Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Requiem für Benedikt XVI.

Abschied von einem Lehrer des Glaubens

Nach einem schlichten Requiem fand Benedikt XVI. seine letzte Ruhestätte in den Grotten unter dem Petersdom.
Requiem für Benedikt XVI. auf dem Petersplatz in Rom
Foto: IMAGO/Fabio Frustaci (www.imago-images.de)

Mit einem kurzen, würdigen, aber auch einfachen Requiem ist auf dem Petersplatz in Rom in Anwesenheit von etwa 60.000 Menschen der fünftägige Abschied von Benedikt XVI. zu Ende gegangen. Etwa 200.000 Gläubige hatten in den drei Tagen zuvor im Petersdom vor dem aufgebahrten Emeritus persönlich Abschied genommen. Papst Franziskus predigte nur sieben Minuten, er legte das Evangelium vom Tod Jesu am Kreuz aus und erwähnte erst im letzten Satz seinen Vorgänger: „Benedikt, du treuer Freund des Bräutigams, möge deine Freude vollkommen sein, wenn du seine Stimme endgültig und für immer hörst!“ 

Auf dem Sagrato vor der Fassade des Petersdoms lag der verstorbene Papst in einem Sarg aus Eichenholz, auf ihm lag ein aufgeschlagenes Evangelium. Nach dem Beginn um 9.30 Uhr war die Exequienmesse bereits eine gute Stunde später beendet. Am Ende der Feier fanden dann die „Ultima Commendatio“ und die „Valedictio“, der Ritus der Aussegnung und Verabschiedung, statt. Begleitet vom Gesang „In paradisum deducant te Angeli“ (Zum Paradiese mögen Engel dich geleiten) trugen zwölf Männer den Sarg in die Grotten unter dem Petersdom, wo Joseph Ratzinger in der früheren Grablege von Johannes Paul II. seine letzte Ruhe fand. Hier waren nur wenige Kardinäle, der Zeremoniar sowie Privatsekretär Erzbischof Georg Gänswein anwesend. 

Sichtbarer Auftritt des „Neuen Anfangs“

Offizielle Delegationen hatten nur Deutschland und Italien entsandt: Präsident Frank-Walter Steinmeier und Bundeskanzler Olaf Scholz führten die deutsche, Staatspräsident Sergio Mattarella und Ministerpräsidentin Giorgia Meloni die italienische Abordnung an. Alle anderen Staats- und Regierungschefs waren privat angereist, so Ministerpräsident Markus Söder aus Bayern mit Mitgliedern der Staatsregierung.

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Die etwa hundert Teilnehmer der Wallfahrt zu den Apostelgräbern, zu der die Initiative „Neuer Anfang“ und die „Tagespost“ für diese Tage nach Rom eingeladen hatten, waren mit bayerischen Landesfahnen und Benedikt-Transparenten auf den Petersplatz gezogen, wo sie dem Requiem ein bayerisches Lokalkolorit gaben. In großen Buchstaben stand „Danke Papst Benedikt“ auf den Transparenten geschrieben, die auch die Kameras des vatikanischen Fernsehens einfingen und in alle Welt transportierten.  

„Er bekämpfte entschlossen den Missbrauch“

Im „Rogitum“, der offiziellen Urkunde über das Leben von Joseph Ratzinger, die dem Verstorbenen mit in den Sarg gegeben wurde, heißt es auch: „Er kämpfte entschlossen gegen Verbrechen, die von Geistlichen an Minderjährigen oder schutzbedürftigen Personen begangen wurden, und rief die Kirche immer wieder zu Umkehr, Gebet, Buße und Läuterung auf.“ Über seine letzten Lebensjahre ist in dem „Rogitum“ zu lesen: „Nach einem kurzen Aufenthalt in der Residenz Castel Gandolfo verbrachte er die letzten Jahre seines Lebens im Vatikan, im Kloster Mater Ecclesiae, und widmete sich dem Gebet und der Meditation.“ Zusammenfassend würdigt die Urkunde das Lebenswerk Ratzingers / Benedikt XVI. mit den Worten: „Als Theologe von anerkannter Autorität hat er ein reiches Erbe an Studien und Forschungen über die grundlegenden Wahrheiten des Glaubens hinterlassen.“

Daran hatte Franziskus auch schon bei der Generalaudienz am Vortrag erinnert, als er seinen Vorgänger als „großen Lehrmeister der Glaubensunterweisung“ würdigte: „Sein scharfes und feinfühliges Denken war nicht selbstbezogen, sondern kirchlich, weil er uns immer zur Begegnung mit Jesus führen wollte“. Viele – auch Kardinäle – wünschen, dass nun ein Verfahren beginnt, das in naher Zukunft mit der Erhebung von Benedikt XVI. zum Kirchenlehrer enden wird.  DT/gho

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