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Newsblog: Römische Instruktion - Bischof Oster warnt vor falschen Vorstellungen von Macht

Der Bischof von Passau nimmt zur Instruktion der Kleruskongregation Stellung. Als Bischof habe er Macht müsse deren Anwendung aber vor Christus rechtfertigen.

Bischof Stefan Oster
Der Passauer Bischof Stefan Oster hat sich in einem Video zur Instruktion der Kleruskongregation geäußert. Foto: Armin Weigel (dpa)

Die Kleruskongregation hat in einer Instruktion bestimmt, dass nur Pfarrer eine Pfarrei leiten dürfen. Die Tagespost dokumentiert den Wortlaut der Instruktion hier

Falsche Vorstellungen von Macht

Der Passauer Bischof Stefan Oster warnt angesichts der Instruktion des Vatikans zu Pfarrgemeindereformen von einem falschen Verständnis von Macht. Wirkliche geistige Autorität sei nicht automatisch verbunden mit weltlicher Macht und Teilhabe an weltlicher Macht, so Oster in einem auf seiner Website veröffentlichten Video. „Geistliche Autorität, wenn sie denn wahrgenommen wird, lebt daraus, dass sie den anderen Menschen wachsen lassen will, groß werden lassen will in der Verantwortung, im Dienst, in Glaube, Liebe, Hoffnung.“

Beziehung zu Christus leben

Er sei persönlich davon überzeugt, so Oster, dass er als Bischof nicht daran gemessen werde, wieviel Macht er ausgeübt habe. Er selbst habe „reale Macht“, sei aber völlig überzeugt, der Herr werde ihn einmal an der Frage messen, wie er die Autorität dafür eingesetzt habe, dass Menschen tiefer in den Glauben und in die Liebe, tiefer in die Freundschaft mit Gott finden. Geistliche Autorität lebe vom Dienst am anderen. „Merken die Menschen an uns Christen, besonders auch an uns Verantwortungsträgern, dass wir ihn kennen, dass wir ihn lieben, dass wir aus der Beziehung zu ihm leben? Und deswegen in einer Weise zu anderen sprechen oder anderen dienen, dass sie hoffentlich von dem berührt werden, der uns beruft und sendet.“

 

Bischof Stefan Oster im Video zur Instruktion 

 

Frauen mit geistlicher Autorität

Dieses Verständnis von geistlicher Autorität sei auch entscheidend, wenn die Frauenfrage in der katholischen Kirche diskutiert werde. Die einflussreichste Kirchengestalt des 20. Jahrhunderts beispielsweise sei für ihn Mutter Teresa gewesen. Diese habe mit ihrer geistlichen Autorität die Kirche geprägt. Ähnliches gelte in vorigen Jahrhunderten aber auch für Therese von Lisieux oder Bernadette von Lourdes.

Kleruskongregation macht Gesprächsangebot zur Instruktion

Eine Entlastung der Pfarrer fordert auch Kardinal Stella. Der Präfekt der Kleruskongregation bestätigt ein Gesprächsangebot an deutsche Bischöfe

Der Präfekt der Kleruskongregation, Beniamino Kardinal Stella, bestätigte, dass „die Kongregation für den Klerus sehr gerne zu gegebener Zeit“ die deutschen Bischöfe treffen werde, sollten sie das wünschen, „um ihre Zweifel und Ratlosigkeit auszuräumen.“ Das meldete das Portal Vatikan News. Zahlreiche deutschen Bischöfe hatten sich kritisch zur Instruktion geäußert. 

Entlastung von Bürokratie

In einem Interview mit der italienischen Tageszeitung „La Stampa“ hatte sich Kardinal Stella ausführlich zur Intention der Instruktion geäußert. Der Kardinal hatte den missionarischen Charakter der ganzen Gemeinde betont und die Verantwortung dafür nicht nur den Priestern zugeschrieben. Die Instruktion hatte zwar der Leitung von Pfarreien durch Laien eine Absage erteilt. Kardinal Stella betonte allerdings, eine Entlastung der Pfarrer von bürokratischen Aufgaben zu Gunsten der Hirtensorge sei notwendig. 

 

 

 

Bischof Hanke zur Instruktion der Kleruskongregation: Vom Verbindenden ausgehen, nicht Rollenkampf

Die Instruktion schützt Pfarreien laut Kardinal Kasper vor Willkür der Bischöfe. Kritik an „Identitätsdiffusion“ durch Dauerdiskussion um Zölibat, Frauenpriestertum und Leitungsteams.

Die römische Instruktion „Die pastorale Umkehr der Pfarrgemeinde im Dienst an der missionarischen Sendung der Kirche“ biete nach Auffassung von Bischof Gregor Maria Hanke „viele wertvolle Impulse“ für einen missionarischen Aufbruch der Pfarrgemeinden. „Das Dokument ermutigt und unterstützt alle, die bereits solche Wege eingeschlagen haben“, so der Bischof von Eichstätt in einer Stellungnahme zu dem von der Kleruskongregation herausgegebenen Dokument. 

