Medienpastoral

Das katholische Fernsehen EWTN wird vierzig Jahre alt

Das katholische Fernsehen EWTN wird vierzig Jahre alt und sendet seit gut zwanzig Jahren auf Deutsch. Fragen an Martin Rothweiler, Programmdirektor und Geschäftsführer des Senders.
Foto: EWTN.TV | Der Start der Sendeabwicklung am 29. März dieses Jahres in Köln. Martin Rothweiler (links) und Thomas Korzekwa (rechts), der Leiter Sendeabwicklung.

Herr Rothweiler: 40 Jahre EWTN, aber auch gut 20 Jahre EWTN auf Deutsch, dazu eine neue deutsche Sendezentrale in Köln. War Ihnen jetzt zum Feiern zu Mute?

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Wenn ich auf die 20 Jahre von EWTN.TV in Deutschland blicke und auf den Sendestart am 15. August 1981, dann kann ich das nur mit großer Dankbarkeit gegenüber Gott und all jenen tun, die durch ihr Gebet und ihre tatkräftige finanzielle Unterstützung all das ermöglicht haben. Die Dankbarkeit ist ein Grund, um zu feiern. Denn was Mutter Angelica, eine einfache Klarissin, mit 200 Dollar in der Garage ihres Klosters ins Leben gerufen hat, ist heute der größte katholische Fernsehsender, der weltweit 380 Millionen Haushalte in 150 Ländern erreicht. Auch in vielen Ländern Europas wächst EWTN, und zwar aus den Ländern selbst heraus, so etwa in Großbritannien, Polen, Rumänien, Ungarn, Irland, Slowakei, Spanien, in der Ukraine, den Niederlanden und in den skandinavischen Ländern.

Wie hat man in den Vereinigten Staaten das runde Jubiläum am 15. August gefeiert?

Corona-bedingt konnten leider keine örtlichen Feierlichkeiten stattfinden. Stattdessen hat man – wie könnte es bei einem Fernsehsender anders sein – medial gefeiert mit der Live-Übertragung einer Dankesmesse sowie einer Sondersendung, bei der zum ersten Mal der „Mutter-Angelica-Preis“ verliehen wurde. Mit dem Preis sollen nunmehr jährlich Persönlichkeiten oder Organisationen geehrt werden, die sich beispielhaft für die Neuevangelisierung eingesetzt haben.

„Fragen nach dem Sinn des Lebens,
nach dem, ob und was uns nach dem Tod erwartet,
ob es trotz aussichtlosen Leids Grund zur Hoffnung gibt,
gehören doch zum eigentlichen Proprium unseres Glaubens“

Sagen Sie doch bitte etwas zum ersten Preisträger des Mutter-Angelica-Preises, der ab jetzt jährlich vergeben werden soll?

Der erste Preisträger ist Charles J. Chaput, der emeritierte Erzbischof von Philadelphia. Chaput ist in vielerlei Hinsicht ein Modell dafür, wie ein Bischof mit Laien zusammenarbeiten kann, um die Kirche zu fördern und zu evangelisieren. Das hat Michael P. Warsaw, Chairman und CEO von EWTN, bei der Auszeichnung hervorgehoben. Chaput hat Laienapostolate wie FOCUS (Fellowship of Catholic University Students) und ENDOW (Educating on the Nature and Dignity of Women) sowie viele andere Initiativen gefördert und ermutigt. Nach eigenen Worten ist Chaput von der Apostelgeschichte und von Worten Papst Benedikts XVI. inspiriert worden, dass jeder für die Kirche verantwortlich ist, nicht nur der Klerus.

In seiner Heimat scheint der Fernsehsender EWTN in der Mitte der Kirche angekommen zu sein. Gilt das auch für den deutschen Sprachraum?

Wir haben zwar im deutschsprachigen Europa unter den Gläubigen noch nicht den Bekanntheitsgrad erreicht, den EWTN in den Vereinigten Staaten genießt. Aber wenn ich an die vielen dankbaren Zuschauerreaktionen denke und uns ein Bischof schrieb, dass er viele Menschen kenne, die für unser Programm dankbar seien, und er sich besonders darüber freue, dass wir in der Zeit der Pandemie nicht Angst befördern, sondern immer wieder versuchen, Gott und das Evangelium in die Mitte zu stellen, dann, denke ich, sind wir in der Mitte der Kirche angekommen. Auch unsere Live-Übertragungen von Gottesdiensten etwa aus dem Kölner Dom, aus Kevelaer und von anderen Orten oder von Ereignissen mit dem Papst wie den Weltjugendtagen zeigt die Präsenz von EWTN in der Mitte der Kirche. So werden wir vom Internationalen Eucharistischen Kongress, der vom 5. bis 12. September 2021 in Budapest stattfindet, so umfangreich übertragen wie niemand sonst. Und da geht es um die Mitte der Kirche, um Jesus Christus in der Eucharistie. In Deutschland hört man bis dato leider kaum etwas davon.

