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Weihnachtsgottesdienste: Boomer bleiben zu Hause

„Quiet revival“ nun auch in Deutschland? Jüngere Menschen haben eher vor, an Weihnachten in die Kirche zu gehen. Das Vor-Corona-Niveau bleibt allerdings noch unerreicht.
Christmette 2020 im Rottenburger Dom
Foto: ULMER Pressebildagentur via www.imago-images.de (www.imago-images.de) | Davon hat sich der Gottesdienstbesuch noch nicht erholt: Christmette 2020 im Rottenburger Dom mit nur 60 registrierten Teilnehmern.

Nach der großen Corona-Delle geht es beim weihnachtlichen Kirchbesuch wieder aufwärts: Dieses Ergebnis einer neuen, repräsentativen Umfrage der Bundeswehr-Universität in München hatte die Katholische Nachrichtenagentur KNA bereits am Dienstag vermeldet. Besonders aufhorchen ließ der Generationenunterschied: Während dieses Jahr nur rund 13 Prozent der Babyboomer planen, einen Weihnachtsgottesdienst zu besuchen, sind es in der „Generation Z“ immerhin rund 27 Prozent.
Ein Blick auf Daten aus der seit 2018 jährlich durchgeführten Studie, die dieser Zeitung vorliegen, erlaubt einen noch detaillierteren Blick auf die Entwicklung. Da in letzter Zeit vor allem aus Frankreich und Großbritannien ein steigendes Interesse junger Menschen an Glauben und Kirche berichtet wird, sind neue Zahlen aus Deutschland spannend, erlauben sie doch Rückschlüsse darauf, ob sich das Phänomen auch in Deutschland beobachten lässt.

Die unter Leitung von Philipp Rauschnabel erstellte „Weihnachtsstudie“ zeigt in erster Linie einen Aufwärtstrend nach Corona: So planten 2019, kurz vor der Coronakrise, 23,6 Prozent der Befragten, an Heiligabend in die Kirche zu gehen. Tiefpunkt danach war 2023; nach 15,4 Prozent 2022 waren es 2023 nur noch 15,1 Prozent, die einen Weihnachtsgottesdienst besuchen wollten. 2024 stieg der Anteil auf 16,1 Prozent, dieses Jahr liegt er bei 17,9 Prozent. Deutlich weniger also als 2019, aber wieder mehr als in den Vorjahren.

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Interessant ist, dass sich die Pandemie völlig unterschiedlich auf die Generationen ausgewirkt hat. Während von der Generation der Babyboomer (die über 60-Jährigen) 2019 noch solide 22 Prozent in der Christmette erscheinen wollten, waren es 2022 (pandemiebedingt wurde die Frage 2020 und 2021 nicht gestellt) nur noch 12 Prozent. Und dabei bleibt es mehr oder weniger: Auch 2025 sind es nur 12,6 Prozent.

Weihnachtsgottesdienst
Foto: Datenquelle: Universität der Bundeswehr München, Prof. Philipp A. Rauschnabel, Grafik: DT | Antworten auf die Frage „Planen Sie, dieses Jahr an Heilig Abend in die Kirche zu gehen?“ nach Befragungsjahr und Altersgruppe.

Auf höherem Niveau ähnlich verhält sich die Generation der 45- bis 59-Jährigen (Gen X). Nach 22 Prozent 2019 stagniert der Kirchbesuch auf deutlich niedrigerem Niveau und liegt 2025 bei 13,7 Prozent. Ganz anders sieht das Bild in der Generation Y aus: Nach 26 Prozent 2019 und einem Tiefpunkt von 14 Prozent 2022 liegt der Wunsch, einen Weihnachtsgottesdienst zu besuchen, nun wieder bei 23,1 Prozent. Auf einem höheren Niveau erholt hat sich auch der Kirchbesuch in der Generation Z (bis 31 Jahre alt), nämlich von 31 (2019) auf 19 (2023) nun wieder auf 26,5 Prozent.

Insgesamt bestätigt sich also das aus Großbritannien und Frankreich bekannte Bild, dass jüngere Altersgruppen mehr Interesse für Gottesdienste zeigen als Ältere. Ein Wermutstropfen: Noch ist – jedenfalls in Hinsicht auf den Weihnachtsgottesdienst – das Vor-Corona-Niveau nicht erreicht. (DT/jra)

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