Zueinander von Amt und Charisma

Zahlreiche Bischöfe hatten sich sehr kritisch zu dem Dokument geäußert. Der Bischof von Eichstätt sieht das Anliegen der im deutschsprachigen Raum zum Teil kritisch bewerteten Instruktion gerade im zweiten Teil nicht, allein darin, den wichtigen Dienst des Priesters hervorzuheben. Das Dokument ziele, so der Bischof, auf die „konkretisierte Sakramentalität“ der Kirche. „Dazu gehört die Ordnung des Zueinanders von Amt und Charisma, von gemeinsamem Priestertum aus Taufe und Firmung und Priestertum des Dienstamtes.“, so Bischof Hanke in seiner Stellungnahme, die auf der Webseite des Bistums veröffentlicht wurde. 

 

 

 

Die Instruktion schützt Pfarreien laut Kardinal Kasper vor Willkür der Bischöfe. Kritik an „Identitätsdiffusion“ durch Dauerdiskussion um Zölibat, Frauenpriestertum und Leitungsteams.

Kurienkardinal Walter Kasper kritisiert die ablehnende Haltung der deutschen Bischöfe gegenüber der Instruktion "Die pastorale Umkehr der Pfarrgemeinde im Dienst an der missionarischen Sendung der Kirche" in einem Gastkommentar für das Internetportal domradio.de scharf. Die Instruktion wolle verhindern, dass ein Bischof „‘per ordre Mufti‘ Pfarreien umkrempeln, aufheben, zusammenlegen“ könne. Die Kleruskongregation wolle den Bischof an "rechtsstaatliche" und einklagbare Kriterien und Vorgehensweisen binden. Die deutsche Kritik gehe zudem am eigentlichen Anliegen der Instruktion, der pastoralen Umkehr zu einer missionarischen Pastoral, völlig vorbei. Angesichts hoher Kirchenaustrittszahlen sei dieses Kernanliegen von Papst Franziskus hoch aktuell.

Hauptaugenmerk der Instruktion liegt auf der Rolle des Pfarrers als Hirte der Pfarrgemeinde. Die theologisch legitime Betonung der Gesamtverantwortung des Priesters als Pfarrer schlösse laut Kasper keinesfalls aus, dass Aufgaben delegiert werden müssten. „Dass solche Mitarbeiter dann nicht bloße Zuarbeiter oder gar Befehlsempfänger sind, versteht sich im Rahmen heutiger Betriebskultur eigentlich von selbst.“ Das gelte besonders in der Kirche, in der die Verantwortung personalen Charakter habe und sich nicht hinter anonymen Leitungsstrukturen und Teams verstecken könne.  

Kasper merkt in seinem Kommentar an, dass gerade eine „Identitätsdiffusion“ des Priesterbildes durch die Dauerdiskussion über Zölibat, Frauenpriestertum, Leitungsteams usw. usf.“ den Priestermangel produziere, dem man entgegenarbeiten wolle. Es brauche dagegen ein Klima der Akzeptanz, der Anerkennung, der Bedeutung und der Schönheit des Priesterberufs in den Gemeinden. Ansonsten könne man mit allen anderen Reformen einpacken, so der Kurienkardinal wörtlich.  

 

Instruktion zu Gemeindereformen: Es überwiegt die bischöfliche Kritik

Der Augsburger Bischof Meier kann mit der neuen Handreichung des Vatikans zu Pfarrgemeindereformen gut leben. Es mehren sich aber die kritischen Stimmen. Sie gehen bis hin zu der Ankündigung, die Vorgaben nicht umsetzen zu wollen.

Kritisch äußerte sich auch der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck: „Die Instruktion nimmt in keiner Weise zur Kenntnis, dass wir in Deutschland - aber auch in vielen anderen Ländern der Weltkirche - kirchliches Leben nicht mehr nach den Mustern der bisher bekannten Volkskirche gestalten können“, sagte er am Donnerstag laut KNA. Es befremde ihn, dass ein solches Dokument ohne Vorankündigung und Berücksichtigung der tatsächlichen Situation in den jeweiligen Ortskirchen veröffentlicht werde.

Der Augsburger Bischof Bertram Meier erklärte am Donnerstag, er könne mit dem Papier „gut leben“. Die Vorgaben lägen „ganz auf der Linie, die Papst Franziskus schon in seinem Folgedokument zur Amazonas-Synode angestimmt und oft wiederholt hat: Ihm geht es um die pastorale Umkehr der Kirche“, so Meier laut Berichten der „Katholischen Nachrichten-Agentur“ (KNA).

Erzbischof Schick findet die Instruktion theologisch defizitär

Der Erzbischof von Bamberg äußerte sich auf der Internetseite des Erzbistums zur Instruktion der Kleruskongregation. 

Für das Erzbistum Bamberg bestehe kein Handlungsbedarf, betont Erzbischof Ludwig Schick in einer Stellungnahme auf der Webseite des Erzbistums. Die Einführung und der Schluss der Instruktion fordere, dass die ganze Kirche, auch jede Pfarrei, missionarisch ausgerichtet sein solle. Das entspreche der Intention der Strukturveränderungen im Erzbistum.

