Papst Leo XIV. legt mit seiner ersten Enzyklika den Finger in die globale Wunde: Bei aller Digitalisierungseuphorie, wie sie derzeit in so vielen gesellschaftlichen Sektoren zu vernehmen ist, laufen wir Gefahr, die Kontrolle über die Technik zu verlieren. Daher räumt er im 4. Kapitel seiner ersten Enzyklika der Bildung im Kontext der globalen digitalen Herausforderungen einen zentralen Stellenwert für die „Wahrheit als Gemeingut“ („Mangnifica Humanitas“ (MH) 132 - 147) ein: „In einer Zeit, in der die Wahrheit oft Interessen und Kommunikationsstrategien untergeordnet wird, kommt der Bildungswelt eine entscheidende Bedeutung zu. Doch die rasanten technologischen Veränderungen machen deutlich, wie unvorbereitet wir im Bildungsbereich sind. Die allgegenwärtigen digitalen Medien schaffen eine Kultur der Unmittelbarkeit und Überstimulation, die angesichts des Aufwands, der für die Suche nach der Wahrheit erforderlich ist, zu Ermüdung, Langeweile und Apathie führt.“ (MH 139).
Leo XIV. prangert naive Digitalisierung an
Mit diesen Worten prangert Papst Leo XIV. eine naive Digitalisierung an, die sich allein dadurch zeigt, möglichst viel Technik in die Klassenzimmer zu bringen, dabei aber ihren Grundauftrag der Bildung vergisst. Dieser ist im Kern ganz anders gelagert, wie die Suche nach Wahrheit zeigt. So weist er der Schule eine „zentrale Rolle“ zu (vgl. MH 143-147), insofern sie „der Ort (ist), an dem die neuen Generationen lernen können, die Wahrheit zu suchen und zu lieben, sich mit dem Sinn des Lebens und mit der Würde eines jeden Menschen auseinanderzusetzen.“ (MH 143).
Der Bildungsbereich tut deshalb gut daran, sich mit der Analyse und den Schlussfolgerungen von Papst Leo XIV zu beschäftigen, zumal der Heilige Vater auch als studierter Philosoph und Mathematiker über sein oberstes Lehramt hinaus interdisziplinäre Impulse und Maßstäbe im globalen Diskurs setzt, die gerade einer in den letzten Jahren massiv verengten Forschungsperspektive in der Erziehungswissenschaft wieder weite Horizonte und fundierte Grundlagenreflexion ermöglichen kann. Schule muss vom technologischen Labor wieder zu einem humanen Bildungsraum werden. Schüler sind keine Kompetenzmaschinen und Versuchskaninchen digitaler Werkzeuge.
Der Autor lehrt als Ordinarius für Schulpädagogik an der Universität Augsburg.
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