Es war ein warmer Frühlingstag, als Maxi und Leni mit ihren Großeltern auf dem weiten Platz vor der Erscheinungskapelle in Fatima standen. Eine Wallfahrt – so hatten Oma und Opa es genannt. Für die Kinder war es ein großes Abenteuer. Portugal war weit weg von zu Hause, und der Ort Fatima klang geheimnisvoll. Oma hatte oft davon gesprochen, wie die Muttergottes hier drei Kindern – Lucia, Francisco und Jacinta – im Jahr 1917 erschienen sei, um ihnen eine wichtige Botschaft für die Welt zu überbringen. Und nun knieten sie an genau diesem Ort und grüßten die Muttergottes mit einem kleinen Gebet.
„Schau mal da vorne“, flüsterte Leni plötzlich und zeigte auf eine Frau im Rollstuhl, die neben der Kapelle saß. Das Gesicht der armen Frau war voller Schmerz, und sie weinte laut: „Warum lässt Gott das zu? Warum hilft mir niemand? Ich bete, aber die Muttergottes schweigt!“ Maxi und Leni blickten sich ratlos an. Es war das erste Mal, dass sie jemanden so traurig über den Glauben sprechen hörten – und das ausgerechnet hier, an einem so heiligen Ort. Oma bemerkte ihre ernsten Gesichter. „Kommt, Kinder, wir wollen ein ‚Gegrüßet seist du Maria’ für die Frau beten.“ Anschließend erhob sie sich und meinte: „So, und jetzt haben wir eine Verabredung. Ich möchte euch jemand ganz Besonderen vorstellen. Wir haben ja schon von Lucia, einem der Kinder gesprochen.“ – „Klar!“, sagte Maxi eifrig. „Sie war die Älteste von den dreien.“ „Genau“, sagte Oma lächelnd. „Und heute trefft ihr jemanden, der sie persönlich kannte: meine alte Freundin Anna. Lucia war ihre Tante.“
Beim Spielen trafen die Kinder einen Engel
Anna wartete schon auf sie. Sie war eine warmherzige Frau mit strahlenden Augen. „Bem-vindos – willkommen in Fatima“, sagte sie. „Ich freue mich, euch die Geschichte dieses Ortes erzählen zu dürfen – so, wie ich sie von meiner Tante Lucia selbst gehört habe: Im Jahr 1916, also ein Jahr vor den Marienerscheinungen“, begann Anna, „erschien den drei Kindern – Jacinta, Francisco und meiner Tante Lucia, die damals nur sechs bis neun Jahre alt waren – ein Engel. Sie spielten gerade auf einer Wiese, als sie plötzlich einen schönen, jungen Mann sahen, der sich als ‚Engel des Friedens’ vorstellte. Er lehrte die Kinder, zu beten und Gott mit ganzem Herzen zu lieben. Dreimal ist er ihnen erschienen und sagte: ‚Betet, betet viel! Die Herzen Jesu und Mariens hören auf eure Bitten.’ Und er reichte ihnen zum ersten Mal die heilige Kommunion, damit sie mit Jesus im Herzen Helfer der Muttergottes werden könnten.“
„Wow“, sagte Leni ehrfürchtig. „Das ist ja wie im Himmel!“ Anna nickte. „Ja, und das war nur der Anfang. Am 13. Mai 1917, als die drei Kinder gerade Schafe hüteten, erschien ihnen über einem Eichenbaum dann zum ersten Mal die Muttergottes – eine wunderschöne Frau in einem weißen Kleid mit einem Rosenkranz. Sie blickte die Kinder voller Liebe an und bat sie, häufig den Rosenkranz zu beten und an jedem 13. des Monats wiederzukommen. Lucia spürte einen großen inneren Frieden und fragte sie, ob sie aus dem Himmel sei – und sie antwortete: ‚Ja, ich komme vom Himmel.’“ „Aber nicht alle glaubten den Kindern“, fuhr Anna fort. „Besonders die Behörden waren sehr misstrauisch. Sie behaupteten, die Kinder hätten alles erfunden. Im August sperrte man sie sogar ins Gefängnis. Man versuchte, ihnen alles auszureden, und drohte sogar, sie in kochendes Öl zu werfen – aber sie blieben standhaft.“ – „Aber das waren doch nur Kinder!“, rief Maxi empört. „Da hätte ich Angst gehabt.“ – „Mit den anderen Gefangenen – das waren richtige Verbrecher – haben sie sogar den Rosenkranz gebetet“, sagte Anna stolz. „Und Tante Lucia erzählte später, dass sie dort besonders stark gespürt habe, dass die Muttergottes bei ihnen war.“
Dank der Kinder glaubten Menschen an Gott
Anna machte eine kurze Pause, bevor sie fortfuhr: „Die Kinder waren sehr mutig. Sie wollten alles tun, um die Sünder zu retten. Sie trugen kleine Stricke um den Bauch, verzichteten auf ihr Mittagessen und beteten viel. Sie verstanden, dass echte Liebe manchmal auch Opfer bedeutet. Besonders Jacinta war sehr liebevoll – sie betete oft mit Tränen in den Augen für die Bekehrung der bösen Menschen.“ – „Und hat sich wirklich was verändert?“, fragte Leni. „Sehr viele Menschen haben durch die Kinder den Glauben wiedergefunden. Aber das größte Zeichen kam im Oktober.“ – „Was war das?“, wollten die Kinder unbedingt wissen. „Am 13. Oktober 1917, zur letzten der sechs Erscheinungen“, erzählte Anna, „hatten sich über 70.000 Menschen versammelt – trotz strömendem Regen.
