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Der Papst, für den sich angeblich niemand interessiert

Die vielen Menschen, die in Rom Abschied von Benedikt XVI. nehmen, strafen – wieder einmal - all seine Verächtlichmacher Lügen.
200.000 Gläubige nahmen Abschied vom aufgebahrten Benedikt XVI.
Foto: IMAGO/marco iacobucci / ipa-agency.net (www.imago-images.de) | 200.000 Gläubige nahmen innerhalb von lediglich zwei Tagen vom aufgebahrten Benedikt im Petersdom Abschied – wäre er noch länger dort aufgebahrt geblieben hätte man sich wohl problemlos dem siebenstelligen Bereich ...

Kurz vor Ende seines Pontifikates Anfang 2013, genauer gesagt am 14. Februar desselben Jahres, verabschiedete sich Papst Benedikt XVI. von den Priestern der Diözese Rom und hielt vor „seinem“ Klerus eine bemerkenswerte Abschiedsrede. 

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In dieser kam er noch einmal auf das von ihm als Peritus miterlebte und mitgestaltete Zweite Vatikanische Konzil und dessen Hermeneutik zu sprechen – und traf eine markante Unterscheidung:  “Es gab das Konzil der Väter – das wahre Konzil – aber es gab auch das Konzil der Medien. Das war fast ein Konzil an und für sich selbst, und die Welt nahm das Konzil durch dieses Konzil der Medien wahr. So war das Konzil, das unmittelbar und wirkungsvoll zu den Menschen durchkam, das der Medien und nicht das der Väter.“

Der „Papst der Gläubigen“ und der „Papst der Medien“

Ähnlich wie bei den „zwei Konzilien“, dem tatsächlich stattgefundenen sowie dem medial verzerrten, muss man auch mit Blick auf Benedikt XVI. von „zwei Päpsten“ sprechen – und damit ist keine Anspielung an den Netflix-Film „Die zwei Päpste“ gemeint, jener Oscar-nominierten „Pope Fiction“ von 2019, in der niemand Geringeres als Schauspiellegende Sir Anthony Hopkins („Das Schweigen der Lämmer“) Papst Benedikt XVI. verkörperte.

Sondern einerseits zwischen dem geliebten und geschätzten „Papst der Gläubigen“, dem gegenwärtig in Rom zahlreiche Menschen aus aller Welt ihre Referenz erweisen, sowie andererseits dem vorgeblich ultrakonservativen und gefühlskalt-menschenverachtenden „Papst der Medien“, der unablässig nichts anderes im Sinn gehabt haben soll, als einen hasserfüllten Kreuzzug gegen die Moderne zu führen und für den sich deswegen vollkommen zurecht, wie zahlreiche Medienvertreter suggerieren, kein ernstzunehmender Mensch mehr interessiert. Beziehungsweise zu interessieren habe.

200.000 Menschen im Petersdom, ausgebuchte Züge in Richtung Rom

Doch wie heißt es so schön: „Träume sind Schäume“ – denn gegenwärtig stimmen zahlreiche Gläubige entgegen dem Wunschdenken vieler Medien-„Fachleute“ mit den Füßen ab und machen sich auf den Weg in die Ewige Stadt. 200.000 Gläubige nahmen innerhalb von lediglich zwei Tagen vom aufgebahrten Benedikt im Petersdom Abschied – wäre er noch länger dort aufgebahrt geblieben hätte man sich wohl problemlos dem siebenstelligen Bereich angenähert. Auch die Zahl der Trauergäste auf dem Petersplatz zum Requiem des emeritierten Papstes dürfte mit circa 60.000 Menschen weit höher gelegen haben als gerade von so manchem erwartet.

Gewiss: Die Anteilnahme, die „Jahrtausendpapst“ Johannes Paul II. noch bei seinem Ableben 2005 widerfuhr, konnte nie als Maßstab gelten für den Tod eines emeritierten Papstes wie Benedikt – er selbst wäre der erste gewesen, der dieses unumwunden und zudem ganz ohne Bedauern zugegeben hätte. Doch ausgebuchte Züge Richtung Rom sowie große Anfragen an diözesane Pilgerbüros und Reiseunternehmen zeigen, dass dieser Papst aus Bayern bis auf den heutigen Tag eben doch über eine nicht gerade geringe Anhängerschaft verfügt, die sich wohl gerne den Worten von Papst Franziskus, mit denen dieser heute seine Predigt beim Requiem für seinen Amtsvorgänger abgeschlossen hat, anschließen wird: „Benedikt, du treuer Freund des Bräutigams, möge deine Freude vollkommen sein, wenn du seine Stimme endgültig und für immer hörst!“

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Stefan Ahrens Johannes Paul II. Papst Franziskus Päpste Synoden Tod von Papst Benedikt XVI.

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