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Eine Reise mit Tiefendimension

Der Besuch von Papst Franziskus im Irak lässt aufscheinen, dass das Christentum keine religiöse Idee ist, sondern die Frucht des Eingreifens Gottes in die Geschichte der Menschen.
Papst Franziskus reist in den Irak
Foto: VATICAN MEDIA /CPP / IPA via www.imago-images.de (www.imago-images.de) | Der Papst besteigt das Flugzeug zur Abreise in den Irak. Die Reise ist eine Reise mit Tiefendiemension an die Orte der ersten Selbstoffenbarung Gottes an Abraham.

Auch wenn die besonderen Umstände – die heikle Sicherheitslage und die Beschränkungen wegen der Corona-Epidemie – die erste Auslandsreise von Papst Franziskus nach fünfzehn Monaten zu einem besonderen Ereignis machen, so hat der Irak-Besuch noch eine weitaus bewegendere Dimension. Zum ersten Mal geht ein Papst dorthin, wo vor viertausend Jahren alles begonnen hat: die Geschichte Gottes mit dem Menschen. Wo sich der Schöpfers des Alls ein Volk zu sammeln begann und Abraham zum Stammvater Israels machte. Schon Johannes Paul II. wollte die Heimat des Erzvaters, Ur in Chaldäa, besuchen – die politische Lage unter Saddam Hussein machte es unmöglich. Und so begründete Franziskus bei der Generalaudienz am Mittwoch sein Festhalten an den Reiseplänen trotz extremen Lage im Irak damit, dass man ein Volk, die Iraker, nicht ein zweites Mal enttäuschen kann.

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Wo Abraham seinen Weg begann

Man kann die riskante Reise wegen der Not der Menschen in dem Land begrüßen – wie die Grünen im Bundestag – oder auch kritisieren – wie auf katholisch.de. Aber Franziskus besucht nicht nur ein Konfliktgebiet. „Bei euch“, sagte er gestern in seiner Videobotschaft an die Iraker – „hat vor Jahrtausenden Abraham seinen Weg begonnen. Heute ist es an uns, diesen Weg fortzusetzen, mit demselben Geist die Wege des Friedens weiterzugehen. Darum rufe ich auf euch alle den Frieden und Segen des Allerhöchsten herab.“ Abraham sei das Vorbild dafür, auch dann, wenn man alles verlassen müsse, die Hoffnung nie aufzugeben.

Geschichte ist Heilsgeschichte

Auf ergreifende Weise macht die Irak-Reise des Papstes deutlich, dass das Christentum eben keine Idee ist, die geniale Konstruktion eines religiösen Genies oder eine mit sakraler Macht formulierte Moral. Geschichte ist für den Christen Heilsgeschichte. Die Selbstoffenbarung Gottes, die mit dem Erscheinen des Gottessohns in Fleisch und Blut ihren Höhepunkt fand, begann dort, wo jetzt der Papst widrigen Umständen trotzt. Nicht ein Volk oder die religiösen Führer eines Volks haben sich einen Gott gesucht und ihn mit viel Phantasie geschaffen. Sondern Gott hat sich ein Volk gesucht, das fortan das auserwählte war und über die Kirche, die Hinterlassenschaft Christi auf Erden, alle anderen Völker der Erde erreichte. In diese Geschichte Gottes mit den Menschen ist der Christ hineingestellt. Wenn Franziskus morgen in der Ebene von Ur ist, kann man das mit den Händen greifen.

 


 

Die Tagespost berichtet umfassend vom Besuch des Papstes im Irak

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