Priester

Leonard Skorczyk: Ein Priester für die Generation Z

Einer der jüngsten Priester in Deutschland. Er ist Teil der Generation, die mit Smartphones aufwuchs und sich nicht binden möchte. Trotzdem findet er, dass es keine besseren Zeiten für die Evangelisation gibt als jetzt.
Leonard Skorczyk
Foto: Jacinta Fink | Eine der liebsten Tätigkeiten des jungen Kaplans ist das Predigen. Später möchte Leonard Skorczyk das Evangelium auch durch das Internet verkünden.

Schwarze Lederjacke, Vans, das Macbook unter dem Arm, eine Kamera in der Hand. Mit diesen für Leonard Skorczyk typischen Attributen hastete der Theologiestudent über den Innenhof der Hochschule Heiligenkreuz. Eilte Skorczyk zur nächsten Vorlesung? Zu einem Treffen der Studentenverbindung? Zum Debattierklub oder doch zu einer Kaffeeverabredung mit einem Freund?  Egal wie gestresst der junge Mann auch war, sein breites Lächeln und sein Optimismus gingen ihm nie abhanden.

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Digitale Affinität von Leonard Skorczyk  

Mittlerweile hat Leonard Skorczyk die Vans gegen schwarze Lederschuhe eingetauscht, die Lederjacke gegen ein Hemd mit weißem Kollar. Heute eilt er quer durch Regensburg von der Messe zum Religionsunterricht, weiter zu Beichtgesprächen und schließlich zu einem Medientermin. Seine Affinität zu digitalen Geräten, sein Lachen und die gute Laune hat er sich behalten. Skorczyk ist mit seinen 25 Jahren einer der jüngsten Priester Deutschlands. Als er im Juni 2021 durch Bischof Rudolf Voderholzer die Weihe im Dom zu Regensburg empfing, war er erst 24.

Vieles im Leben des jungen Kaplans begann früh. Als er zum Theologiestudium nach Heiligenkreuz kam, mussten seine Eltern die Einschreibung an der Hochschule für ihn durchführen, weil er noch minderjährig war. Mit 13 dachte Skorczyk zum ersten Mal darüber nach, dass es für ihn die Möglichkeit gäbe, Priester zu werden. Seine Eltern nahmen damals jeden Sonntag eine halbe Stunde Fahrzeit quer durch Hamburg in Kauf, um der Messe der Dominikaner in St. Sophien beizuwohnen, da der Glaube der Pfarrei, zu der die Familie eigentlich gehörte, den Eltern zu „verwaschen und angepasst“ war. „Bei den Dominikanern wurde das Evangelium authentisch verkündet“, erinnert sich der Kaplan. Das gute Vorbild einiger Priester in St. Sophien hätte ihn darüber nachdenken lassen, was Priestersein bedeutet.

Rationale Entscheidung

Ein Hauptgrund, warum Skorczyk heute selber Priester ist, ist die Erfahrung guter Priester. Als er älter wurde, nahm er sich geistliche Begleiter und medial-aktive Priester wie Pater Karl, der zu Skorczyks Studienzeiten noch Rektor der Hochschule Heiligenkreuz war, zum Vorbild. Der junge Kaplan hebt hervor, dass die Entscheidung, den Weg des Priestertums einzuschlagen, maßgeblich eine rationale war. „Da ich von meinen Eltern reflektiert erzogen wurde, habe ich früh über meine Fähigkeiten nachgedacht“, erklärt er. Das Priesterleben brauche zum Beispiel ein großes Maß an Flexibilität, auch an emotionaler.

Dazu Einfühlungsvermögen und rhetorische Fähigkeiten. Dass Skorczyk letzteres besitzt, merkt man an seinem schnellen Sprechen und dem akademischen Vokabular. Das Sprachvermögen wurde ihm quasi in die Wiege gelegt, da beide Eltern Juristen sind. Ein Jurastudium kam für ihn nie in Frage, sehr wohl aber überlegte er, Psychologie oder Medizin zu studieren. Der Gedanke, Theologie zu studieren, schreckte den naturwissenschaftlich begabten Abiturienten ab. Doch da, mitten in den Vorbereitungen für Aufnahmeprüfungen für das Psychologiestudium, griff Gott auf wundersame Weise ein.

Inspiriert durch Bischof Robert Barron

Skorczyk begab sich im Juli 2014 auf eine Jugendwallfahrt nach Heiligenkreuz. Auf dem Innenhof traf er auf einen älteren Pater, der ihn beim Namen nannte, ohne ihn je gesehen zu haben und fragte ihn, ob er zu einer Anbetung mitkommen möchte. Dort beichtete der 17-Jährige bei dem Priester, von dem es heißt, er besitze die Gabe der Seelenschau. „Der Pater erzählte mir, ohne mich zu kennen, mein halbes Leben und zeigte mir Gottes Ruf auf“, erinnert sich Skorczyk.

