Wir reisen zurück in das Jahr 1802, das heißt mehr als 200 Jahre in die Vergangenheit. Die Reise geht an einen sehr besonderen Ort in Italien. Dieser befindet sich unter der Erde. Es sind die Katakomben von Rom, ein unterirdischer Friedhof mit einer Größe von mehreren Quadratkilometern. Wer schon einmal dort war, weiß, dass an diesem Ort eine ganz besondere Atmosphäre herrscht. Das hat einen bestimmten Grund. Die frühen Christen, welche unter schweren Verfolgungen litten, wurden hier begraben. Viele davon starben als Märtyrer – das heißt, sie starben für ihren Glauben an Jesus. Wir glauben, dass die Märtyrer direkt in den Himmel kommen.
Jetzt aber los zu unserem Abenteuer! Wir sind unterwegs in der sogenannte Priscilla- Katakombe, zusammen mit dem Grabarbeiter Tommaso Putini. „Ich glaube, es verbergen sich noch wahre Schätze in diesen dunklen Gängen der Katakombe“, sagt er mit geheimnisvoll klingender Stimme. Aufgeregt folgen wir dem Grabarbeiter, welcher mit einer Hacke ausgestattet voran geht. Plötzlich stehen wir vor einem Stollen, einem unterirdischen Gang, der mit Erde zugeschüttet ist. Putini beginnt vorsichtig mit seiner Hacke die Erde abzutragen, bis er auf einmal ganz euphorisch wird. „Seht euch das an! Ich bin auf einige Ziegel gestoßen. Und auf diesen Ziegeln erkenne ich doch tatsächlich eine Palme. Wisst ihr, was das bedeutet? Wir sind sehr nahe am Grab eines Märtyrers. Wir müssen sofort einem Priester von dieser großartigen Entdeckung berichten. Unter dessen Augen und den Augen vieler anderer Zeugen werden wir weiter graben. Das sind die wahren Schätze, von denen ich sprach.“
Eine kostbare Erinnerung
Wir fragen uns, was das wohl für ein Mensch gewesen sein mag, der hier vor Jahrhunderten bestattet wurde. Werden wir noch mehr herausfinden können? Eine besondere Entdeckung Ausgeschlafen und voller Tatendrang steigen wir einige Tage später erneut hinab in die Katakombe. Diesmal in Begleitung eines großen Teams, allen voran Putini und der Priester Don Filippo Ludovici. Der Grabarbeiter gräbt unter genauester Beobachtung der anderen anwesenden Personen weiter, wobei er den Grabstein eines kleinen Grabes entdeckt. „Das heißt also, es handelt sich hier um ein Kind, das für seinen Glauben als Märtyrer gestorben ist?“ fragt der Priester. „Ja, ja, so muss es sein“, antwort Putini voller Aufregung. Und wir erfahren tatsächlich noch mehr. Das Grab besteht aus drei Ziegeln. Auf diesen lesen wir folgende Buchstaben: „LUMENA PAX TE CUM FI“. Außerdem kann man noch einige Symbole entdecken: zwei Anker, drei Pfeile, eine Palme und eine Blume. Was soll das nur alles bedeuten? Und dann sehen wir, dass Putini plötzlich eine zerbrochene kleine Vase aus der Grabnische herausträgt. „Hier sehen Sie, eine schwärzliche Ablagerung befindet sich auf dem Boden der Vase. Es muss das Blut dieses Märtyrers sein. Eine kostbare Reliquie also“, erklärt Putini. Ob es wohl ein Mädchen oder ein Junge war? Wie hieß dieser Märtyrer und was sollen wohl die geheimnisvollen Buchstaben und Symbole bedeuten?
