Der Vatikan hat den Präventivkrieg im Nahen Osten verurteilt und vor den Risiken gewarnt. In einem Interview mit den Vatikanmedien forderte Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin die kriegführenden Parteien auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Die Völker des Nahen Ostens, einschließlich der „ohnehin schon fragilen christlichen Gemeinschaften“, seien wieder „in den Schrecken des Krieges zurückgestürzt worden, der brutal Menschenleben zerbricht, Zerstörung hervorbringt und ganze Nationen in Spiralen der Gewalt mit ungewissem Ausgang hineinzieht“.
Der Heilige Stuhl rufe dazu auf, so Parolin, „alle von der Diplomatie angebotenen Instrumente zu nutzen, um Streitigkeiten zwischen Staaten zu lösen“. Der Sinn von Verhandlungen dürfe nicht ausgehöhlt werden. „Es ist entscheidend, ihnen die notwendige Zeit zu geben, damit sie zu konkreten Ergebnissen führen können – mit Geduld und Entschlossenheit“, so der Kardinalstaatssekretär.
Nur geduldige Verhandlungen fördern Entwicklung und Frieden
Die Geschichte habe gelehrt, „dass nur die Politik – mit dem mühevollen Weg von Verhandlungen und mit Aufmerksamkeit für das Gleichgewicht der Interessen – das Vertrauen zwischen den Völkern stärken kann, die Entwicklung fördern und den Frieden bewahren kann“, sagte Parolin. Der Kardinalstaatssekretär kritisierte, dass Gewalt zunehmend an die Stelle von Recht trete, und verwies auf die Charta der Vereinten Nationen, nach der „Gewalt nur als letzte und äußerst schwerwiegende Instanz betrachtet werden“ dürfe. Vorher müssten „alle Instrumente des politischen und diplomatischen Dialogs ausgeschöpft worden“ und die „Grenzen von Notwendigkeit und Verhältnismäßigkeit sorgfältig geprüft worden“ sein, und zwar von allen Seiten.
Weiter stellte er fest, dass die multilaterale Diplomatie in den Beziehungen zwischen Staaten eine tiefe Krise durchlebe. Grund seien unter anderem egoistische Interessen und das Misstrauen vieler Staaten gegenüber rechtlichen Bindungen, die sie als Einschränkung ihres Handelns betrachteten. So habe sich ein gefährlicher Multipolarismus etabliert. Zugleich sei das Bewusstsein verloren gegangen, dass das Wohl anderer auch einem selbst zugute komme und umgekehrt „die Verletzung des Rechts an einem Punkt der Erde … an allen Punkten empfunden“ werde, zitierte er Immanuel Kant.
Würde und Heiligkeit des Lebens wahren
Nachdrücklich erinnerte Parolin außerdem an die Bedeutung des internationalen humanitären Rechts. Der Heilige Stuhl verurteile die Einbeziehung von Zivilpersonen und zivilen Einrichtungen in militärische Operationen und fordere, dass die Würde und die Heiligkeit des Lebens unter allen Umständen gewahrt bleiben. Der Ruf der Stimmen, „die Frieden und Gerechtigkeit fordern“, solle „die Regierenden und alle, die im Bereich der internationalen Beziehungen tätig sind, aufrütteln und sie dazu bewegen, ihre Anstrengungen für den Frieden zu vervielfachen“. DT/dsc
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