Der Wiener Kardinal Christoph Schönborn ist nicht mehr Mitglied der Kardinalskommission, die die Aufsicht führt über das „Institut für religiöse Werke“ (IOR) - die „Bank“ des Vatikans. Diese Kommission besteht aus fünf Kardinälen und ernennt den fünfköpfigen Aufsichtsrat der Vatikanbank und auf Empfehlung des Aufsichtsrats auch deren Generaldirektor und den Vize-Generaldirektor. Schönborn gehörte seit Januar 2014 der Kardinalskommission an und wurde deren Präsident im Mai 2024.
Einen Tag vor dem 81. Geburtstag des ehemaligen Erzbischofs von Wien ernannte Papst Leo an dessen Stelle den spanischen Salesianer Kardinal Ángel Fernández Ártime zum Mitglied der Kommission. Dieser ist seit Januar 2025 Pro-Präfekt des Dikasteriums für die Institute geweihten Lebens und für die Gesellschaften apostolischen Lebens. Zwar hat das Bulletin des Vatikans die Ernennung des spanischen Kardinals am 21. Januar veröffentlicht, aber nicht erwähnt, wessen Stelle Fernández Ártime einnimmt. Aus der Online-Version des Päpstlichen Jahrbuchs, das für Mitarbeiter des Vatikans kostenlos und für Außenstehende gegen Bezahlung einsehbar ist, geht jedoch hervor, dass es sich bei dem aus der Kommission ausscheidenden Mitglied um den emeritierten Erzbischof von Wien handelt.
IOR kehrt in traditionelle Rolle zurück
Im Mai 2024 hatte Schönborn die Nachfolge des damals bereits 88-jährigen Spaniers Kardinal Santos Abril y Castelló angetreten, der seit 2014 im Amt war. Damals trat der heute 79 Jahre alte Schweizer Emil Paul Tscherrig, der bis März letzten Jahres Nuntius in Italien und San Marino war, in die Kommission ein. Auch diese Nachricht wurde nicht im vatikanischen Bulletin veröffentlicht, sondern war auf der offiziellen Website des IOR zu finden. Nach der Ablösung des Dominikaners Schönborn durch den Salesianer Fernández Ártime wurde diese Website nun jedoch nicht rechtzeitig aktualisiert.
Diese unterschiedliche Art der Kommunikation - die erste unüblich, die zweite institutionell – ist ein weiteres Zeichen dafür, dass das IOR, das unter Papst Franziskus eine herausragende Rolle in der Wirtschafts- und Finanzstruktur des Vatikans eingenommen hatte, nun unter Leo XIV. wieder in seine traditionelle Rolle zurückgeführt wird.
Derzeit gehören neben Fernández Ártime und Tscherrig drei weitere Kardinäle der Kommission an, die alle im Juli 2020 ernannt wurden: der 69-jährige Philippiner Luis Antonio Tagle, Pro-Präfekt der zweiten Sektion des Dikasteriums für Evangelisierung, der 78-jährige Italiener Giuseppe Petrocchi, emeritierter Erzbischof von L’Aquila, und der 62-jährige Pole Konrad Krajewski, Präfekt des Dikasteriums für den Dienst der Nächstenliebe.
Neuer Präsident noch nicht bekannt
Fernández Ártime hat Schönborn als Mitglied der Kommission abgelöst, aber es wurde noch nicht bekannt gegeben, wer der neue Präsident sein wird. Gemäß der Satzung besteht die Kardinalskommission aus fünf Kardinälen, die vom Papst für fünf Jahre ernannt werden und einmal wiederernannt werden können. Sie überwacht die Einhaltung der Satzungsvorschriften durch das Institut und ernennt den sogenannten „Prälaten des IOR“, ein Amt, das seit 2013 von Prälat Battista Mario Salvatore Ricca bekleidet wird, sowie die sieben Laienmitglieder des Aufsichtsrats.
Vorsitzender dieses aus Laien bestehenden Aufsichtsrats ist der 2014 ernannte Franzose Jean-Baptiste Douville de Franssu. Weitere Mitglieder sind der Deutsche Georg von Boeselager, der Spanier Javier Marin Romano, der Niederländer Bernard Brenninkmeijer, die US-Amerikanerin Elizabeth McCaul, der Luxemburger François Pauly und die Philippinin Sheila Marie Uriarte-Tan. Gemäß der Satzung, die auch für den Prälaten und die Mitglieder des Aufsichtsrats eine Amtszeit von fünf Jahren vorsieht, die nur einmal verlängert werden kann, laufen die Amtszeiten sowohl von Prälat Ricca als auch von de Franssu aus.
Der Autor ist Vatikanberichterstatter und lebt in Rom.
Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.