Mit all diesen Fragen steigen wir wieder aus der Katakombe hinaus. Um Antworten auf diese Fragen zu finden, reisen wir doch einfach wieder in das Jahr 2025 zurück. Denn heute wissen wir, dass der erste Ziegel versehentlich falsch herum eingemauert war. Setzt man den ersten Ziegel an die dritte Stelle ergibt dies die lateinischen Worte: PAX TECUM FILUMENA. Auf deutsch: „Friede sei mit dir, Philomena“. Es wurde also das Grab der heiligen Philomena gefunden, einem jungen Mädchen von ungefähr 15 Jahren. Kinder, ist das nicht erstaunlich? Da stirbt ein junges Mädchen für Jesus Christus und wird in ein Grab in den Katakomben gelegt. Dort liegt der Leichnam 1.500 Jahre ganz verborgen bis er, wie ihr nun bezeugen könnt, gefunden wird. Dass dieses Mädchen heute in der ganzen Welt bekannt ist, ist ein echtes Wunder.
Ein unheimlich starker Glaube
Vielleicht fragt ihr euch jetzt aber immer noch, was die zwei Anker, die drei Pfeile und die Blume auf ihrem Grabstein bedeuten. Es sind Zeichen, die etwas über Philomenas Leben erzählen und die Art, wie sie gestorben ist. Es gab eine Ordensschwester, der die Heilige im Traum erschienen sein soll. Dort hat sie gesehen, dass Philomena Jesus schon mit elf Jahren versprochen hat, allein für Jesus zu leben und nie einen Mann zu heiraten. Doch der Kaiser Diokletian, welcher die Christen sehr verfolgte, wollte Philomena zur Frau nehmen, weil er sie wunderschön fand. Philomena wollte das auf keinen Fall. Darüber war der Kaiser so böse, dass er Philomena ins Gefängnis steckte und sie sehr schlecht behandeln ließ. Ihr wurde ein Anker um den Hals gebunden, mit dem sie in den Fluss Tiber geschmissen wurde. Doch auf wundersame Weise wurde sie von zwei Engeln gerettet. Dann versuchte Diokletian, das Mädchen in seinem Zorn mit drei brennenden Pfeilen beschießen zu lassen, doch diese schossen zurück auf die Schützen und sie mussten sterben. Der Kaiser sah, dass Philomena einen göttlichen Schutz hatte, was ihn rasend wütend machte, bis er sie enthaupten ließ. Die Blume, vermutlich eine Lilie, steht für die Reinheit der Seele Philomenas, die, so glauben wir, nach ihrem Tod direkt heim zu Gott flog. Sie blieb Jesus immer treu. Vom Himmel her wirkt sie durch ihre mächtige Fürsprache bis heute unzählige Wunder.
Wenn wir weiter auf die Spurensuche der heiligen Philomena gehen, führt uns der Weg auch in ein kleines Dorf in Frankreich: nach Ars. Dort wurde die Heilige vom Himmel aus zu einer ganz engen Freundin des Dorfpfarrers. Vielleicht kennt ihr ihn: Johannes Maria Vianney, der Pfarrer von Ars, ist selbst ein großer Heiliger. Er lebte seinen Glauben mit einer solchen Hingabe, sodass sich ein ganzes Dorf bekehrte und bis heute Menschen aus aller Welt anzieht. In der Kirche von Ars ließ der Pfarrer eine Kapelle mit den Reliquien der heiligen Philomena errichten. An diesem Ort geschahen unendlich viele Heilungen, Bekehrungen und andere Wunder. Menschen im Rollstuhl konnten plötzlich wieder laufen, Blinde wieder sehen und Sterbenskranke wurden gesund. Einmal war der Pfarrer von Ars selbst dem Tode sehr nahe. Die Dorfbewohner und die vielen Pilger flehten Gott um die Heilung ihres geliebten Pfarrers an und baten dabei die heilige Philomena um ihre mächtige Fürsprache. Die Ärzte waren sich sicher, dass er sehr bald sterben würde. Der Pfarrer wünschte sich jedoch, dass man die heilige Messe zu Ehren Philomenas feiern solle. Als die Messe beendet war, sagte er auf seinem Krankenbett liegend: „Ich bin geheilt.“ Und so war es auch. Die Entdeckung des Grabes der heiligen Philomena hat große Kreise gezogen. Es zeigt, wie viel durch einen einzigen Menschen, der sein Leben für Jesus Christus hingibt, bewirkt werden kann. Wenn wir Gott unser Leben schenken, werden auch wir viele solche Abenteuer mit ihm erleben.

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.










