Die ungewöhnliche Krippendarstellung im Rahmen einer Christmette in der katholischen Kirche Sankt Maria in Stuttgart hat hohe Wellen geschlagen und für viel Kritik gesorgt. In der Krippe lag ein erwachsener Mann, zusammengekauert im Stroh und in nasses Reispapier gehüllt. Das Bistum Rottenburg-Stuttgart erklärte am Montag auf seiner Internetseite, es bedauere, dass dadurch „religiöse Gefühle verletzt wurden“ und dass die gewählte Darstellungsform bei vielen Menschen „Irritation, Unverständnis und Ärger ausgelöst hat – insbesondere an einem Hochfest wie Weihnachten“.
Zugleich kritisierte die Diözese, dass es während des Gottesdienstes zu „Abweichungen von der geltenden liturgischen Ordnung“ gekommen sei. Die Feier sei freier gestaltet worden, als dies zulässig sei, berichtete die „Katholische Nachrichtenagentur" (KNA). Künftig sollen bei Gottesdienstübertragungen die „Abstimmungs- und Entscheidungsprozesse verbindlich geschärft werden, um sowohl der kirchlichen Verantwortung als auch der besonderen Sensibilität solcher Formate gerecht zu werden“, so das Bistum.
1.400 Beschwerde-E-Mails beim SWR
Auch die Verantwortlichen für die Gestaltung und Übertragung der Christmette beim Südwestrundfunk (SWR) äußerten Bedauern. „Dass die Christmette an Heiligabend auf Missfallen gestoßen ist und sich Menschen in ihrem Glauben verletzt gefühlt haben“, bedauere man sehr, sagte eine Sprecherin des SWR gegenüber der KNA. Zu keinem Zeitpunkt habe man eine Provokation oder eine Herabwürdigung zentraler Glaubensinhalte beabsichtigt. Nach Angaben der KNA erreichten den SWR rund 1.400 Beschwerde-E-Mails.
Gezeigt wurde die umstrittene Krippendarstellung in einer von der ARD ausgestrahlten Christmette aus der Stuttgarter Kirche Sankt Maria. Die Installation war eigens für diesen Gottesdienst von der Künstlerin Milena Lorek geschaffen worden. Die „Bild“-Zeitung bezeichnete die Darstellung als „Schleim-Jesus“ und zitierte mehrere Politiker. Der Stuttgarter CDU-Lokalpolitiker Klaus Nöpper nannte die Darstellung „eklig“. Der frühere CDU-Bundestagsabgeordnete Maximilian Mörseburg erklärte: „Vertreter beider großen Kirchen führen unsere Religion immer öfter ins Absurde und nehmen ihr die Würde.“ Auch im Internet wurde die Inszenierung vielfach kritisiert.
Rundfunkpfarrer Thomas Steiger hingegen verteidigte die Darstellung. Die Krippe zeige einen echten Menschen, sagte er. Er liege dort „elend, nackt und bloß“. „So radikal wird Gott Mensch: nah, berührbar, ohne Distanz, echt.“ DT/dsc
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