die Stimme in seinem Herzen ein zweites Mal. Er dachte an den Eintritt ins Priesterseminar von Warschau, lernte aber seine spätere Verlobte kennen. Der Gedanke, Priester zu werden, verschwand für einige Zeit. Nach der Trennung von seiner Verlobten machte er sich erneut Gedanken über den Sinn des Lebens.

Er stolperte über einen Satz

Seine Ordensberufung sei ihm bewusst geworden, erinnert er sich, als er „Das Goldene Buch der vollkommenen Hingabe an Jesus durch Maria“ des heiligen Ludwig Maria Grignion de Montfort las. Er stolperte über einen Satz, in dem stand, wer Maria besser dienen wolle, solle in ein Kloster eintreten, das Maria nahe sei. „Mit diesem Satz haben Gott und Maria mir meine Ordensberufung geschenkt, in diesem Moment“, sagt er heute. Zunächst wehrte er sich, beschloss aber, der Berufung zu folgen.

Er nahm in Warschau an 33-tägigen Exerzitien zur Vorbereitung der Lebensübergabe an Christus durch Maria teil. „Ich habe mich am 8. Dezember total hingegeben“, sagt der Neupriester rückblickend. Wenig später entschloss er sich, Exerzitien in Niepokalanów zu machen. Das vom heiligen Maximilian Kolbe gegründete Kloster der Franziskaner-Minoriten in Niepokalanów ist das größte dieses Ordens. Pater Maximilian Kolbe gründete 1917 außerdem die „Militia Immaculatae“ (Ritterschaft der Unbefleckten), der Pater Piotr angehört. Die weltweite Evangelisierungsbewegung fördert die Weihe an die Jungfrau Maria zwecks geistlicher Erneuerung einzelner Menschen und der Gesellschaft. Zwei Tage nach diesen Exerzitien entschied er sich für den Eintritt bei den Franziskaner-Minoriten. Er kannte das Kloster bereits von früheren Besuchen, jedoch war ihm zuvor nie aufgefallen, wie intensiv die Marienverehrung dort gelebt wird.

Aufgrund seines engen Kontaktes mit verschiedenen Geistlichen hatte er realistische Vorstellungen vom Ordensleben. Speziell für Ordensleute geschriebene Bücher des heiligen Alphons Maria Liguori und des heiligen Johannes vom Kreuz halfen ihm, sich an das Leben im Kloster zu gewöhnen und mit Schwierigkeiten umzugehen, die auf die eine oder andere Weise alle Ordensleute betreffen.

Postulat in Gnesen

Sein Postulat verbrachte er in Gnesen, das Noviziat in Smardzewice, einem kleinen Ort in Zentralpolen. Anschließend ging er für sechs Jahre ins Seminar nach Lódz. Während des im Orden üblichen einmonatigen zweiten Noviziats, das sich direkt an das erste Noviziat anschließt, lag er krank im Bett und dachte darüber nach, ob er im Orden bleiben sollte. Er wollte bleiben, so seine Gedanken, aber keinesfalls nach Deutschland gehen. Niemand hatte Deutschland erwähnt und er war sich auch nicht sicher, wovor er Angst hatte: vor der Entfernung zur Heimat, der schwer zu erlernenden Sprache?

Da erinnerte er sich, dass er versprochen hatte, Maria alles zu geben – wie Maximilian Kolbe immer geraten hatte. Und so schenkte er Maria seine Angst und die Bereitschaft, nach Deutschland zu gehen. Kurz darauf fragte ihn sein Vorgesetzter, ob er sich vorstellen könne, Weihnachten in Deutschland zu verbringen. Da er mit niemandem über seine Gedanken gesprochen hatte, war er sich sicher, dass das Ansinnen des Vorgesetzten Gottes Wille sei. Er besuchte zunächst das Franziskanerkloster in Ottbergen, später auch Hamburg und zwei andere Klöster seines Ordens. Jedes Mal hatten ihn die Vorgesetzten gefragt und jedes Mal hatte er zugestimmt.

„Das war sehr katholisch“

In Würzburg gefällt es ihm. Er hat in diesem Jahr an der Chrisammesse im Dom teilgenommen und den Katholikentag besucht. Die parallel zum Katholikentag angebotene charismatische Veranstaltung „The Tabernacle“ mit 600 jungen Menschen war für ihn ein besonderes Erlebnis: Lobpreis, eucharistische Anbetung, eine heilige Messe, Beichte und persönliche Zeugnisse von jungen Gläubigen: „Das war sehr katholisch.“

Was bedeutet es ihm, Priester zu sein? „Seit ich mich Jesus hingegeben habe, bin ich wie eine Braut. Eine Braut zu sein heißt: ich gebe dir alles. Jesus ist mein Geliebter, meine Braut, mein Freund.“ Diese Sicht sei im Hohelied (5, 16) beschrieben, unter Männern aber unpopulär, sagt er. Dennoch sei es seine Aufgabe, Jesus nachzufolgen, sich, wie im ersten Korintherbrief (7, 32) erklärt, nur um seine Dinge zu sorgen, zu tun, was er tut, die Menschen zu sehen, wie er sie sieht, für sie zu beten, ihre Last zu tragen, kurz: ein Leben gemäß der Eucharistie zu führen, Opfer zu bringen, vor allem aber: treu zu sein, im Orden zu bleiben, zusammen mit seinen Brüdern gemäß ihrer Berufung zu leben, die eigenen Schwächen zu bekennen und heilig zu werden.

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Das erfordere viel Demut. Seine Erfahrung: „Gott ist so schön, er gibt so viel, immer und überall. Das muss ich aufnehmen, leben, vertiefen und auf den Herrn vertrauen. Gottes Willen zu tun ist das Wichtigste. Dann habe ich alles, was ich brauche, egal wo ich bin. Das ist ein geistliches Mysterium.“ Und wieder strahlt der junge Priester über das ganze Gesicht.


Die Autorin ist Sozialwissenschaftlerin, Sozialpädagogin und freie Autorin.

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Susanne Hartfiel Jesus Christus Kirchengemeinden Ordensgeistliche Priesterseminare Seelsorge

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