Klare Orientierung am Lehramt

Als Sie mit dem deutschen Programm von EWTN anfingen, war Johannes Paul II. noch Papst. Was hat sich seither für Sie geändert?

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Die zentrale Botschaft ist die gleiche geblieben und die Mission auch. Daran hat sich nichts geändert. Wir sehen vielleicht heute noch deutlicher als zuvor, wie wichtig in diesen verwirrenden Zeiten Sendungen sind, die darüber aufklären, was die Kirche sagt und warum sie es sagt. Die klare Orientierung am Lehramt der katholischen Kirche und katechetische Programme sind bei EWTN.TV zentral. Glaubensunterweisung hat hierzulande seit Jahrzehnten leider ein stiefmütterliches Dasein geführt. Heute wundert man sich, dass – kurz gesagt – viele Gläubigen die Lehre der Kirche nicht verstehen. Das liegt eben nicht allein an der viel beschworenen „neuen Lebenswirklichkeit“. Die Bedeutung der Sakramente, die Lehre über Ehe und Familie: vieles von dem ist hierzulande von Strukturdebatten überschattet und von den ewigen Diskussionen über Themen, die schön längst entschieden sind wie das Nein zum Priestertum der Frau, um nur einen „Evergreen“ unserer innerkirchlichen Debatten zu erwähnen. Wir müssen vor allem erst einmal für Christus begeistern. Alles andere folgt letztlich daraus.

Verzeichnen Sie mit Ihrem deutschen Programm noch Zuwachsraten?

Ja, unser Sender wächst nach wie vor. Sicher hat auch die Pandemie dazu beigetragen, dass EWTN bekannter wurde, weil man nach Möglichkeiten gesucht hat, wenigstens am Fernsehen die heilige Messe zu feiern. Wenn es eines Beweises bedurft hätte, wie wichtig ein katholischer Fernsehsender wie EWTN.TV ist, dann hat das die Zeit der Pandemie offenbar gemacht. Viele haben ihre seelischen und geistlichen Nöte mit uns geteilt und um Gebetsunterstützung gebeten. Unser Angebot von drei bis vier Eucharistiefern am Tag und auch die tägliche Eucharistische Anbetung sind enorm angenommen worden. Das macht kein öffentlich-rechtliches Fernsehen. Hier würde ich mir wünschen, dass unser Dienst auch von auch der „Amtskirche“ stärker beworben wird. Denn er ist wirklich eine Unterstützung der Seelsorge vor Ort.

Es gibt mehr als Klima und Soziales

 

Aber merken Sie nicht auch, dass das Segment der an ihrem Glauben interessierten Katholiken kleiner wird?

Wie gesagt, bis dato haben wir ein Wachstum zu verzeichnen. Ich mache eher die Erfahrung, dass gerade auch junge Menschen wieder mehr über ihren Glauben erfahren wollen und verlässliche Quellen suchen, wo ihnen nicht nach dem Munde geredet wird und Antworten auf existenzielle Fragen gegeben werden. Es mag sein, dass das Segment kleiner geworden ist. Aber wenn wir die Themen triggern, die die tiefsten existenziellen Fragen angehen, und nicht nur Klima und Soziales, dann erfahre ich Neugierde und Interesse. Fragen nach dem Sinn des Lebens, nach dem, ob und was uns nach dem Tod erwartet, ob es trotz aussichtlosen Leids Grund zur Hoffnung gibt, gehören doch zum eigentlichen Proprium unseres Glaubens. Wenn die Kirche sich dazu– mit Blick auf Christus – nicht mehr vernehmlich äußert, dann wird sie gesellschaftlich immer irrelevanter. Wer kann denn auf die Sehnsucht nach Angenommen-Sein und Geliebt-Sein, die in allen Menschen präsent ist – wenn auch bisweilen verschüttet – eine bessere Antwort geben?

Zur EWTN-Familie gehören auch der deutsche Onlinedienst CNA und im englischsprachigen Raum die Zeitung The National Catholic Register und der Verlag EWTN Publishing. Wollen Sie auch im deutschsprachigen Raum den crossmedialen Auftritt stärken?

Im deutschen Sprachraum besteht ja neben EWTN.TV bereits die Nachrichtenagentur CNADeutsch. Das ist ein großer Gewinn für uns und eine besondere Stärke von EWTN, dass wir hier bereits crossmedial präsent sind. Die Crossmedialität ist heute sicher sehr wichtig, kann aber auch durch Kooperationen bzw. strategische Partnerschaften erfolgen.

Mutter Angelica war mit Humor gesegnet

Was verdanken Sie persönlich der EWTN-Gründerin Schwester Angelica?

Ich bin froh und dankbar, Mutter Angelica persönlich mehrmals begegnet zu sein. Im Sommer 1999 lernte ich sie als eine Frau kennen, die mit beiden Beinen auf dem Boden steht, mit Humor gesegnet ist und ein enormes Gottvertrauen besitzt. Sie ist wirklich eine Botschafterin der göttlichen Vorsehung. Darauf auch in unserer Arbeit immer wieder zu vertrauen, ist ihr Vermächtnis.

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