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Die Menschen wollen Jesus, nicht Reformation 2.0

Die große Zahl an Erwachsenentaufen in Frankreich straft das Lieblingsnarrativ des Synodalen Weges Lügen.
Eine Erwachsenentaufe in der Kölner Basilika. Die französischen Katechumenenzahlen stellen die Deutschen in den Schatten.
Foto: imago stock&people | Eine Erwachsenentaufe in der Kölner Basilika. Die französischen Katechumenenzahlen stellen die Deutschen in den Schatten.

Über 12 000 Jugendliche und Erwachsene lassen sich in Frankreich in der kommenden Osternacht taufen – eine Rekordzahl seit Beginn der Zählungen im Jahr 2002. Unwillkürlich fragt sich der deutsche Katholik: Wie viele sind es denn bei uns? Laut Kirchenstatistik 2023 wurden im Jahr 2022 1.648 Jugendliche (ab 14 Jahren) und Erwachsene getauft. Auch wenn die französische Zahl Jugendliche ab 11 Jahren inkludiert, während die deutsche Statistik Jugendliche erst ab 14 zählt und die deutschen Zahlen für 2023 und 2024 noch nicht veröffentlicht sind, ist jetzt schon klar: Die Zahl der Erwachsenentaufen ist in Frankreich um ein Vielfaches höher als in Deutschland. 

Dabei lässt sich der Katholizismus der beiden Länder hinsichtlich seiner Rahmenbedingungen durchaus vergleichen: Der Katholikenanteil in Frankreich beträgt etwa 29 Prozent, der in Deutschland ein knappes Viertel. Die Gesellschaften beider Länder haben sich im Laufe der letzten Jahrzehnte stark säkularisiert und das Christentum stellt rein statistisch seit kurzer Zeit hüben wie drüben nicht mehr die Mehrheit. 2012 war die Zahl der Neugetauften in beiden Ländern noch ungefähr gleich. Doch während in Deutschland die Zahl der Erwachsenentaufen im Zuge der Corona-Pandemie offenbar dauerhaft auf weit unter 2000 eingebrochen ist, markierte Frankreich schon 2023 einen Rekord mit 5463 Erwachsenentaufen, der 2024 mit 7135 noch einmal gebrochen wurde. Gemeinsam mit 5000 Taufen von Jugendlichen zwischen 11 und 17 kommt man auf die 12000.

Der religiöse Durst ist nach wie vor vorhanden

Was ist passiert? Eines der beliebtesten Narrative des Synodalen Weges lautet: Evangelisierung sei erst dann wieder glaubwürdig, wenn die Missbrauchskrise aufgearbeitet ist – und zwar durch eine Änderung der Sexualmoral, Priesterweihe für Frauen, Heirat für Priester und Macht für alle. Nun ist die katholische Kirche im Nachbarland fast zeitgleich mit dem Synodalen Weg und ebenso mehr schlecht als recht durch einen Missbrauchsskandal gestolpert, der den deutschen in seiner Heftigkeit fast noch übertraf. Und trotzdem rennen die Menschen in Frankreich fast flächendeckend dem Katechumenat alle Türen ein. Das legt einen Schluss nahe, der hierzulande nicht allen gefallen dürfte: Die Grundannahme des Synodalen Weges, die Menschen würden sich erst dann wieder für Christus interessieren, wenn die Kirche von den Füßen auf den Kopf gestellt wurde, ist schlichtweg falsch.

Die Aussagen französischer Verantwortlicher für das Katechumenat bestätigen übrigens: Die Missbrauchskrise und die Kirche als Institution spielen für die Katechumenen keine Rolle. Die Menschen kommen auf der Suche nach Christus und nicht, weil das Bistum klimaneutral heizt oder zum Kampf gegen rechts aufruft. Sie kommen mit Fragen nach dem Tod, der Hölle und dem ewigen Leben, wie ein französischer Bischof gegenüber „La Croix“ erklärt.

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Offensichtlich ist der religiöse Durst nach wie vor vorhanden. Es wäre falsch, wenn nicht sogar faul, sich weiterhin hinter dem langsam versandenden Synodalen Weg zu verstecken, anstatt endlich in die Neuevangelisierung zu investieren. Letzteres tun die Franzosen seit Jahren – offensichtlich mit Erfolg. Milliarden an Kirchensteuern scheinen hierzulande das nicht auf die Reihe zu bekommen, was im Nachbarland eine Armee an ehrenamtlichen Katecheten auf die Beine stellt. Gerade an Ostern täten kirchliche Akteure, Kleriker wie Laien, auch bei uns gut daran, sich neu auf das zu besinnen, was nur die Kirche den Menschen vermitteln kann, nämlich die Erlösung.

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