Konzil

Konzil von Trient: Späte Antwort auf Luther

Es war ein langes Konzil und dauerte von 1545 bis 1563. Aber wegen seiner Positionen zur Reformation wurde das Tridentinum zum Manifest des römisch-katholischen Glaubens, das bis heute Wirkung zeigt.
Trient
Foto: Wiki commons | Eine Sitzung des Konzils von Trient in „Tyrolischer Adler“ von Matthias Burglechner (Österreichisches Staatsarchiv Wien, Haus-, Hof- und Staatsarchiv).

Im Urchristentum stellten zunächst vor allem die Evangelien als Quelle der Lehre Jesu sowie die anderen Texte der Heiligen Schrift die Grundlage des Glaubens dar. Doch galt und gilt es, diese Grundlage immer wieder an zeitgenössische Fragestellungen anzulegen und zu deuten. Dies geschah von früh an in Zusammenkünften von Bischöfen mit dem Bischof von Rom, den Konzilien. Die heutige Geschichtsschreibung geht von insgesamt 22 Ökumenischen Konzilien aus, welche die Entwicklung der katholischen Kirche und des christlichen Glaubens elementar geprägt haben.

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Noch heute vielen bekannt und lebhaft diskutiert

Das Wissen um den großen Reichtum an kirchengeschichtlichen Eckpunkten und apostolischer Sukzession – neben der Heiligen Schrift immerhin einer der Grundpfeiler der katholischen Kirche – ist im heutigen Glaubensleben wohl weitgehend verblasst. Mit dem Begriff Konzil wird allenfalls noch das Zweite Vatikanische Konzil verbunden, dessen Bedeutung und Aktualität rund sechzig Jahre nach seiner feierlichen Eröffnung immer noch lebhaft disku-tiert werden.
Den traditionsverbundenen Katholiken ist darüber hinaus jedoch auch der Name eines weiteren Konzils wohlbekannt: das Konzil von Trient. Wenngleich dieses häufig auf die sogenannte tridentinische Messe reduziert wird, hat es doch wesentlich mehr zu bieten. Bemerkenswert ist dabei vor allem, dass es auch nach fast 500 Jahren in vielen Bereichen in die gegenwärtige Kirchenlehre hineinwirkt.

Das Konzil von Trient ist auch deshalb von eminenter Bedeutung, weil es aufgrund seiner zeitlichen Einordnung – zwischen 1545 und 1563 – das erste Konzil war, das sich mit der Reformation auseinanderzusetzen hatte und Antworten bezüglich einer möglichen Reform der katholischen Kirche finden musste. Einberufen wurde die Synode von Trient durch Papst Paul III. im Jahre 1542.

Schrift und Tradition 

Da in der damaligen Kirchenpolitik auch weltliche Herrscher, allen voran die deutschen Kaiser, ihren Einfluss geltend machten und Kaiser Karl V. zu dieser Zeit Krieg gegen König Franz I. aus Frankreich führte, wurde das Tridentinum, wie es ebenfalls häufig genannt wird, jedoch erst am 13. Dezember 1545 eröffnet.
Die etwa 50 bis 70 teilnehmenden Bischöfe setzten sich inhaltlich vor allem mit vermeintlichen Irrlehren auseinander; schließlich verbreitete sich der protestantische Glaube inzwischen weit über den Wirkungsbereich Luthers hinaus.

Daher darf es nicht verwundern, dass das Konzil am 8. April 1546 im Dekret über die Annahme der Heiligen Schrift und die apostolische Überlieferung nicht nur – wie es der protestantische Glaube getan hatte – die Heilige Schrift zur Grundlage des Glaubens erklärte, sondern auch die kirchliche Tradition und damit die Entscheidungen der Päpste und Konzilien im Laufe der Jahrhunderte. Christian Lange kommt in seiner lesenswerten „Einführung in die allgemeinen Konzilien“ aus dem Jahr 2012 zu dem Schluss: „Durch die Betonung, dass auch die nicht in der Schrift enthaltenen Überlie-ferungen (traditiones) die göttliche Wahrheit und Ordnung enthielten, stellte das Konzil einen grundlegenden Gegensatz in der Lehre zu Martin Luther fest.“