Alle warteten auf das von der Muttergottes angekündigte Zeichen. Und dann geschah es: Die Sonne begann zu tanzen! Sie drehte sich wie ein Feuerrad, kam auf die Erde zu und sprang wieder zurück. Die Menschen schrien, weinten, lachten – alle fühlten, dass etwas Großes geschehen war. Ihre völlig durchnässten Kleider waren augenblicklich trocken!“ – „Das ist ja ein richtiges Wunder!“, rief Maxi begeistert. „Ja“, sagte Anna, „und selbst Zeitungen, die gegen die Kirche waren, mussten berichten: Das Sonnenwunder ist nicht zu leugnen. Es war ein Zeichen – aber das Wichtigste war die Botschaft der Muttergottes: Bekehrt euch zu Gott, betet und dann wird Friede sein.“
Am letzten Tag ihrer Reise gingen die Großeltern mit Maxi und Leni noch einmal zur Erscheinungskapelle. Sie wollten hier zum Abschied ein Gesätz des Rosenkranzes beten. Wieder sahen sie die Frau im Rollstuhl, doch diesmal wirkte sie anders. Sie weinte nicht mehr, sondern sah ruhig auf die Muttergottesstatue. Ihre Augen glänzten. Die Kinder traten schüchtern zu ihr. „Entschuldigung“, sagte Leni, „wir wollten Ihnen das geben.“ Sie holte aus ihrem Rucksack ein paar Bonbons und eine kleine Schokolade hervor. „Nur, damit Sie sich ein bisschen freuen können.“
Ein Sonnenwunder im Herzen
Die Frau sah die beiden an und lächelte. „Wie lieb von Euch“, sagte sie. „Aber wisst Ihr was? Ich habe gestern Abend etwas ganz Besonderes gespürt. Ich war lange traurig und wütend – aber als ich den Rosenkranz betete, wurde es ganz still in mir. Ich fühlte mich plötzlich getragen, getröstet, als ob jemand mein Herz umarmt hätte.“ – „Sind Sie gesund geworden?“, fragte Maxi vorsichtig. Die Frau schüttelte den Kopf. „Nein, mein Körper ist noch krank. Aber mein Herz ist geheilt. Ich habe Frieden gefunden. Ich verstehe jetzt: In einem betenden Herzen kann Gott Großes tun.“
Auf dem Heimweg waren die Kinder ganz still. „Meinst ihr“, fragte Maxi irgendwann, „die Frau hat beim Rosenkranzgebet auch ein Sonnenwunder erlebt – nur eben im Herzen?“ Opa lächelte. „Ja, mein Schatz. Genau so kann man das sagen. In ihr strahlt jetzt Jesus.“ Leni nickte nachdenklich: „Vielleicht ist genau das der Grund, warum die Muttergottes hier erschienen ist – um uns zu zeigen, dass sie und Jesus in jedem Herzen Wunder wirken können.“ Sie blickten noch einmal zurück zur Kapelle, wo die Sonne inzwischen golden über dem Platz stand – und sie wussten: Diese Reise würden sie nie vergessen. Ein Herzenswunder Ihr nächstes Abenteuer führt Leni und Max nach Fatima. Was dort vor über 100 Jahren passiert ist und warum das auch heute noch wichtig ist, erfahrt ihr hier!

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