Während einer heiligen Messe in der Erzengel-Gabriel-Kirche in Hopkins in der US-amerikanischen Erzdiözese St. Paul und Minneapolis ist Pfarrer Brent Bowman während des eucharistischen Hochgebets in Tränen ausgebrochen. Sichtlich ergriffen brachte er die Worte des Hochgebets kaum heraus. Bei den Worten „Tut dies zu meinem Gedächtnis“ versuchte er, den Kelch zu erheben, doch es gelang ihm nicht. Er stellte den Kelch auf den Altar, beugte sich darüber und weinte etwa eine Minute lang, bevor er die Wandlung unter Tränen fortsetzen konnte.
Die Messe wurde live übertragen. Die beschriebene Szene wurde im Internet zunächst als Hinweis auf ein eucharistisches Wunder verbreitet und ging viral. Ein Instagram-Post dazu erreichte innerhalb kürzester Zeit 134.000 Aufrufe. Bowman, dem die „unerwünschte Aufmerksamkeit“ einem Bericht von „The Catholic Spirit“ zufolge unangenehm war, stellte jedoch in einem auf der Website der Erzdiözese veröffentlichten Statement klar, dass es sich ausdrücklich nicht um ein eucharistisches Wunder gehandelt habe, sondern um eine „persönliche geistliche Erfahrung“, die er „in aller Demut zur Ehre und zum Lob Gottes mitteilen und erläutern möchte“. Zu keinem Zeitpunkt habe er mit seinen Augen „tatsächlich Blut oder menschliches Fleisch gesehen“, so der Priester. Brot und Wein hätten ihre äußeren Eigenschaften behalten.
Innere Erkenntnis über die Wandlung
Ihm sei vielmehr während des Weihegebets über den Wein am Altar „eine innere Erkenntnis über die Kraft dieser Worte und die Wirklichkeit ihrer Wirkung geschenkt – so sehr, dass es mir schwerfiel zu sprechen“. Mit jedem Wort sei er körperlich und emotional zunehmend überwältigt worden.
Er habe die Macht Gottes, „die auf den Altar herabkam“, körperlich erfahren und „die Schwere der substanziellen Gegenwart Jesu im Kelch“ gespürt. Der Kelch sei zu schwer geworden, um ihn halten zu können. Bowman sei nach unten gezogen worden, „um auf dem Altar zu ruhen. Ich hatte das Gefühl, dass meine Hände am Kelch mit dem Kostbaren Blut fixiert waren, und ich konnte ihn körperlich nicht bewegen“.
Als er dann versucht habe, „das Kostbare Blut zu erheben“, habe er nach eigener Aussage die Gnade erhalten, „die Bitterkeit und Süße des Leidens unseres Herrn tiefer zu verstehen und zu erkennen, wie viel Blut Christus für die unermessliche Last all unserer Sünden vergossen hat. Ich glaube, dass ich diese Last im Kelch erfahren habe“.
Hinweis auf die Realpräsenz Christi
Schließlich wies Bowman darauf hin, dass solche „persönlichen geistlichen Begegnungen mit Gott völlig unverdiente Gaben und Zeichen der überreichen Liebe Gottes zu allen Menschen“ und nicht notwendigerweise Zeichen persönlicher Heiligkeit seien.
Nach der Klarstellung reagierten Internetnutzer keineswegs enttäuscht. Viele sprachen weiterhin von einer außergewöhnlichen persönlichen Gnade und sahen darin einen Hinweis auf die Realpräsenz Christi in der Eucharistie. Andere zeigten sich zurückhaltender. Der Blogger James Chastek beispielsweise, der bei der Messe anwesend war, veröffentlichte auf seinem Blog „Just Thomism“ einen Beitrag mit dem Titel „Non constat de supernaturalitate“ – „Es steht nicht fest, dass etwas Übernatürliches vorliegt“. Chastek betont darin, dass sich anhand der vorliegenden Fakten nicht feststellen lasse, ob ein übernatürliches Ereignis vorgelegen habe. Zugleich schreibt er, die Erfahrung habe ihn „berührt und gesegnet“.
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