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Die „bischöfliche Botschaft“ in Brandenburg

Das Katholische Büro Berlin-Brandenburg ist in Potsdam präsent und befasst sich intensiv mit dem Thema Bildung.
Gregor Engelbreth, Vorstand der katholischen Kirche bei der Landesregierung in Berlin und in Brandenburg.
Foto: Gierens

Gregor Engelbreth ist Vorstand der katholischen Kirche bei der Landesregierung in Berlin und in Brandenburg. Er berichtet über den Austausch mit den Landes- und Parteipolitikern. Dabei werden unter anderem Themen wie Bildung und Religionsunterricht in den Blick genommen.

Es ist ein kleines, äußerst bescheidenes Büro, das Gregor Engelbreth in Potsdam zur Verfügung steht. Ein kleiner Besprechungstisch, den er auch zum Arbeiten nutzt, eine knappe IT-Ausstattung – das war es auch schon. Auf dem Gelände der Caritas und des katholischen St.-Josefs-Krankenhauses der Alexianer direkt am Brandenburger Tor – der kleineren, aber dafür älteren Ausführung – residiert seit gut einem Jahr das Katholische Büro Berlin-Brandenburg mit einer Außenstelle in Potsdam. Die bescheidene Unterkunft macht auch die Stellung der katholischen Kirche in Brandenburg deutlich: Nur rund drei Prozent der Brandenburger gehören ihr an – das Land gehört zur tiefen Diaspora.

Viele Bistümer, ein Büro

Dabei ist das Katholische Büro Berlin-Brandenburg in einer weiteren Hinsicht eine Kuriosität, sagt Gregor Engelbreth. Er ist Beauftragter der katholischen Kirche bei gleich zwei Landesregierungen, zum einen in Berlin, zum anderen in Brandenburg. Normalerweise unterhält die Kirche in jedem Bundesland eine eigene Vertretung, selbst in Stadtstaaten wie Bremen oder Hamburg. Doch rund um die Hauptstadt ging man bei der Gründung in den 1990er Jahren davon aus, dass beide Bundesländer mit der Zeit fusionieren würden. Bekanntlich kam es anders – und so ist das hiesige Katholische Büro gleich für zwei Bundesländer zuständig. Wenn Engelbreth bei der Brandenburger Landespolitik vorstellig wird, vertritt er zudem gleich drei Bischöfe. Während Zentral- und Nordbrandenburg zum Erzbistum Berlin gehören, ist der südliche Teil mit der Lausitz und der Stadt Cottbus Teil des Bistums Görlitz. Im Westen und Südwesten Brandenburgs gehören ein paar Landstriche westlich der Stadt Brandenburg an der Havel sowie rund um Lauchhammer und Bad Liebenwerda zum Bistum Magdeburg.

Dennoch: Trotz dieses etwas komplizierten Gebildes gilt Engelbreth seit rund einem Jahr als Repräsentant der katholischen Kirche in der brandenburgischen Hauptstadt. Für Gespräche mit Landespolitikern steht ihm in dem Caritas-Gebäude ein großer, repräsentativer Konferenzraum zur Verfügung. „Das hat den Vorteil, dass man die Abgeordneten nicht in der Pizzeria treffen oder nach Berlin einladen muss“, erzählt er im Gespräch mit der „Tagespost“. Und die katholische Kirche sei als Gesprächspartner der Landesregierung sowie der Abgeordneten durchaus gefragt. „Es hat große Freude gegeben, als das Büro eröffnet wurde“, versichert er im Gespräch. Und die Niederlassung in Potsdam sei ein Zeichen dafür, dass das Erzbistum Berlin auch Brandenburg stärker in den Blick nehme.

Bildung ist ein Thema 

Dabei gibt es genug Themen, über die sich Kirche und Politik miteinander verständigen. Das betreffe vor allem den Bereich Bildung, berichtet Gregor Engelbreth. Denn auch in der Mark unterhält die Kirche mehrere Schulen – und hat zuletzt mit der Landesregierung über deren Finanzierung verhandelt. Denn das Land hatte vor einiger Zeit eine zusätzliche „Erfahrungsstufe“ eingeführt, um seine Lehrer besser zu bezahlen. Die freien Träger, zu denen auch die Kirchen gehören, hatten diesen Gehaltssprung ebenfalls vollzogen – allerdings bislang dafür keine Refinanzierung vom Land erhalten. Vor rund einem Jahr konnte hier allerdings ein Kompromiss erzielt werden. Die freien Schulen erhalten seitdem einen höheren Personalkostenzuschuss, um in Zeiten von Lehrermangel als Arbeitgeber attraktiv zu bleiben.