Unverständnis äußert der Erzbischof, wozu die Kleruskongregation diese Instruktion herausgeben habe. Das werde nirgends deutlich. Ferner bezeichnete Schick die Instruktion als theologisch defizitär.

Es wäre besser gewesen, schließt der Bamberger Oberhirte seine Stellungnahme auf der Webseite des Erzbistums, diese Instruktion so nicht zu veröffentlichen, weil sie für die Gemeinschaft der Kirche und ihrem missionarischen Auftrag mehr Schaden als Nutzen bringe.

 

Woelki lobt Instruktion zu Pfarrgemeindereformen

Die Handreichung der Kleruskongregation rufe Grundwahrheiten des Glaubens in Erinnerung, so der Kölner Kardinal. Unter den deutschen Bischöfen überwiegen aber die kritischen Stimmen.

Der Kölner Erzbischof Woelki erklärte weiter, dass die Instruktion Grundwahrheiten des katholischen Glaubens in Erinnerung rufe, „die wir in Deutschland vielleicht manchmal aus dem Blick verlieren, wenn wir zu sehr mit uns selbst beschäftigt sind“. Der Herr selbst habe die Kirche gestiftet und mit ihr die Sakramente und das besondere Priestertum. „Nicht wir machen Kirche, und es ist auch nicht unsere Kirche, sondern die Kirche Jesu Christi“, so Woelki.

Zur Meldung.

 

Kommentar um "5 vor 12": Hier sind religiöse Freischärler am Werk

Die Kirchenrebellen von "Wir sind Kirche" sagen der Kleruskongregation aufgrund ihrer jüngsten Instruktion den Kampf an. Dazu bedienen sie sich eines alten Narrativ.

Die Kleruskongregation war in jüngster Zeit oft die letzte Bastion für Priester und Laien, um das Allerschlimmste gerade noch zu verhindern. Verständlich, dass die Kongregation darauf hin mal ein paar Dinge klarstellen musste. Dieser Kongregation haben die Revolutionäre nun den Krieg angesagt und fordern deren Abschaffung.

Zum Kommentar.

 

 

„Wir sind Kirche“ stellt Existenzberechtigung der Kleruskongregation in Frage

Den „letzten Aufschrei“ einer „sterbenden Religionsdiktatur“ sieht die Reformbewegung „Wir sind Kirche“ in der jüngsten Instruktion des Vatikan zu Pfarrgemeindereformen. Gläubige sollten sich nicht mehr vorschreiben lassen, wie sie ihr Glaubensleben zu bestreiten hätten.

„Wir sind Kirche“ bezeichnet die Instruktion als „letzten Aufschrei“ einer sterbenden Religionsdiktatur und bemängelt, dass vor allem auch alle Frauen von allen Leitungs- und Weiheämtern ferngehalten würden. Es stelle sich grundsätzlich die Frage nach der Existenzberechtigung der Kleruskongregation, die eine „Klerikalisierung, also die Zwei-Klassen-Kirche“ aufrechtzuerhalten versuche.

Zur Meldung.

 

Kommentar um "5 vor 12": Rom stärkt die Pfarrer

Willkürlichen Reformen der Pfarreien und der Seelsorge in der Pfarrei wird endlich von Rom ein Riegel vorgeschoben. Diese Instruktion war überfällig.

Alle Aspekte der Pfarrei kommen darin zur Sprache und es wirkt erfrischend, wenn einerseits die Pfarrer gestärkt werden, zugleich einer Klerikalisierung der Pastoral eine Absage erteilt wird. Der Schlüssel zu letzterem liegt in dem schönen Wort „Mission“, das heißt Sendung. Die Aufgabe der Pfarrei ist es nicht, selbstreferentiell um sich und ihre 27. Reform in zwanzig Jahren zu kreisen.

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Nur Priester leiten die Gemeinde

Eine Instruktion aus Rom sorgt für eine Menge Aufregung. 

 Der Pfarrer bleibt der Pfarrer und Leitungsteams mit Laien und Priester können ihn nicht ersetzen. So heißt es in der jüngsten Instruktion der vatikanischen Kleruskongregation über die Umkehr der Pfarrgemeinde. 

Die deutschen Bischöfe zeigten sich überrascht. Auf der kommenden Sitzung des Ständigen Rats wollen sie sich über zunächst einmal darüber austauschen. Der Sprecher der Bischofskonferenz, Matthias Kopp, konnte deswegen keinen Kommentar zu der offensichtlich unerwarteten Maßgabe aus Rom abgeben, die den Pfarrer an der Spitze der Gemeindeleitung belässt. Leitungsteams, in denen Laien neben den Priestern wirken und diese auch leiten könnten, wird es laut Kleruskongregation nicht geben. Und auch bei den Zusammenlegungen zu Großpfarreien ist Rom ausgesprochen restriktiv. Papst Franziskus hat das Dokument am 27. Juni dieses Jahres approbiert, die Spitze der Kongregation hat dann zwei Tage später am Hochfest Peter und Paul unterzeichnet. 

 Zum Artikel  von Guido Horst. 

 

 

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