Im Nachsynodalen Apostolischen Schreiben „Sacramentum caritatis“ aus dem Jahr 2007 erwähnte Papst Benedikt XVI. im Zusammenhang mit dem Sonntagsgebot das Zeugnis einer Gruppe frühchristlicher Märtyrer: „Zu Beginn des vierten Jahrhunderts war der christliche Gottesdienst von den kaiserlichen Autoritäten noch verboten. Einige Christen aus Nordafrika, die sich zur Feier des Tages des Herrn verpflichtet fühlten, trotzten dem Verbot. Sie wurden hingerichtet, während sie erklärten, dass es ihnen unmöglich sei, ohne die Eucharistie, die Speise des Herrn, zu leben.“ Sie sind im Martyrologium Romanum unter dem Datum des 12. Februar verzeichnet: „Zu Karthago: das Gedächtnis der heiligen Märtyrer von Abitene. Als sie in der Zeit der Verfolgung durch Kaiser Diokletian gegen das Verbot des Fürsten zusammengekommen waren, den Tag des Herrn in der gewohnten Weise zu feiern, wurden sie vom Magistrat der Stadt und dem Militärposten ergriffen, nach Karthago gebracht und dort vom Prokonsul Anulinus verhört. Auch unter der Folter bekannten sich alle als Christen und erklärten, dass das Opfer des Herrn nicht unterlassen werden könne. Deswegen vergossen sie an verschiedenen Orten und zu verschiedenen Zeiten ihr heiliges Blut.“
Der historische Hintergrund ihres Martyriums ist die Reform des Römischen Reiches unter Kaiser Diokletian, in deren Rahmen das Christentum beseitigt werden sollte, um den Staatskult zu stärken. Christen im Staatsdienst wurden inhaftiert und alle Bürger unter Androhung der Todesstrafe aufgefordert, dem Kaiser ein religiöses Opfer darzubringen, um ihre Loyalität unter Beweis zu stellen. Christliche Gottesdienste wurden verboten, und Diokletian ordnete an, alle heiligen Schriften – die liturgische Grundlage für die sonntägliche Eucharistiefeier – auszuhändigen, um sie zu verbrennen.
Gottesdienste in Privathäusern
In Abitene, das zur Kirchenprovinz Karthago im heutigen Tunesien gehörte, hatte der Ortsbischof Fundanus den staatlichen Anordnungen Folge geleistet und die Pergamentrollen mit den heiligen Schriften den Behörden übergeben. Einige konnten jedoch gerettet und versteckt werden, und eine Gruppe Gläubiger um den Priester Saturninus versammelte sich sonntags weiterhin heimlich zur Feier der Eucharistie. Einige Männer und Frauen aus der Stadt Karthago, darunter der Senator Dativus, schlossen sich dieser Untergrundgemeinde an, die in verschiedenen Privathäusern den Gottesdienst feierte.
Anfang Februar 304 waren 49 Personen im Haus eines Christen namens Octavius Felix versammelt, als der Raum von Soldaten gestürmt wurde. Die ganze Gemeinde wurde festgenommen und zum Forum getrieben, wo der zuständige Beamte anordnete, sie in Ketten nach Karthago abzuführen, um ihnen den Prozess zu machen. Die Christen von Abitene wurden vom Prokonsul Anulinus verhört. Von dem Prozess sind Gerichtsakten erhalten, die als wichtiges historisches Zeugnis betrachtet werden können, auch wenn sie später durch legendäre Elemente ausgeschmückt wurden. Als erster wurde den Berichten zufolge der Senator Dativus verhört. Als er sich weigerte, den Namen dessen preiszugeben, der für die Organisation der Gottesdienste verantwortlich war, wurde er mit einem Eisenhaken zu Tode gefoltert.
Christen brauchen die Eucharistie
Auch der Priester Saturninus starb im Gefängnis an den Folgen von Folter. Befragt, warum er die Gottesdienste gefeiert habe, hatte er gesagt, dass der Sonntagsgottesdienst ein Gesetz Christi sei. Ebenso bekannte sich der Lektor Emeritus, der sein Haus für Gottesdienste zur Verfügung gestellt hatte. Von ihm stammt der wohl berühmteste Satz, der von dieser Gruppe überliefert ist: „Sine dominico non possumus.“ Das Wort „dominicus“ kann sowohl „Herr“ als auch „Sonntag“ bedeuten – Christen können ohne die Eucharistie und ohne den Sonntag nicht leben. Alle wurden verhört und zum Tode verurteilt. Einige wurden hingerichtet, andere starben noch im Gefängnis an den Folgen der Folter.
Der heilige Augustinus (die Aufnahme zeigt seine Statue vor dem Päpstlichen Patristischen Institut Augustinianum) datierte den Prozess in Karthago auf den 12. Februar; daher wurde er als Gedenktag der Märtyrer von Abitene festgelegt. Sie sind bis heute eindrucksvolle Zeugen für die Heiligung des Sonntags.
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