Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Kommentar um "5 vor 12"

Auf nach Kiew, Heiliger Vater!

Die Kirche muss an die Ränder gehen, fordert Papst Franziskus. Deshalb sollte er jetzt in die Ukraine reisen.
George William Vella, Präsident von Malta, empfängt Papst Franziskus
Foto: Rene Rossignaud (AP) | George William Vella, Präsident von Malta, empfängt Papst Franziskus, als er am internationalen Flughafen von Malta ankommt.

Roberta Metsola hat es getan: Die aus Malta stammende Präsidentin des Europäischen Parlaments ist nach Kiew gereist, um dem ukrainischen Volk und seinem Präsidenten die Solidarität Europas zu demonstrieren. Vor ihr waren die Regierungschefs von Polen, Tschechien und Slowenien gemeinsam in einen Zug gestiegen und durch Kriegsgebiet nach Kiew gefahren – aus dem selben Grund. Zeichenhandlungen, die sich ins kollektive Gedächtnis eines leidgeprüften Volkes einprägen!

Papst Franziskus sollte dem klaren Zeugnis dieser mutigen Politiker folgen und in die Ukraine reisen: Jetzt, wo die Not am größten ist. Nicht nur Millionen ukrainischer Katholiken sehnen sich nach der Nähe des Heiligen Vaters. Präsident Wolodymyr Selenskyj, ein gläubiger Jude, und Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko, der als Erwachsener die orthodoxe Taufe empfing, appellierten an Papst Franziskus, jetzt nach Kiew zu kommen.

Franziskus schließt eine Reise nicht aus

Immerhin schließt der Papst eine solche Reise nicht mehr aus. Auf dem Flug nach Malta sagte der Heilige Vater am Samstag auf eine Journalisten-Frage, ob er die Einladung nach Kiew annehmen wolle: „Ja, das liegt auf dem Tisch.“ Zuvor hatte der päpstliche Nuntius in der Ukraine behauptet, eine solche Reise sei aus Sicherheitsgründen derzeit nicht möglich. Aber wenn sie für die Präsidentin des Europäischen Parlaments und für drei mitteleuropäische Ministerpräsidenten möglich war, warum sollte es dann dem Papst unmöglich sein, nach Kiew zu reisen?

Lesen Sie auch:

Papst Franziskus hat den Krieg lautstark und wiederholt verurteilt, er hat dem Moskauer Patriarchen Kyrill, der zum ideologischen Kombattanten Putins wurde, deutlich ins Gewissen geredet, er hat Russland und die Ukraine der Gottesmutter anempfohlen. Jetzt sollte er sich auf den Weg machen, um persönlich bei den Leidenden und Attackierten zu sein, die Trauernden zu trösten, die Gedemütigten aufzurichten und der Weltöffentlichkeit die Augen zu öffnen.

Der Rand, an den die Kirche gehen soll, liegt jetzt in der Ukraine

„Ja, es wäre ein positives Zeichen, wenn er persönlich kommen würde“, bestätigt der Rektor des Collegium Orientale, der ukrainische Erzpriester Oleksandr Petrynko, im Gespräch mit der „Tagespost“. Seine Begründung ist überzeugend: „Der Papst beauftragt alle, an die Ränder zu gehen. Jetzt ist der Rand in der Ukraine!“ In der Tat: Mehr als alle Worte würde die Anwesenheit des Heiligen Vaters in der Ukraine ein moralisches Gegengewicht zur Kriegspropaganda der russischen Orthodoxie setzen.

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Stephan Baier Collegium Orientale Russlands Krieg gegen die Ukraine Mutter Gottes Orthodoxe Kirche Papst Franziskus Päpste Vitali Klitschko Wladimir Wladimirowitsch Putin Wolodymyr Selenskyj

Weitere Artikel

Selenskyj ist ein Held, aber kein Heiliger und die Ukraine ist nicht perfekt. Trotzdem geht der Vorschlag, jetzt Wahlen abzuhalten, in die Irre.
26.08.2026, 16 Uhr
Stephan Baier
Unterstützung für Washington und goldene Brücken für Moskau: ein Gespräch mit dem Politikwissenschaftler Mariano Barbato über die vatikanische Diplomatie in der Ukrainefrage. 
04.09.2026, 13 Uhr
Benjamin Leven
Papst Leo hat die Bischöfe seines Landes geeint. Darauf ein Mahl, wie es römischer nicht sein könnte.
19.04.2026, 05 Uhr
Mario Monte

Kirche

Die Schönstätter Marienschwestern feiern 100-jähriges Bestehen: Die Generaloberin Schwester Joanna M. Buckley erläutert die Ziele ihrer marianisch geprägten Pädagogik.
04.10.2026, 15 Uhr
Regina Einig
Erntedank: Warum wir nicht nur einmal im Jahr für volle Erntekörbe danken sollten, sondern täglich auch für das, was anders kommt als geplant.
04.10.2026, 08 Uhr
Dorothea Schmidt
Sie besucht einen Monat lang die Bistümer Augsburg, Freiburg und Limburg: Die Reliquienreise der heiligen Bernadette steht fest. Auf der Liste stehen 18 Klöster und Kirchen.
01.10.2026, 18 Uhr
Meldung
Wir können uns nicht immer zum Richter über alles aufschwingen. In einem freien Akt der Anerkennung von etwas Größerem wird das Gute für uns sichtbar.
04.10.2026, 19 Uhr
Engelbert Recktenwald