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Der Trend geht zur Taufe

Junge Menschen entdecken den katholischen Glauben – leise, sehnsüchtig, ohne kirchenpolitische Diskussionen. Immer mehr möchten getauft werden, vor allem in Berlin und Köln.
Erwachsenentaufen
Foto: ChatGPT | Auf der Suche nach dem Sinn des Lebens finden junge Menschen unter anderem Halt im Vorbild ihrer christlichen Großeltern – und lassen sich daraufhin taufen.

Neulich traf sich der Freiburger Erzbischof Stephan Burger mit Schülern. Eingestellt habe er sich auf „Rechtfertigungsdruck“, mit dem er „wieder umgehen“ müsse und „kirchenpolitische Fragen“. Doch es kam anders: Die Schüler erkundigten sich „nach dem Glauben, nach Gebet, nach Jesus Christus und nach der Heiligen Schrift“, teilte er letzte Woche den deutschen Bischöfen bei ihrer Vollversammlung in Würzburg mit. „Jugendlichen auf der Suche nach Gott, nach dem Sinn ihres Daseins und ihres Lebens“, sei er begegnet.

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Erzbischof Burgers Erlebnis ist bildhaft für ein Phänomen, das sich unter jungen Erwachsenen in einer angeblich religionsfernen Gesellschaft auszubreiten scheint und steigende Zahlen an Erwachsenentaufen verursacht. Vor allem in Frankreich: 2025 ließen sich dort in der Osternacht mehr als 10. 000 Erwachsene und über 7 .400 Jugendliche taufen. Ganz so rosig sieht es in Deutschland zwar nicht aus. Die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) meldete 2022 bundesweit rund 1 .600 Erwachsenentaufen (gemeint sind Menschen, die das vierzehnte Lebensjahr vollendet haben), ein Jahr später noch einmal 200 mehr. 2024 knackte man die 2. 000er-Marke der Katechumenen, wie man diese Taufbewerber nennt. In der DBK-Statistik ist deshalb die Rede von einem „kleinen positiven Trend“ in der Gesamtzahl der Taufen.

Im mitgliederstärksten deutschen Bistum, dem Erzbistum Köln, werden in dieser Osternacht „mehr als 40“ Erwachsene getauft. Das Erzbistum Freiburg, mit ähnlich vielen, gerundet 1,6 Millionen Gläubigen, beobachtete „erfreuliche Entwicklungen“. 37 Katechumenen seien allein in diesem Jahr gelistet – „eine Rekordzahl im Vergleich zu den anderen neun Jahren“, teilte die diözesane Pressestelle der „Tagespost“ mit. Im Bistum Münster – wo ebenfalls rund 1,6 Millionen Gläubige leben – ließen sich 2025 125 Erwachsene taufen, für 2026 seien bereits 14 angemeldet. Im Erzbistum München und Freising kamen 2022 68 Katholiken als Erwachsene dazu, 2023 92 und 2024 93. 60 Taufbewerber hätten sich in diesem Jahr alleine für die Osternacht angemeldet, Anmeldezahlen für den Herbstkurs lägen noch nicht vor. Der Münchner Priester Daniel Lerch konnte in seiner Innenstadtpfarrei „den schönen Trend ebenfalls feststellen: 2025 hatten wir in der Pfarrei St. Peter zwölf Erwachsenentaufen und -konversionen. In der Osternacht 2026 werden es 17 sein“, teilt er der „Tagespost“ mit.

Wenig Neutaufen in Passau

Im Bistum Regensburg – dort leben an die 1,1 Millionen Katholiken – bereiten sich derzeit 18 Katechumenen auf Taufe, Erstkommunion und Firmung vor. Im gesamten letzten Jahr waren es neun. Halb so viele Menschen gehören zum Bistum Osnabrück, Erwachsenentaufen ereignen sich dort deutlich häufiger. 2021 waren es 36, ein Jahr später 40, 2024 dann 52. In Papst Benedikts Heimatbistum Passau, wo aktuell 450. 000 Katholiken leben, fanden im vergangenen Jahr fünf Erwachsenentaufen statt. Für diese Osternacht seien drei Taufbewerber angemeldet. „Das können natürlich noch mehr werden“, drückte sich das Bistum hoffnungsvoll aus.