Dieses Ereignis hätte ihm Mut gegeben, seine Studienpläne zu verwerfen, die Beziehung mit seiner Freundin zu beenden und für das Theologiestudium nach Heiligenkreuz zu ziehen. Ein Jahr später trat er in das Priesterseminar des Bistums Regensburg ein. Dem eher rational veranlagten Kaplan ist es aber wichtig zu betonen, dass sich die Berufung „außerhalb der Wunder bewähren muss“. „Die Wunder, so toll sie auch sind, trugen mich nicht durch“, resümiert er.

Generation Z

Leonard Skorczyk gehört als 1996 Geborener fast schon der „Generation Z“ an. Das Aufwachsen mit den Sozialen Medien und dem Smartphone hinterließ auch bei ihm Spuren. Eine große Inspiration für ihn ist der US-Medienbischof Robert Barron, der mit seinem „Word on Fire“-Apostolat per YouTube, Podcast, Videos und Blogs Millionen über das Internet erreicht. Skorczyk sieht in der Evangelisierung durch das Internet große Vorteile: „Im Internet kannst du Sachen veröffentlichen, die Zielgruppen erreichen, die niemals sonst mit der Kirche in Kontakt kommen würden“, sagt er.

Er wisse noch nicht wie und wann, aber Skorczyk ist überzeugt davon, dass Medienarbeit in seiner Verkündigung einmal eine große Rolle spielen wird. Bis es so weit ist schult er weiterhin sein fotografisches Auge. In Heiligenkreuz fotografierte er diverse Veranstaltungen der Hochschule sowie Hochzeiten von Kommilitonen. Auch für sein Bistum fertigte er Videos an. Auf dem Schreibtisch in seiner Kaplanswohnung der größten Stadtpfarrei Regensburg liegen Gadgets wie Kameras, Objektive, Kabel und ein Mikrofon.

Die Kirche ist eindeutiger in den USA 

Den bilingual aufgewachsenen „Digital Native“ begeistert die Kirche in den Vereinigten Staaten. Die Katholiken dort seien mehr „bibel- und dogmenkonzentriert“ weiß der Kaplan, der zwischen seinen Studien ein Freijahr in den USA belegte. Der intellektuelle Anspruch sei auch größer als unter den Katholiken Deutschlands. „Wir wollen häufig nicht zu vereinnahmend sein, weil wir denken, wir schrecken damit die Leute ab. Die amerikanische Kirche ist da viel eindeutiger“, schwärmt Skorczyk.

Auch die Vorstellung des Millennial-Kaplans von Kirche entspricht der einer neuen Generation von Gläubigen, der der deutsche Verbandskatholizismus ein Fremdwort ist. „Die Leute wollen sich heute nicht mehr binden“, weiß Skorczyk.

Mit 13 angefangen, über die Berufung nachzudenken

„Corona hat gezeigt, dass der Vereinskatholizismus keine Zukunft hat“. Für Evangelisation, so Skorczyk, seien die Zeiten gut, denn je jünger und städtischer die Bevölkerung wäre, desto mehr ließen sie den „medialen Kirchenhass“ hinter sich. Kirche spiele im Leben dieser Menschen keine Rolle mehr. Er erzählt von einer Lehrerkollegin, die aus Berlin stammt. „Für sie bin ich so ein asiatischer Mönch, den sie auf einer Balireise trifft“, witzelt Skorczyk. Mit ihr hätte er „wunderbare“ Gespräche, weil sie unvoreingenommen wäre. „Das finde ich eine schöne Tendenz, weil in dieses Nichts kannst du etwas rein sprechen. Dort kommen offene Fragen: Wie ist dein Lebensstil? Warum bist du Priester geworden?“, erzählt der extravertierte Kaplan.

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Nichts verpasst

Den Vertretern der Generation Y und Z wird nachgesagt, dass sie sich nicht binden wollen. Hier unterscheidet sich Skorczyk von seinen Altersgenossen. Er hätte nie das Gefühl, etwas in seinem Leben verpasst zu haben, dadurch, dass er sich so früh für den Weg des Priestertums entschied. Einen Wermutstropfen gibt es jedoch schon: „Ich wollte früher eigentlich jung heiraten und drei bis fünf Kinder haben“, gibt er zu.

Der reflektierte Priester ist sich bewusst, dass es Versuchungen geben wird und er „Petrus-Momente“ im Laufe seines Lebens haben wird. Trotz seines ursprünglichen Wunsches betont Skorczyk mit Nachdruck, dass er den Weg „nicht trotz, sondern wegen des Zölibats“ gewählt hatte. „Wegen dieser besonderen Christusnachfolge, weil es ohne Kompromiss ist, weil du alles geben musst, weil dir Christus dafür alles gibt und noch mehr, hab ich das Priestertum bewusst gewählt“, lautet sein Plädoyer. Wer weiß: Vielleicht wird Leonard Skorczyk eines Tages der „Bishop Barron“ der Deutschen?

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