Alle von der Ursünde betroffen

Im Juli 1546 erklärte die Synode sodann, dass alle Menschen von der Ursünde betroffen seien. Diese werde durch die Zeugung weitergegeben und könne einzig durch die durch Christus erfolgte Erlösung weggenommen werden. Anders als lange Zeit üblich wurde dadurch die Taufe für Neugeborene als notwendig empfohlen.
Und ein weiteres Dekret, dessen Bedeutung bis in die Gegenwart hineinreicht, wurde im Januar 1547 verabschiedet, das Dekret über die Rechtfertigung. Darin heißt es, dass die Gnade allein von Gott kommt. Der Mensch müsse sich entscheiden, ob er diese annehme oder nicht. Gute Werke beförderten dabei die Rechtfertigung.
450 Jahre später wurde im Jahre 1999 von der katholischen und evangelischen Kirche die gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre unterzeichnet. Darin heißt es: „Allein aus Gnade im Glauben an die Heilstat Christi, nicht aufgrund unseres Verdienstes, werden wir von Gott angenommen und empfangen den Heiligen Geist, der unsere Herzen erneuert und uns befähigt und aufruft zu guten Werken.“

Hier wird deutlich, dass die Aussage des Tridentinums bezüglich der Leistung des Menschen relativiert wurde. Das Konzil von Trient hatte sich noch klar von der protestantischen Position des „sola fide“ abgegrenzt. Und nicht nur das: Durch die ausführliche Auseinandersetzung mit den Sakramenten ab März 1547, die als „zum Heil notwendig“ erklärt wurden, wurde das römisch-katholische Profil in Abgrenzung zur protestantischen Lehre geschärft. Die Hoffnungen des Kaisers auf eine Überwindung der Kirchenspaltung oder zumindest auf Verhandlungen mit den Vertretern des Protestantismus erfüllten sich dadurch nicht.

Papst Iulius III. setzte nach dem Tod seines Vorgängers das Konzil fort. Während seines nur fünf Jahre dauernden Pontifikats wurde vom Trienter Konzil die katholische Lehre über die Eucharistie ausgeschärft, wobei insbesondere die Transsubstantiationslehre bekräftigt wurde, also die Wesensverwandlung von Brot und Wein in Leib und Blut Christi. Auch befasste sich das Konzil intensiv mit den Sakramenten der Buße und der Letzten Ölung.

Den Opfercharakter der heiligen Messe bekräftigt

Die letzte Phase des Tridentinums wurde erst rund zehn Jahre später unter Papst Pius IV. eingeläutet. In der Auseinandersetzung mit dem Sakrament der Weihe knüpfte es direkt an die vorherige Phase an. Hier wurden zentrale Kriterien festgelegt, die ein Weihekandidat erfüllen musste, um Priester werden zu dürfen. Am Ende des Konzils – ab 1562 – begann sodann die Thematisierung dessen, worauf man das Tridentinum heutzutage gern reduziert: die heilige Messe.

Diese wurde in ihrem Opfercharakter klar bekräftigt, der römische Messkanon wurde als verbindlich vorgeschrieben und die lateinische Sprache wurde einheitlich für die Liturgie in der gesamten Kirche vorgegeben. Bekanntlich wurden diese Beschlüsse des Konzils von Trient erst vierhundert Jahre später in der Liturgiereform unter Papst Paul VI. geändert. Im Streit um die tridentinische Messe wirken sie allerdings bis in die Gegenwart hinein.

Doch auch andere katholische Lehrsätze wurden vor dem Abschluss des Konzils noch bestätigt. Die Dekrete über das Fegefeuer (Purgatorium) und die Heiligen- und Reliquienverehrung grenzten den römisch-katholischen Glauben klar von protestantischen Positionen ab und gaben ihm das Profil, das er bis heute hat. So ging das Tridentinum als wichtiges Konzil in die Kirchengeschichte ein, als Manifest des römisch-katholischen Glaubens.

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