Ein Blick auf das Erzbistum Berlin – mit circa 390 .000 Gläubigen – zeigt: Dort möchten Menschen am häufigsten katholisch werden! 2025 gab es 170 Taufbewerber und 50 Kandidaten, „die in die katholische Kirche aufgenommen werden“ wollten – also anscheinend schon in anderen christlichen Kirchen getauft worden waren. Kirchenaustritte nehmen in dem als religionsfern und konfessionslos geltenden Hauptstadtbistum seit Jahren ab.

Pater Marc Giese SJ kann das bestätigen. Er ist Hochschulseelsorger in Potsdam. 2022 wurden dort fünf Erwachsene getauft, an Ostern sind es aller Voraussicht nach 13 (und fünf, die konvertieren). Im Laufe dieses Jahres gehe man davon aus, die „20er-Marke zu knacken“, sagt er der „Tagespost“. Es kämen „erstaunlich viele Jugendliche“, die Hälfte der aktuellen Taufbewerber sei jünger als 25. „Sicherlich liegt das an den immer stärker werdenden Suchbewegungen, gerade unter jungen Leuten. Ein Mitbruder hat mir gerade berichtet, dass jede Woche Jugendliche anklopfen und nach Christus fragen“, so Giese. Halt fänden sie häufig im Vorbild ihrer christlichen Großeltern. Oder die Katechumenen seien Menschen in Krisensituationen gewesen, die in einer Kirche oder der Bibel Hoffnung gefunden hätten, erklärt der Jesuit das wachsende Interesse an der katholischen Kirche.

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Foto: ChatGPT | Menschen, „die ein irgendwie gutes Leben führen, aber die nach mehr, nach Herrlichkeit suchen“, lassen sich laut Pater Marc Giese SJ taufen.

Görlitz meldet viele Neutaufen

Konstante Zahlen meldet das Bistum Fulda (rund 325. 000 Gläubige) mit 35 Erwachsenentaufen im Jahr 2023 und 35 im Jahr 2024. Obwohl im Bistum Dresden-Meißen „nur“ 145 000 Katholiken leben, wurden dort letztes Jahr 75 Erwachsene getauft. Für dieses Jahr seien bereits 70 angemeldet, so der Pressesprecher. Halb so viele Gläubige – rund 75. 000 – leben im Bistum Magdeburg. Stand jetzt kommen dieses Jahr 30 dazu, die älter als 14 Jahre sind, 2025 waren es 41, in den beiden Jahren davor jeweils 30. Im geringfügig kleineren Bistum Erfurt (circa 65. 000 Gläubige) gab es 2025 zwölf Erwachsenentaufen. „In diesem Jahr sind es neunzehn Taufbewerber“, teilte die Pressestelle des Bistums mit. Mit rund 30. 000 Gläubigen ist Görlitz – in der ostdeutschen Diaspora – das an der Mitgliederzahl gemessen kleinste deutsche Bistum. Was die Zahl der Katechumenen angeht, liegt es vor Bistümern wie Regensburg und Passau im traditionell-katholischen Bayern: In diesem Jahr sind schon 22 Taufbewerber angemeldet, 2025 waren es 18.

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Auch das Kloster Maria Engelport im Moselland, wo die heilige Messe in der außerordentlichen Form des römischen Ritus gefeiert wird, meldete eine steigende Anzahl an Erwachsenentaufen und immer mehr Messbesucher. 2026 werde man „noch mehr“ Erwachsene taufen als 2025, schätzungsweise um die 20, äußerte sich ein Kanoniker des dort ansässigen Instituts Christus König und Hoherpriester gegenüber der „Tagespost“.

In Österreich stieg die Zahl der Erwachsenentaufen nicht an. 2024 waren es 255, im Jahr davor 208. Im „Corona-Jahr“ 2020 hingegen gab es noch 417 Katechumenen. Im österreichischen Kärnten nahm Christoph Kranicki, Stadtpfarrer in Wolfsberg, dennoch ein wachsendes Interesse am katholischen Glauben in seiner Pfarrei wahr. Er „bemerke in den letzten Monaten steigende Zahlen bei den Kirchenbesuchern“, teilte er der „Tagespost“ mit. Außerdem sei seit mehreren Jahren ein kontinuierlicher Rückgang der Kirchenaustritte zu verzeichnen. Im Zusammenhang mit Erwachsenentaufen stelle er fest, dass sich vermehrt auch Kinder und Jugendliche im Grundschulalter für die Taufe entschieden. „Zudem bereiten sich einige Asylsuchende in unserer Pfarre auf die Taufe vor“, so Kranicki. Vielleicht sind die Neutaufen nur ein zarter Anfang – doch er erzählt von einer Generation, die wieder nach Gott fragt.

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