Gegen den 1977 verstorbenen französischen Bischof Pierre-Marie Théas sind Missbrauchsvorwürfe erhoben worden. Am Samstag teilte die Diözese Tarbes-Lourdes in einer von Bischof Jean-Marc Micas unterzeichneten Stellungnahme mit, dass ein ehemaliger Schüler der inzwischen geschlossenen Ordensschule Notre-Dame de Bétharram sich an die Nationale Instanz für Anerkennung und Wiedergutmachung gewandt und behauptet habe, von Bischof Théas sexuell missbraucht worden zu sein.
Der Bischof hatte nach seiner Emeritierung 1970 ein Appartement in der Schule bezogen und bis zu seinem Tod bewohnt. Die seinerzeit von Priestern der Kongregation vom Heiligsten Herzen Jesu geleitete Schule stand in Frankreich wegen Missbrauch und Gewalt im Mittelpunkt eines Skandals. Medienberichten zufolge ist während des Papstbesuchs Ende September ein Treffen Leos XIV. mit einer Gruppe Missbrauchsbetroffener, darunter auch ein ehemaliger Schüler aus Bétharram, geplant.
Archivrecherche ergibt keine Anhaltspunkte
Bischof Théas leitete die Diözese Tarbes-Lourdes von 1947 bis 1970. 1969 wurde er von Yad Vashem als „Gerechter unter den Völkern“ anerkannt, weil er 1942 öffentlich gegen die antisemitischen Maßnahmen der Vichy-Regierung protestiert hatte. Die Missbrauchsvorwürfe gegen Bischof Théas wurden dem Bistum im Juli dieses Jahres mitgeteilt. Bischof Micas zufolge wurde er im Rahmen der üblichen Verfahren gebeten, „etwaige uns vorliegende Informationen mitzuteilen, um die Plausibilität dieser Meldung zu untermauern“.
Eine gründliche Recherche in den Archiven ergab jedoch keine Anhaltspunkte, um dieser Anfrage positiv nachzukommen. In einem Brief an die Gläubigen der Diözese versichert Bischof Micas allen Betroffenen seines Gebets. Im Fall des verstorbenen Oberhirten könne es weder Ermittlungen noch Gerichtsverfahren geben, die „die Wahrheit unter Einhaltung der Bestimmungen ans Licht bringen“. Er denke auch an die Familienangehörigen und alle, die Bischof Théas gekannt haben.
Auch in der jüdischen Gemeinde sei das Andenken an Bischof Théas noch sehr lebendig. Während des Zweiten Weltkriegs hatte sich Théas als Oberhirte des Bistums Montauban für die jüdische Bevölkerung eingesetzt und war 1944 von der Gestapo verhaftet und interniert worden. Bis heute gilt er als Held der Résistance. DT/reg
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