Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Vorwurf des Missbrauchs

Schwere Vorwürfe gegen verstorbenen Bischof von Lourdes

Ein ehemaliger Schüler der Ordensschule Notre-Dame de Bétharram behauptet, von Bischof Pierre-Marie Théas sexuell missbraucht worden zu sein. Zu Ermittlungen oder einem Gerichtsverfahren wird es wohl nicht kommen.
Missbrauchsvorwürfe gegen Bischof Pierre-Marie Théas
Foto: KNA-Bild (KNA) | Der französische Bischof Pierre-Marie Théas begrüßt ein Kind nach dem Gottesdienst anlässlich des 25. Jahrestages des Bestehens der internationalen katholischen Organisation und Friedensbewegung Pax Christi am 28.

Gegen den 1977 verstorbenen französischen Bischof Pierre-Marie Théas sind Missbrauchsvorwürfe erhoben worden. Am Samstag teilte die Diözese Tarbes-Lourdes in einer von Bischof Jean-Marc Micas unterzeichneten Stellungnahme mit, dass ein ehemaliger Schüler der inzwischen geschlossenen Ordensschule Notre-Dame de Bétharram sich an die Nationale Instanz für Anerkennung und Wiedergutmachung gewandt und behauptet habe, von Bischof Théas sexuell missbraucht worden zu sein.

Lesen Sie auch:

Der Bischof hatte nach seiner Emeritierung 1970 ein Appartement in der Schule bezogen und bis zu seinem Tod bewohnt. Die seinerzeit von Priestern der Kongregation vom Heiligsten Herzen Jesu geleitete Schule stand in Frankreich wegen Missbrauch und Gewalt im Mittelpunkt eines Skandals. Medienberichten zufolge ist während des Papstbesuchs Ende September ein Treffen Leos XIV. mit einer Gruppe Missbrauchsbetroffener, darunter auch ein ehemaliger Schüler aus Bétharram, geplant.

Archivrecherche ergibt keine Anhaltspunkte

Bischof Théas leitete die Diözese Tarbes-Lourdes von 1947 bis 1970. 1969 wurde er von Yad Vashem als „Gerechter unter den Völkern“ anerkannt, weil er 1942 öffentlich gegen die antisemitischen Maßnahmen der Vichy-Regierung protestiert hatte. Die Missbrauchsvorwürfe gegen Bischof Théas wurden dem Bistum im Juli dieses Jahres mitgeteilt. Bischof Micas zufolge wurde er im Rahmen der üblichen Verfahren gebeten, „etwaige uns vorliegende Informationen mitzuteilen, um die Plausibilität dieser Meldung zu untermauern“.

Eine gründliche Recherche in den Archiven ergab jedoch keine Anhaltspunkte, um dieser Anfrage positiv nachzukommen. In einem Brief an die Gläubigen der Diözese versichert Bischof Micas allen Betroffenen seines Gebets. Im Fall des verstorbenen Oberhirten könne es weder Ermittlungen noch Gerichtsverfahren geben, die „die Wahrheit unter Einhaltung der Bestimmungen ans Licht bringen“. Er denke auch an die Familienangehörigen und alle, die Bischof Théas gekannt haben.

Auch in der jüdischen Gemeinde sei das Andenken an Bischof Théas noch sehr lebendig. Während des Zweiten Weltkriegs hatte sich Théas als Oberhirte des Bistums Montauban für die jüdische Bevölkerung eingesetzt und war 1944 von der Gestapo verhaftet und interniert worden. Bis heute gilt er als Held der Résistance.  DT/reg

Jetzt die „Tagespost" abonnieren und nichts mehr verpassen.

Themen & Autoren
Meldung Antisemitismus Bischöfe Jesus Christus Lourdes Missbrauchsvorwürfe

Weitere Artikel

Leo XIV. ruft in Lourdes eindringlich zur Umkehr auf. Und verteidigt die Stimme der Kirche im öffentlichen Diskurs des laizistischen Frankreichs.
27.09.2026, 13 Uhr
Regina Einig
Bischof Matthieu Rougé von Nanterre im Gespräch über den Besuch von Leo XIV. in Frankreich, der wider Erwarten zu einem Großereignis geworden ist.
24.09.2026, 07 Uhr
Guido Horst
Es soll eine „Botschaft des Friedens“ werden: Papst Leos Besuch in Metz, dem „Herz Europas“, steht im Zeichen Robert Schumans. Dazu äußerte sich auch Kardinal Hollerich.
08.09.2026, 17 Uhr
Elisabeth Hüffer

Kirche

Zehn Jahre „Amoris laetitia“: Der DBK-Vorsitzende lobt die „hohe Kunst des Zuhörens“ beim Treffen in Rom und nimmt die Erkenntnis mit, dass sich die Kirche weiterentwickelt.
16.10.2026, 11 Uhr
Meldung
Kurienkardinal Luis Antonio Tagle ist neuer Dekan des Kardinalkollegiums. Einst galt er als charismatischer Hoffnungsträger. Doch konnte er die Erwartungen in Rom erfüllen?
15.10.2026, 11 Uhr
Guido Horst
Die Piusbruderschaft hat in Rom Beschwerde gegen die Exkommunikation eingelegt. Der Kölner Offizial Peter Fabritz erläutert die rechtlichen Folgen.
16.10.2026, 11 Uhr
Regina Einig
Nach ihm ist St. Gallen benannt: Der heilige Gallus errichtete dort eine Einsiedelei. Auch in Füssen, Kempten und am Bodensee ist er noch heute ein Begriff.
16.10.2026, 05 Uhr
Claudia Kock