Bei der Besichtigung der Sultan-Ahmet-Moschee am Samstagvormittag war der Papst ganz in Weiß gekleidet und trug ein silbernes Brustkreuz, doch beim Besuch in der orthodoxen St. Georgs-Kathedrale im Phanar, dem Amtssitz des Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel, trug Leo XIV. die rote Mozetta, eine Stola mit Abbildungen der Apostelbrüder Petrus und Andreas sowie ein goldenes Brustkreuz. Bevor sie gemeinsam in die Patriarchalkirche St. Georg einzogen, entzündeten der Ökumenische Patriarch Bartholomaios und der Papst in der Vorhalle Kerzen. In den Fürbitten wurde mehrfach für den „römischen Papst“ und für Patriarch Bartholomaios gebetet.
„Angespornt vom Wunsch nach Einheit“
Die Anwesenheit des Bischofs von Rom im Phanar am Vorabend des Festes des Apostels Andreas, auf den sich der Bischofs- und Patriarchalsitz von Konstantinopel zurückführt, ist von hoher symbolischer Bedeutung. Darauf nahm Leo XIV. Bezug, als er in seiner Ansprache während der feierlichen, auf Griechisch gesungenen Doxologie sagte, dass man sich „angespornt vom Wunsch nach Einheit“ zum Fest des Apostels Andreas, „des Patrons des Ökumenischen Patriarchats“, versammelt habe. Der Papst betonte, dass die „aufrichtige und brüderliche Freundschaft“ zwischen seinen Vorgängern und dem Ökumenischen Patriarchen „auf dem miteinander geteilten Glauben und einer gemeinsamen Sichtweise in Bezug auf viele der wichtigen Herausforderungen, denen sich die Kirche und die Welt gegenübersehen, beruht“.
Bartholomaios, der Ehrenoberhaupt der weltweiten Orthodoxie und der Erste unter den orthodoxen Patriarchen ist, hieß den Papst in der Liturgie „mit großer Freude und Jubel willkommen“. Er erinnerte daran, dass die Päpste Paul VI., Johannes Paul II., Benedikt XVI. und Franziskus „jeder auf seine Weise“ und mit seinem Charisma der Ökumene gedient haben. „Im Geist der Freundschaft und der Liebe haben wir mit Ihrem Vorgänger, Papst Franziskus, ein feierliches Versprechen abgegeben“, sagte Bartholomaios an den Papst gewandt: nämlich angesichts des 1700-Jahr-Jubiläums des Ersten Ökumenischen Konzils eine Pilgerreise nach Nicäa zu unternehmen. „Dieses Versprechen wurde von Ihnen erfüllt“, sagte der Patriarch angesichts des gemeinsamen Besuchs in Nicäa am Vortag. „Wir glauben, dass diese erste Reise ein Segen für Ihr Pontifikat sein wird.“ Papst Leo XIV. und Patriarch Bartholomaios beteten gemeinsam das Vaterunser auf Latein, bevor sie die Anwesenden auf Latein und Griechisch segneten.
Keine Gewalt im Namen Gottes
Im Festsaal des Patriarchats tauschten Leo XIV. und Bartholomaios Geschenke aus und unterzeichneten eine Gemeinsame Erklärung. Darin bekräftigen sie unter Berufung auf das Konzil von Nicäa vor 1700 Jahren ihren Willen, den ökumenischen Dialog auf dem Weg zur Einheit der Christen fortzusetzen und nach einem einheitlichen Osterfesttermin zu streben. Neben den brüderlichen Kontakten und der Zusammenarbeit müsse auch die theologische Arbeit an der Ökumene weitergehen. Wörtlich heißt es in der Erklärung: „Das Ziel der Einheit der Christen beinhaltet auch das Streben, einen lebensspendenden Beitrag zum Frieden unter allen Völkern zu leisten.“
Tragischerweise würden Konflikte und Gewalt in vielen Regionen der Welt das Leben vieler Menschen zerstören. Die Tragödien des Krieges müssten unverzüglich ein Ende finden. Wörtlich heißt es in der Erklärung weiter: „Insbesondere lehnen wir jede Benutzung der Religion und des Namens Gottes zur Rechtfertigung von Gewalt ab. Wir glauben, dass ein authentischer interreligiöser Dialog, der weit davon entfernt ist, Ursache für Synkretismus und Verwirrung zu sein, für das Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Traditionen und Kulturen unerlässlich ist.“ DT/sba
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