Auch der Religionsunterricht ist in Brandenburg in der Vergangenheit ein heikles Thema gewesen. „Reli“ ist hier kein ordentliches Lehrfach, stattdessen gibt es seit Mitte der 1990er Jahre das Fach LER („Lebensgestaltung, Ethik, Religionskunde“), das weltanschaulich und religiös neutral unterrichtet wird. Konfessioneller Religionsunterricht kann in der Sekundarstufe I, also bis zur zehnten Klasse, als Zusatzangebot zu LER gewählt werden. Zudem besteht die Möglichkeit, sich auf Antrag von LER befreien zu lassen und nur den Religionsunterricht zu besuchen. Was damals gerade vonseiten der Kirchen große Kontroversen ausgelöst hat, sieht Gregor Engelbreth heute gelassen. „Das hat sich gut etabliert“, meint er im Gespräch. Die Kooperation zwischen LER und dem Religionsunterricht funktioniere gut. „Aus Sicht der Kirchen muss daran nichts geändert werden.“ Eventuell könnte „Reli“ als Zusatzangebot auch auf die Sekundarstufe II ausgeweitet werden, wo es derzeit weder LER noch Religionsunterricht gibt. Darüber sei er mit der Politik im Gespräch. Schließlich sei eine ethische Grundbildung auch Teil der Demokratieförderung, die sich das Land auf die Fahnen geschrieben habe.

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Änderungen der Kirche sind gefragt 

Eine andere Kontroverse zwischen Staat und Kirche berührt das Katholische Büro derzeit hingegen fast gar nicht: die Debatte über eine Ablösung der so genannten Staatsleistungen an die Kirchen, wie sie das Grundgesetz vorsieht – die aber bisher nicht erfüllt ist. Im Wesentlichen handelt es sich dabei um Entschädigungszahlungen für säkularisierten ehemaligen Kirchenbesitz. Das Thema, meint Engelbreth, müsse aber zunächst auf Bundesebene verhandelt werden, bevor es auch die Landespolitik betreffe.

Dass die christlichen Kirchen im Land aufgrund ihrer seit Jahren schrumpfenden Mitgliederzahl für die Politik an Bedeutung verlieren, könne er in Brandenburg so nicht feststellen, sagt der Leiter des Katholischen Büros. „Ich nehme einen hohen Respekt vor der Arbeit der Kirchen wahr, vor allem im Bildungs- und Sozialbereich.“ Da gebe es in der Politik eine große Dankbarkeit für das, was die Kirchen hier leisteten. Dennoch erreichten ihn auch kritische Anfragen aus der Politik, zum Beispiel was die Rolle der Frauen in der Kirche oder den Umgang mit Homosexuellen angehe. „Solche Anfragen werden in Berlin allerdings noch drängender formuliert“, meint Engelbreth. „Dass sich die katholische Position zu diesen Themen dringend verändern muss, wird respektvoll aber unmissverständlich angemerkt“, schildert er seine Erfahrungen.

Offenheit zur Kooperation 

Unterschiede zwischen den einzelnen Parteien kann er dabei kaum feststellen. In Brandenburg regiert seit 2019 eine „Kenia-Koalition“ aus SPD, CDU und den Grünen. In allen drei Parteien gebe es Offenheit für Gespräche und Kooperation mit den Kirchen. „Das hängt eher von persönlichen Befindlichkeiten ab“, meint Engelbreth. Viele Brandenburger Politiker, zum Beispiel die ehemaligen Ministerpräsidenten Manfred Stolpe und Matthias Platzeck, hätten enge Beziehungen zur evangelischen Kirche unterhalten. Die ist in Brandenburg nicht nur zahlenmäßig stärker (obwohl sie ebenfalls längst zur Minderheit geworden ist), sie habe aufgrund der zahlreichen denkmalgeschützten Kirchengebäude im Land auch viel mehr Themen mit der Landesregierung zu besprechen – zum Beispiel die Frage, ob Photovoltaikanlagen zur Stromgewinnung auf historischen Kirchendächern möglich sein sollen.

Insgesamt, so resümiert Gregor Engelbreth, sei er als Vertreter der katholischen Kirche von der Landesregierung gut aufgenommen worden. „Die dortigen Personen haben häufiger einen Kirchenhintergrund als der Landesdurchschnitt“, stellt er fest. Daher gebe es dort „eine mitfühlende Sorge, dass große gesellschaftliche Player wie die Kirchen weniger beitragen können zum Zusammenhalt der Gesellschaft.“ Das gelte zum Beispiel auch für die Klimadebatte, wo die Kirchen nicht nur durch Solaranlagen auf Kirchendächern, sondern auch zum sozialen Zusammenhalt einen Beitrag leisten könnten – insbesondere dort, wo Menschen die hohen Energiepreise nicht mehr zahlen könnten.

Insgesamt seien die Kontakte zur Politik einfacher als in Berlin. Gesellschaftliche Kontroversen wie die Debatten über Gender und Identitätspolitik seien in der Bundeshauptstadt deutlich schärfer positioniert. Im überwiegend ländlichen Brandenburg werden manche Diskussionen offenbar doch gelassener geführt als in der quirligen Hauptstadt.

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